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	<title>Uwe Nielsen</title>
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	<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:57:32 +0000</pubDate>
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		<title>BATMAN</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 13:57:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[BATMAN

Kategorie: Superhelden
Zeitraum: 1939 bis heute

Jahrgang 1939 – und immer noch die ganze Nacht über unterwegs – schon ein harter Knochen, dieser BATMAN – der Fledermausmann. Mehr als 70 Jahre ist es jetzt her, dass Bob Kane und Bill Finger diese zweite Identität des Milliardärs Bruce Wayne erschufen.

Damit ist BATMAN vier Jahre älter als ich - [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 16pt;">BATMAN</span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Kategorie: Superhelden</p>
<p class="MsoNormal">Zeitraum: 1939 bis heute</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Jahrgang 1939 – und immer noch die ganze Nacht über unterwegs – schon ein harter Knochen, dieser BATMAN – der Fledermausmann. Mehr als 70 Jahre ist es jetzt her, dass Bob Kane und Bill Finger diese zweite Identität des Milliardärs Bruce Wayne erschufen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Damit ist BATMAN vier Jahre älter als ich<span> </span>- aber schaut ihn Euch mal an, wenn er sich so über die Straßenschluchten von Gotham City schwingt – da könnte ich nicht mithalten! Zum ersten Mal traf ich BATMAN 1954<span> </span>in einem Comicheft, das sich damals „Buntes Allerlei“ nannte und im „Aller-Verlag“ erschien (haha!). Hier war er allerdings nur Zweiter – hinter Titelheld SUPERMAN, und im Sommer desselben Jahres war es auch schon wieder vorbei mit den Super-Abenteuern<span> </span>des Helden mit dem flatternden Cape.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es dauerte dann noch mal zehn Jahre, bis ich BATMAN wiedertraf – an einem Zeitungskiosk in meinem Studienort Wien, wo damals noch Original-US-Comics verkauft wurden – zu völlig überhöhten Preisen versteht sich: ein Heft kostete mehr als ein Viertel Wein!</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/batman-213.jpg" rel="lightbox[275]"><img class="alignnone size-medium wp-image-276" title="batman-213" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/batman-213-204x300.jpg" alt="" width="204" height="300" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Bedeutend günstiger wurde es dann kurz darauf in London, wohin ich als recherchierender Assistent des Filmproduzenten Dr. Karl Stanzl geriet. In den Recherchepausen streunte ich durch die City und fand – damals noch keine Comic-Stores, sondern in den Kiosken an den U-Bahn-Stationen Zeitschriftenständern mit – ja, tatsächlich: BATMAN-Comics.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Unabhängig von mir stieß auch der deutsche Comicverlag EHAPA auf den Fledermausmann, denn in der gerade gestarteten SUPERMAN-Heftreihe tauchte schon im dritten Heft mein Freund BATMAN auf. Regelmäßig erschienen hier Nachdrucke seiner Abenteuer, keineswegs chronologisch geordnet, sondern in einem wilden Durcheinander aus den vergangenen Jahrzehnten.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Comics nannten damals nicht Schreiber und Zeichner der Serien, aber es fiel einem Fan doch auf, dass da ganz verschiedene – und verschieden gute – Urheber am Werk waren. Die Stories waren längst nicht so brutal wie heute, manche waren sogar ziemlich albern und ähnelten der Fernsehserie „Batman und Robin“, die es auch im Deutschen Fernsehen zu bestaunen gab. Die flotten Sprüche der Serie, die schon im Original ziemlich grauslich klangen, wurden durch die deutsche Synchronisation eindeutig nicht besser.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/batman.jpg" rel="lightbox[275]"><img class="alignnone size-medium wp-image-277" title="batman" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/batman-300x223.jpg" alt="" width="300" height="223" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Anfang der 70er Jahre gab es dann in den amerikanischen Originalen einen deutlichen Umbruch – für einige Ausgaben der Jahre 1970/1971 übernahmen<span> </span>Schreiber Denny O’Neill und Zeichner Neal Adams verschiedene BATMAN-Serien. Sie erfanden u.a. den BATMAN-Erzfeind Ras-Al-Ghoul und dessen bildschöne Tochter Talia („Die Tochter des Dämons“) – Vater und Kind wurden BATMAN auf unterschiedliche Art ziemlich gefährlich. In dieser Zeit entstanden für mich die besten BATMAN-Stories.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Viele andere Feinde BATMANs haben ein ebenso reifes Alter wie er: Joker, Pinguin, Clayface, Two-Face und Scarecrow stammen aus der Frühzeit der Serie, wurden – und werden - aber in regelmäßigen Abständen wieder aus dem Vorratsschrank des DC-Universums gezogen und „relaunched“.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Das Verhältnis BATMANs zu seinem jugendlichen Begleiter ROBIN wurde schon in den 50er Jahren als latent homosexuell geortet – der deutsch-amerikanische Psychiater Freddric Wertham outete die Beiden in seinem Buch „Seduction oft he Innocent“ und inspirierte damit die Selbstzensur der Comic-Industrie, die als Comic Code Authority ab 1954 alle Comics auf moralische Sauberkeit überprüfte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Dazu H.C. Artmann:</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Batman und robin liegen im bett,</p>
<p class="MsoNormal">batan ist garstig und robin ist nett.</p>
<p class="MsoNormal">Batman tatüü und robin tataa,</p>
<p class="MsoNormal">raus aus den federn, der morgen ist da!</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Im Lauf der Jahrzehnte verlor BATMAN jeden weichen Zug, er wurde immer härter und brutaler – wie alle US-Comic-Helden seit den 80er Jahren. „The Dark Knight Returns“ und „Arkham Asylum“ (1989) waren Meilensteine auf diesem Wege.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Schon in den 40er Jahren hatte die Filmindustrie zwei „Serials“ genannte Kinoserien über den Fledermaus gedreht, in den 60ern kam die bereits erwähnte kindertaugliche Fernsehserie dazu, aber erst 1989<span> </span>nahm<span> </span>der Regisseur Tim Burton BATMAN in seiner Heimatstadt Gotham mit all ihrer Düsternis und ihren verregneten Straßen wahr. Die Widersacher des Helden – in Gestalt von Jack Nicholson als JOKER und Danny DeVito als PINGUIN – machten die notwendige böse Figur dazu.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/batman-master.jpg" rel="lightbox[275]"><img class="alignnone size-medium wp-image-278" title="batman-master" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/batman-master-201x300.jpg" alt="" width="201" height="300" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ab 2005 führten neue Verfilmungen BATMAN noch weiter in finstere Regionen – auch der reale Tod des neuen JOKER-Darstellers Heath Ledger am 22.1. 2008 trug zum düsteren Ruf der Welt von Gotham City bei. Ledger hatte zu viele verschiedene Tabletten eingenommen – posthum bekam er 2009 den OSCAR</p>
<p class="MsoNormal">in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Lauf BATMANs aber geht weiter: „The Dark Knight Rises“ kommt am 26. Juli 2012 in die deutschen Kinos.</p>
<p class="MsoNormal"><span> </span><span> </span></p>
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		<title>Dracula</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 14:38:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Dracula
Kategorie: Schreckliche Helden
Zeitraum: 1897 bis heute

Er war schon ein paar hundert Jahre alt, aber ich war gerade mal sechzehn, ich ihn im Jahr 1959 zum ersten Mal sah: Graf Dracula. In der Gestalt von Christopher Lee erschien er auf der Leinwand des STERN-Kinos in Bremen, und ich war gebannt.



Horrorstories und Gruselgeschichten hatte ich schon gelesen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><strong>Dracula</strong></p>
<p class="MsoNormal">Kategorie: Schreckliche Helden</p>
<p class="MsoNormal">Zeitraum: 1897 bis heute</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Er war schon ein paar hundert Jahre alt, aber ich war gerade mal sechzehn, ich ihn im Jahr 1959 zum ersten Mal sah: Graf Dracula. In der Gestalt von Christopher Lee erschien er auf der Leinwand des STERN-Kinos in Bremen, und ich war gebannt.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1958-horrorofdracula.jpg" rel="lightbox[267]"><img class="alignnone size-medium wp-image-268" title="1958-horrorofdracula" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1958-horrorofdracula-219x300.jpg" alt="" width="219" height="300" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Horrorstories und Gruselgeschichten hatte ich schon gelesen, soweit diese damals greifbar waren. Der Büchermarkt war zu dieser noch nicht überschwemmt von aller Art von Genreliteratur. Da fand sich gerade mal ein Band mit Geschichten von Edgar Allan Poe im Bücherschrank meines Onkels, und E.T.A. Hoffmann konnte ich sogar im Deutschunterricht in einem Referat behandeln. Aber sonst? Irgendwann erschien eine Anthologie mit Geister- und Gespenstergeschichten in der Buchgemeinschaft, bei der ich Mitglied war – aber sonst: Fehlanzeige.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">So wurde der Sechzehnjährigen vom Fürsten der Finsternis im dunklen Kinosaal ziemlich überraschend getroffen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Von dem literarischen Vater des Untoten, dem irischen Schriftsteller Bram Stoker (1847 – 1912) wusste ich nichts, ebenso wenig von den schwarz-weißen Vorläufers des blutig bunten Streifens. Viele Jahre später erst sah ich die Klassiker „Nosferatu“ aus dem Jahre 1922 (mit dem Hauptdarsteller, der passenderweise Max Schreck hieß)<span> </span>und den ersten „Dracula“-Tonfilm mit dem ungarischen Hauptdarsteller Bela Lugosi von 1931.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1931-dracula.jpg" rel="lightbox[267]"><img class="alignnone size-medium wp-image-269" title="1931-dracula" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1931-dracula-111x300.jpg" alt="" width="111" height="300" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Er hatte bereits zuvor am Broadway die Titelrolle in der Theaterversion des Stoffes von Hamilton Dean und John Balderstone gespielt, und sein Satz „I never drink – wine!“ mit der charakteristischen Pause vor dem Satzobjekt begeisterte mich bei der ersten Betrachtung der Filmversion.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Damals, in den 50er Jahren, gab es natürlich noch keine DVD-Editionen wie die er UNIVERSAL, in der ich später den Original-Dracula mitsamt einer mexikanischen Version und diversen Fortsetzungen fand. Und es gab auch noch keine Retrospektiven eines so abseitigen Filmgenres, das von Filmafficinados damals noch über die Schulter angesehen wurde.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">In den Vorstadtkinos Wiens, von denen es in den 60er Jahren noch unzählige gab, musste ich die alten Filme in entsetzlich verschrammten und zuckenden Kopien suchen. Hier fand ich dann Klassiker wie den Abbott und Costello Streifen „A &amp; C treffen Frankenstein und Dracula“ aus dem Jahr 1948, in dem Bela Lugosi noch einmal den Vampirgrafen spielte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1948-abbott__costello_meet_frankenstein_1948.jpg" rel="lightbox[267]"><img class="alignnone size-medium wp-image-270" title="1948-abbott__costello_meet_frankenstein_1948" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1948-abbott__costello_meet_frankenstein_1948-300x228.jpg" alt="" width="300" height="228" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auch die Romanvorlage war damals nicht greifbar. 1897 war das Original von Bram Stoker in England erschienen, eine deutsche Übersetzung erstmals 1908, doch fand sich nirgendwo in einer mir erreichbaren Bibliothek. Erst 1967 erschien dann der erste Band der „Bibliotheca Dracula“ mit den legendären Illustrationen von Uwe Bremer. Den erstand ich dann natürlich sofort und las endlich den Horror-Klassiker, den ich schon aus dem Kino kannte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Auch die Theaterfassung von 1924 konnte ich später als Bühnenmanuskript ergattern, leider sah ich nicht die Wiederaufführung von 1977, zu der der geniale Zeichner Edward Gorey Bühnenbild und Kostüme beisteuerte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ab 1970 überschlugen sich dann die Dracula-Fortsetzungen – zuerst im Kino, wo sich – neben Christopher Lee – Schauspieler wie Jack Palance, Klaus Kinski, Louis Jordan, Frank Langella, Udo Kier, Gary Oldman u.v.a in der Rolle des Vampirfürsten versuchten.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1970-scars_03_img1186.jpg" rel="lightbox[267]"><img class="alignnone size-medium wp-image-271" title="1970-scars_03_img1186" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1970-scars_03_img1186.jpg" alt="" width="419" height="293" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Lee hatte in der Figur des Grafen Dracula die Rolle seines Lebens gefunden. Vor 1958 war Christopher noch ein eher unbekannter Schauspieler gewesen, der im Jahr zuvor bei der HAMMER-Film als recht verunstaltetes Frankenstein-Monster debütiert hatte. <span> </span>Mit dem Vampirgrafen fand er de Rolle seines Lebens, und er konnte sich jahrelang nicht von dem Genre verabschieden: immer wieder stand er aus dem Grabe auf, jagte Mini-Mädchen sogar durch das Swinging London der frühen 70er Jahre und brauchte „frisches Blut“.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1972-dracula-jagt-mini.jpg" rel="lightbox[267]"><img class="alignnone size-medium wp-image-272" title="1972-dracula-jagt-mini" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/1972-dracula-jagt-mini-300x222.jpg" alt="" width="300" height="222" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Mit dem Darsteller des Dracula-Erzfeindes Dr. Van Helsing, Peter Cushing, war Lee privat befreundet, genau wie mit einem anderen Horror-Kollegen, dem Amerikaner Vincent Price. Und – so geht wenigstens die Fama – sein Hausnachbar im London der 60er Jahre war eine andere Horror-Legende. Boris Karloff.</p>
<p class="MsoNormal">In diesem Jahr wird Christopher Lee 90 Jahre alt – ein schönes Alter, wenn auch noch nicht ganz so unsterblich wie seine Figur Dracula.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal" style="text-align: right;" align="right">
]]></content:encoded>
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		<title>Billy Jenkins (ab 1949)</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 13:54:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[An den Kiosken der frühen Fünfziger Jahre spielten die dünnen Hefte mit den stahlblauen Umschlägen eine Hauptrolle. Wie magisch zogen sie unsere Augen an, die Westernhelden mit den markigen Gesichtern und den langen Colts: Billy Jenkins und Tom Prox. Ihre Geschichten erschienen seit 1949 in dieser Form, und wir wussten nicht, dass es schon einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">An den Kiosken der frühen Fünfziger Jahre spielten die dünnen Hefte mit den stahlblauen Umschlägen eine Hauptrolle. Wie magisch zogen sie unsere Augen an, die Westernhelden mit den markigen Gesichtern und den langen Colts: Billy Jenkins und Tom Prox. Ihre Geschichten erschienen seit 1949 in dieser Form, und wir wussten nicht, dass es schon einmal – in den 30er Jahren – Billy-Jenkins-Hefte gegeben hatte. <span>Heft Nr. 1 (von 264) war erschienen am 13. August 1934 und hieß „Der Teufel der Savanne“. Das erste Nachkriegsabenteuer hieß „Die Hand am Colt“ und war das erste von 370.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: center;" align="center"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/bj-1.png" rel="lightbox[262]"><img class="alignnone size-medium wp-image-263" title="bj-1" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/bj-1.png" alt="" width="146" height="205" /></a></p>
<p class="MsoNormal"><span>Dass dieser Billy Jenkins tatsächlich existierte, glaubten wir nicht wirklich, obwohl in den Heften ein weißhaariger Mann in exotischem Westernoutfit abgebildet war, der einen dressierten Adler auf der behandschuhten Faust balancierte. Und doch: es hatte ihn gegeben! Billy Jenkins hieß eigentlich Erich Rudolf Otto Rosenthal, geboren am 26.6. 1895 in Magdeburg, war zwar nicht das gewesen, was die Hefte uns weismachen wollten, hatte aber doch ein ziemlich interessantes Leben geführt.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Mit 15 Jahren war der kleine Erich von zu Hause ausgebüxt und hatte sich als Schiffsjunge bis zum Suezkanal durchgeschlagen. Hier wäre seine Reise zu Ende gewesen, wenn nicht der deutsche Kaiser Wilhelm in diesem Jahr 1900 seine berühmte „Hunnenrede“ gehalten und ein paar deutsche Kriegsschiffe in Richtung China losgeschickt hätte, um dort den Boxeraufstand niederzuschlagen. Die kamen zwar zu spät in China an (der Aufstand war beendet), hatten aber dafür den deutschen Schiffsjungen an Bord, der einmal Billy Jenkins werden sollte.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Ob und wie Erich/Billy es dann wirklich in den Wilden Westen Amerikas schaffte, bleibt umstritten. Schießen lernte er jedenfalls, denn in der Western-Show „Miss Margo Astoria und Billy Jenkins“ soll es eine legendäre Nummer gegeben haben, in der Billy seiner Partnerin Olly Egidy mit wohl gezielten Schüssen die Knöpfe vom Kostüm entfernte, bis die Dame in knapper Corsage vor dem begeisterten Publikum stand. Auch als „lebendes Maschinengewehr“ wurde Billy später bekannt, und obwohl er nach den Wahnsinnsregeln der NAZIs ein „Halbjude“ war, konnte er sich mit einem Wanderzirkus durch den 2. Weltkrieg retten.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Davon hatten wir keine Ahnung, als wir die Abenteuer von Billy Jenkins und seinem Kollegen Tom Prox mehr oder weniger heimlich lasen (unsere Eltern waren von dieser Art „Schundliteratur“ nicht sonderlich angetan). Tom war ein Jahr nach Billy auf den Markt gekommen – mit dem ersten Heft „Tom räumt auf“, und seine Abenteuer ähnelten denen von Billy doch sehr. Meine Interesse an den Geschichten war daher auch begrenzt, mehr als ein Dutzend habe ich sicher nicht gelesen. Doch der optische Eindruck der stahlblauen Hefte hat sich in meine Erinnerung eingeprägt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: center;" align="center"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/tp-1.png" rel="lightbox[262]"><img class="alignnone size-medium wp-image-264" title="tp-1" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/tp-1.png" alt="" width="149" height="209" /></a></p>
<p class="MsoNormal"><span>Es erschienen übrigens auch eine ganze Reihe von dicken, sog. Leihbüchern mit den beiden Helden. In der damaligen Zeit gab es nämlich in allen größeren deutschen Städten – wie auch in Wien – Romantausch-Kleinunternehmer, die Jung und Alt mit Schundromanen, neu und gebraucht, belieferte. Man konnte dort Hefte und Bücher – vom Liebesroman bis zu Western, Krimi und utopischen Romanen – kaufen oder ausleihen. Was man gelesen hatte, konnte man wieder zurückbringen und musste nur einen geringen Aufpreis zahlen, um den nächsten Lesestapel mitnehmen zu können.</span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal">
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		</item>
		<item>
		<title>Zwerg Bumsti (1949)</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Mar 2012 16:03:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwerg Bumsti (ab 1949)

Ein Held war er eigentlich nicht wirklich – bestenfalls ein Pantoffelheld, dieser längst vergessene Zwerg namens Bumsti aus der gleichfalls verschwundenen Kinderzeitung WUNDERWELT. Aber er war einer der ersten „virtuellen“ Helden, die mein Kinderleben bevölkerten.
Geboren im Jahr 1948 noch unter dem Namen Pockel im fünften Heft der WUNDERWELT, mutierte er schon bald [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 16pt;">Zwerg Bumsti (ab 1949)</span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Ein Held war er eigentlich nicht wirklich – bestenfalls ein Pantoffelheld, dieser längst vergessene Zwerg namens Bumsti aus der gleichfalls verschwundenen Kinderzeitung WUNDERWELT. Aber er war einer der ersten „virtuellen“ Helden, die mein Kinderleben bevölkerten.</p>
<p class="MsoNormal">Geboren im Jahr 1948 noch unter dem Namen Pockel im fünften Heft der WUNDERWELT, mutierte er schon bald zu dem Bumsti, der er bleiben sollte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal" style="text-align: center;"><span> </span><span><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/zwerg-pockel.jpg" rel="lightbox[257]"><img class="alignnone size-medium wp-image-258" title="zwerg-pockel" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/zwerg-pockel-300x74.jpg" alt="" width="415" height="100" /></a></span></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Bumsti lernte ich kennen und schätzen: bekleidet mit roter Zwergenmütze, roter Jacke und blauer Hose erlebte – besser: durchlitt – der Zwerg mit seinem schütteren Haupthaar und einer Eppler-Bartkrause knapp 500 Abenteuer, bis er im Zuge einer neuen Zeit in Vergessenheit geriet.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Bumsti lebte damals in einem Pilzhaus zusammen mit seiner Lebensgefährtin, einer namenlosen, ziemlich resoluten – um nicht zu sagen: dominanten – Maus, die in aller Regel in einer Art Kittelschürze auftrat, die ich so ähnlich von meiner Hollabrunner Großmutter kannte. Zum Haushalt gehörten außerdem noch der Marienkäfer Krabblerich, die Raupe Wuzi und die Mücke Simsim.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/bumsti2.png" rel="lightbox[257]"><img class="aligncenter size-medium wp-image-259" title="bumsti2" src="http://www.uwe-nielsen.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/03/bumsti2-300x154.png" alt="" width="412" height="210" /></a></p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Maus war – wie jede ordentliche Hausfrau in dieser Zeit - meist mit irgendetwas beschäftigt, bei dem Bumsti nur störte., So schickte sie den eher ruhebedürftigen Helden, der beim Hausputz oder ähnlichen Anlässen nutzlos im Wege herumsaß, hinaus in den Wald, um irgendetwas zu besorgen (was ihm in den seltensten Fällen gelang).</p>
<p class="MsoNormal"><span> </span></p>
<p class="MsoNormal">Schuld an seinem Missgeschick waren meist zwei Zwergenbrüder namens Jobs und Balduin, die nichts anderes als Max-und-Moritz-artige Streiche im Schilde führten. Ihr regelmäßiges Opfer war natürlich Bumsti, und wenn schon alles schief gegangen war, bekam er’s dann auch noch von seiner Maus, die ich als zänkisch und leicht hysterisch in Erinnerung habe.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es gab aber auch Momente, in denen Bumsti nicht den Kürzeren zog, sondern seine Antagonisten leimte – das freute ihn dann genau so wie den kleinen Leser der WUNDERWELT.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der genoss diese kleine heile Gegenwelt, die von der Realität der frühen Fünfziger Jahre mit Wohnungsenge und Trümmergrundstücken weit entfernt war. Im Erlebnishorizont des Grundschülers von damals stellte diese Idylle natürlich nur eine kleine Episode dar, für die er sich eigentlich genierte. Lebte er doch im Norden Deutschlands, wo niemand von seinen Spiel- und Klassenkameraden diese WUNDERWELT kannte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die Hefte kamen als Streifbandzeitung alle 14 Tage aus dem damals noch sehr fernen Wien. Noch weiter als das reale Österreich lag allerdings der märchenhafte Bumsti-Wald.<span> </span>Als ich nach dem Staatsvertrag zum ersten Mal herfuhr, war ich dann schon 12 oder 13 Jahre alt, die Zeit der WUNDERWELT war verflossen, und auch der Zauber des Bumsti-Waldes war endgültig verflogen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Vor ein paar Jahren, 2008, fand ich die WUNDERWELT dann im Bezirksmuseum Alsergrund in Wien wieder. Bei einer kleinen Ausstellung über meine Kinderzeitung stieß ich auch auf eine DVD, auf der ein verdienstvoller Archivar alle WUNDERWELT-Hefte von 1948 bis 1986 inkl. Sonderhefte usw. eingescannt und abgespeichert hatte.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Interessenten finden die entsprechenden Links leicht im Internet.</p>
<p class="MsoNormal">
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		<title>Im Hawelka (zum Dritten)</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 20:09:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist kurz vor zwei Uhr nachts. Ich sitze im Hawelka, in der Ecke auf dem Sofa neben der Klotür. Das Café ist faktisch leer. Hinter der Budl klappert die Chefin mit Kaffeetassen und leeren Gläsern. Der Ober Theo räumt gelassen und systematisch die verlassenen Tische ab und trägt das Leergut mit nicht mehr ganz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Es ist kurz vor zwei Uhr nachts. Ich sitze im Hawelka, in der Ecke auf dem Sofa neben der Klotür. Das Café ist faktisch leer. Hinter der Budl klappert die Chefin mit Kaffeetassen und leeren Gläsern. Der Ober Theo räumt gelassen und systematisch die verlassenen Tische ab und trägt das Leergut mit nicht mehr ganz so frischen Plattfußschritten zur abwaschenden Josefine Hawelka.</p>
<p class="MsoNormal">Die kleinen Lampen über den Zweiertischen knippst er aus, wenn der Tisch darunter leer ist. Es ist Abschiedsdämmerung im Hawelka.</p>
<p class="MsoNormal">Und plötzlich sitzt er neben mir auf dem Sofa. Den Kragen seines dunklen Wintermantels hat er hochgeschlagen, ein schiefes Lächeln gleitet drüber her. Woher ist er so schnell gekommen? Etwa aus der Toilette hinter mir, aus der es immer ein wenig heraus müffelt?</p>
<p class="MsoNormal">Er sitzt da und macht keine Anstalten etwas zu bestellen. Nun gut, wahrscheinlich würde er auch nichts mehr bekommen, denn die letzten Besucher hat Frau Hawelka schon mit den Worten „Sperrstund’, meine Herren!“ abgewiesen.</p>
<p class="MsoNormal">Sein Gesicht wirkt ein wenig aufgeschwemmt, seine Wangen leicht schwammig, eigentlich genau so, wie ich ihn in Erinnerung habe. Gealtert scheint er nicht, seit ich ihn zuletzt sah in strahlendem Schwarz-Weiß.</p>
<p class="MsoNormal">Er lächelt noch immer, zwinkert mir zu.</p>
<p class="MsoNormal">„Viel hat sich hier nicht geändert seit meiner Zeit – seinerzeit!“ sagt er und schaut in die Runde.</p>
<p class="MsoNormal">Was soll sich hier schon ändern – im Hawelka?! Auch weitere fünfzig Jahre später wird sich nichts verändert haben. Die abgewetzten Holzstühle halten sich noch krampfhaft auf ihren Beinen, die Marmortische verdauen die Bierlachen, die Bezüge der Plüschsofas – irgendwann erneuert – schauen auch schon wieder ganz schön alt aus – und nicht nur sie.</p>
<p class="MsoNormal">„Die Toiletten stinken auch immer noch – genau so wie damals!“ sagt er. „Sie stinken wie die Kanäle unter der Stadt. Nicht auszuhalten! Unzumutbar!“</p>
<p class="MsoNormal">Hat er sich nicht sogar geweigert, dort unten in den Kanälen zu drehen? Mussten sie nicht für ihn im Studio in London nachgebaut werden?</p>
<p class="MsoNormal">Er nickt. „Schauen Sie sich doch einfach mal um! Wirklich clean ist es hier doch nirgends!“</p>
<p class="MsoNormal">Mit spitzen Fingern dreht er meine verlassene Kaffeetasse auf dem Blechtablett.</p>
<p class="MsoNormal">„Ich würde hier nichts trinken!“</p>
<p class="MsoNormal">Neugierig wie ich bin frage ich: „Und damals? Haben Sie damals auch nichts getrunken?“</p>
<p class="MsoNormal">Er lächelt sein berühmtes überlegenes Lächeln.</p>
<p class="MsoNormal">„Wie war es damals wirklich, Mister &#8230; Lime?“</p>
<p class="MsoNormal">Sein Lächeln vertieft sich.</p>
<p class="MsoNormal">„Sie können einfach Harry zu mir sagen.“</p>
<p class="MsoNormal">Im Hintergrund zischt der letzte Dampf aus der Kaffeemaschine. Es klingt wie eine Lokomotive in den letzten Zügen vor der Remise. Er scheint es aber gar nicht zu hören. Er ist weit weg, lauscht in sich hinein und in die Vergangenheit. Da ähnelt er den Wienern sehr.</p>
<p class="MsoNormal">„Ich bin oft hier gesessen, genau so wie Sie jetzt, mein Freund. Aber ich habe immer nur aus meiner eigenen Flasche getrunken, meinen eigenen Whiskey. Und meine eigenen Zigaretten geraucht, natürlich!“</p>
<p class="MsoNormal">„Mit denen haben Sie natürlich auch gehandelt – wie mit dem verschnittenen Penicillin?!“</p>
<p class="MsoNormal">Ein bisschen frech, meine Frage, aber er zuckt nur die Achseln.</p>
<p class="MsoNormal">„Haben Sie das etwa geglaubt – das mit dem bösen Penicillin? Pah – das war doch nur eine wilde Idee von diesen beiden verrückten Briten. Green und Reed, sie wollten eine heiße Story, nicht die Wahrheit!“</p>
<p class="MsoNormal">Ungläubig schaue ich ihn an.</p>
<p class="MsoNormal">„Damals konnten Sie mit Schnaps und Zigaretten so viel Geld verdienen wie heute mit Koks und Heroin! Doch nicht mit Medikamenten!“</p>
<p class="MsoNormal">Er schaut sich um und deutet zu der schmalen Tür mit den geätzten Scheiben neben unserem Tisch, hinter der sich die Besenkammer des Lokals verbirgt. Früher soll sie einmal zu den Separées geführt haben, als das Lokal 1918 als „Chatham“-Bar eröffnet wurde. Das ist lange her.</p>
<p class="MsoNormal">„Da drin hatte ich damals mein Lager – das für die Innere Stadt. Die großen Posten lagerten natürlich im russischen Sektor. Mit den Russen kam ich sehr gut aus – wir hatten ein Abkommen. Sie taten mir nichts, dafür bekamen sie echten amerikanischen Whiskey. Oder – sagen wir mal: das, was sie dafür hielten!“</p>
<p class="MsoNormal">Er lachte tonlos.</p>
<p class="MsoNormal">Langsam rückten die Schatten im Café Hawelka näher an uns heran. Die meisten der kleinen Lampen waren jetzt gelöscht. Auch draußen auf der Dorotheergasse ist es mittlerweile ziemlich finster.</p>
<p class="MsoNormal">Er scheint meine Gedanken zu erraten.</p>
<p class="MsoNormal">„So dunkel war es damals in der ganzen Stadt! Man hatte es leicht sich zu verstecken. Dazu musste man nicht in die stinkenden Kanäle hinunter!“</p>
<p class="MsoNormal">Er beugt sich zu mir herüber.</p>
<p class="MsoNormal">„Hier bin ich mit den russischen Offizieren gesessen. Die kamen gerne her, wenn ich da war. Natürlich nur die Wichtigen, die besseren Chargen. Und die,die für mich gearbeitet haben. Einer von ihnen hat immer Klavier gespielt.“</p>
<p class="MsoNormal">Auf meinen fragenden Blick deutet er in den dunklen Raum hinein.</p>
<p class="MsoNormal">„Da – dort drüben stand ein Piano. Es war immer verstimmt, aber Pjotr hat trotzdem darauf gespielt. Auch wenn der Chef es nicht hören konnte – so schräg klang es. Wir hatten eine kleine Absprache: wenn eine Zivilstreife herein kam, von der Militärpolizei oder vom Zoll, dann spielte Pjotr die Internationale – ziemlich falsch. Aber so falsch konnte sie gar nicht, dass die Russen sie nicht erkannt hätten. Alle sprangen auf, sangen mit, salutierten, tranken noch einen Schnaps auf Väterchen Stalin und warfen die Gläser hinter sich. In dem Durcheinander konnte ich dann leicht entkommen. Es war alles bestens organisiert!“</p>
<p class="MsoNormal">Gebannt lausche ich den Erzählungen aus einer Zeit, die ich selbst nicht erlebt habe – hier in Wien, im Hawelka.</p>
<p class="MsoNormal">Mein Gesprächspartner seufzt. „Aber irgendwann geht alles vorbei. Meine Landsleute haben lange gebraucht, aber dann haben die von der MP den Trick durchschaut. Sie sind zum Chef gegangen und haben gesagt, er soll das Klavierspielen unterbinden. Dem war das ganz recht. Der Russe spielte wirklich furchtbar falsch!“</p>
<p class="MsoNormal">Versonnen schaute er in die Runde. Viel war nicht mehr zu erkennen: die schmutzigen, sandfarbenen Säulen mit den dunklen hölzernen Kanten. Die weißen Technolumen-Leuchten an der Decke waren die einzigen Lampen, die noch etwas Licht spendeten. Irgendwie Endzeitstimmung.</p>
<p class="MsoNormal">„Es war ein hartes Business, aber kein wirklich schweres. Eigentlich eine schöne Zeit &#8230;!“</p>
<p class="MsoNormal">„Konkurrenz gab es nicht in Ihrem – Geschäft?“</p>
<p class="MsoNormal">„Doch natürlich, „nickt er, „anfangs waren wir eine Handvoll, die sich das Geschäft teilten. Griechen, Levantiner, Amerikaner – keine Juden. Die hatten noch Angst. Es wurden immer weniger – wie es so kommt im kapitalistischen System: die Großen fraßen die Kleinen. Zum Schluss waren wir nur noch zwei: der Grieche und ich!“</p>
<p class="MsoNormal">„Der Grieche?“ fragte ich neugierig.</p>
<p class="MsoNormal">„Da drüben hat er immer gesessen – mein Freund!“</p>
<p class="MsoNormal">Er grinste schief und deutete zu einem Tisch in der anderen Ecke des Raumes, den man jetzt nur noch erahnen konnte.</p>
<p class="MsoNormal">„Dort war sein Revier. Da hielt er Hof – immer eine schöne Frau an seiner Seite. Nicht jeden Tag dieselbe, aber immer eine Schönheit. Er erzählte wilde Geschichten: dass er das Casino von Monte Carlo sofort übernehmen könnte, wenn er nur wollte!“</p>
<p class="MsoNormal">Ein kleines Lächeln huschte über das Gesicht meines Gesprächspartners.</p>
<p class="MsoNormal">„Er hatte wirklich gute connections – aber zuletzt waren meine doch besser! Und eines Tages hat er es eingesehen und ist aus der Stadt verschwunden, der gute Ari! Von einem Tag auf den anderen war er weg!“</p>
<p class="MsoNormal">„Ari hieß er?“ frage ich nach.</p>
<p class="MsoNormal">„Ja. Sie kennen ihn bestimmt auch – er hat die Branche gewechselt – sehr erfolgreich – Aristoteles Onassis!“</p>
<p class="MsoNormal">„Der war hier – im Hawelka? Frage ich ungläubig und schaue genauer zu dem Tisch hinüber. Aber natürlich sitzt da heute Nacht niemand.</p>
<p class="MsoNormal">Als ich mich zurückdrehe, versperrt mir der Ober Theo mit seiner stämmigen Statur die Sicht. Er zuckt mir gespieltem Bedauern die breiten Schultern.</p>
<p class="MsoNormal">„Ich weiß eh, Theo: die Sperrstund’!“</p>
<p class="MsoNormal">„Naja,“ nuschelt der Kellner zurück.</p>
<p class="MsoNormal">„Mit wem reden’S denn da noch, Theo?“ schnarrt die etwas schrille Stimme der Frau Hawelka aus der kleinen Küche hinter der Schanktheke hervor.</p>
<p class="MsoNormal">„Es ist nur den Herr Nielsen, Frau Chefin!“ ruft Theo zurück.</p>
<p class="MsoNormal">„Was? Wirklich? Und ich hätt’ schwören können, ich hör’ da noch einen Dritten Mann!“</p>
<p class="MsoNormal">Doch die Bank neben mir ist längst wieder leer. Theo hilft mir in den Mantel.</p>
<p class="MsoNormal">„Nichts für ungut!“</p>
<p class="MsoNormal">Ich bedanke mich freundlich und gehe hinaus auf die Straße.</p>
<p class="MsoNormal">Irgendwo hören ich Schritte, die sich entfernen.</p>
<p class="MsoNormal">
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		<title>1905</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 11:46:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[1905
 

Kaiser Wilhelm kann gar nicht auf Richard Straussens „Salome“ („Strauss is’ne Schlange, die ick mir an meinem Busen jenährt habe!“) und fährt lieber nach Tanger – was ein Jahr später prompt zur 1. Marokkokrise führt.
In Wien liest man heimlich Sigmund Freuds „3 Abhandlungen zur Sexualtheorie“, die Franz Lehars „Lustige Witwe“ in der Praxis ausprobiert.
Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><strong><span style="font-size: 16pt;">1905</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<div style="border: 1pt solid windowtext; padding: 1pt 4pt; margin-left: 0cm; margin-right: 1.15pt;">
<p class="MsoBodyText" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">Kaiser Wilhelm kann gar nicht auf Richard Straussens „Salome“ („Strauss is’ne Schlange, die ick mir an meinem Busen jenährt habe!“) und fährt lieber nach Tanger – was ein Jahr später prompt zur 1. Marokkokrise führt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">In Wien liest man heimlich Sigmund Freuds „3 Abhandlungen zur Sexualtheorie“, die Franz Lehars „Lustige Witwe“ in der Praxis ausprobiert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">Die Deutschen kriegen haufenweise Nobelpreise (Physik, Chemie und Medizin), gründen die MITROPA, an der wir noch lange zu kauen haben werden, und lassen Autobusse durch Berlin kreisen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">Die Damen legen das Korsett ab („Ah!“) und genehmigen sich auch in Europa schon mal einen Cocktail („Aaah!“)</span></p>
</div>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Ein revolutionäres Jahr: große Aufregung im Zarenreich und im Unterleib! </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 12pt;">Proletarische und sexuelle Revolutionen bringen Unruhe ins 20. Jahrhundert.</span></p>
<p style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">Beim <a title="Petersburger Blutsonntag" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Petersburger_Blutsonntag"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Petersburger Blutsonntag</span></a> am 22. Januar lösen Soldaten eine friedliche <a title="Demonstration" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Demonstration"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Demonstration</span></a> von weit mehr als 30.000 Menschen brutal auf, r<span class="mw-headline">evolutionäre Unruhen sind die Folge.</span> <a title="Streik" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Streik"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Streiks</span></a>, <a title="Meuterei" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Meuterei"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Meuterei</span></a>, Morde an Grundbesitzern und Industriellen sind – wie man so sagt - an der Tagesordnung. </span></p>
<p style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">Ein <a title="Generalstreik" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Generalstreik"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Generalstreik</span></a> der sozialistisch organisierten Arbeiter legt das öffentliche Leben lahm, um den Zaren zu zwingen, Zugeständnisse zu machen. </span></p>
<p style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">Am <a title="27. Juni" href="http://de.wikipedia.org/wiki/27._Juni"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">27. Juni</span></a> meutern auf dem <strong>Panzerkreuzer „Potemkin“ </strong></span><a name="_ftnref1" href="#_ftn1"><span class="MsoFootnoteReference"><span style="font-size: 10pt;"><span><span class="MsoFootnoteReference"><span style="font-size: 10pt; font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">[1]</span></span></span></span></span></a><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">die Matrosen und bekennen sich durch das Hissen der roten Fahne zum <a title="Kommunismus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Kommunismus</span></a> – man kennt die Szenen aus dem Film von Sergej Eisenstein. Weiter geht es am <a title="8. November" href="http://de.wikipedia.org/wiki/8._November"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">8. November</span></a> mit der Matrosenrevolte in <a title="Kronstadt (Russland)" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kronstadt_%28Russland%29"><span style="font-family: &quot;Times New Roman&quot;;">Kronstadt</span></a> – alles führt schließlich zur Oktoberrevolution 1917!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Doch 1905 werden noch alle Revolutionen und Aufstände von den Kräften der Reaktion nach Kräften nieder gemacht – auch in Deutsch-Südwest geht es den Hereros- und Hottentotten jetzt brutal an den Kragen!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<div style="border: 1pt solid windowtext; padding: 1pt 4pt;">
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><strong><span style="font-size: 10pt;">PFLICHT und GESETZ</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">Der Philosoph: „Wenn jeder täte seine Pflicht, dann bräuchte man Gesetze nicht!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">Der Jurist: „Und hätten wir Gesetze nicht, wie wüten wir, was uns’re Pflicht?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">Der Politiker: „Geht, laßt doch einmal das Geschwätz! Wenn kümmern Pflicht oder Gesetz?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="border: medium none; padding: 0cm;"><span style="font-size: 10pt;">(Daniel Spitzer in der Fackel 176 / 1905)</span></p>
</div>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Die <strong>sexuelle</strong> Revolution braucht auch noch ein paar Jahre – aber das Flämmchen beginnt zu glühen: Sigmund Freud veröffentlicht seine &#8220;Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie&#8221; die Franz Lehars „Lustige Witwe“ in der Praxis ausprobiert. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">„Professor Unrat“, Heinrich Manns Vorlage zu dem Film „Der blaue Engel“ erscheint, und die Damen in Europa legen peu à pau das Korsett ab („Ah!“) und genehmigen sich auch schon mal einen Cocktail („Aaah!“)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Christian Morgenstern weiß, wovon er in Ernst von Wolzogens &#8220;Überbrettl“ singt:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><strong><span style="text-decoration: underline;"><span style="font-size: 10pt;">„Das Fest des Wüstlings“</span></span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Was stört so schrill die stille Nacht?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Was sprüht der Lichter Lüsterpracht?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Das ist das Fest des Wüstlings!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Was huscht und hascht und weint und lacht?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Was cymbelt gell? Was flüstert sacht?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Das ist das Fest des Wüstlings!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Die Pracht der Nacht ist jach entfacht!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Die Tugend stirbt, das Laster lacht!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">Das ist das Fest des Wüstlings!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;"><img class="aligncenter" style="border: 0pt none;" src="file:///Users/uwenielsen/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image002.gif" border="0" alt="LEAD Technologies Inc. V1.01" /></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><strong><span style="font-size: 10pt;">„Salome“ à la Aubrey Beardsley</span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><strong><span style="font-size: 10pt;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Die Oper <strong>„Salome“</strong> von <a title="Richard Strauss" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Strauss">Richard Strauss</a> hat es gar nicht leicht uraufgeführt zu werden - New York und Chicago verboten das Werk, in Wien verhinderten Kardinal Piffl und Erzherzogin Marie Valerie die Aufführung. Aus Bayreuth meldete sich Cosima mit den strengen Worten: „Nichtiger Unfug, vermählt mit Unzucht!“ So kommt die sächsische Hauptstadt Dresden zum Zuge.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">In Preußen hätte Kaiser Wilhelm II. auf die &#8220;Salome&#8221; seines Hofkapellmeisters Richard Strauß ebenfalls am liebsten verzichtet: &#8220;Det is keene Musik für Mich, Strauß is &#8216;ne Schlange, die ick mir an meinem Busen jenährt habe.&#8221;</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Und<span> </span>es war auch nicht so einfach, dieses Werk zu besetzen: „Wie schön ist die Prinzessin Salome heute Abend“ - so fängt die Strauss-Oper textlich an und stellt damit hohe Anforderungen. Die Sängerin muss nicht nur eine erstklassige Sopranstimme haben, sie muss auch eine begabte Schauspielerin sein, und - sie muss den Tanz der sieben Schleier tanzen können und nach dem Ablegen des letzten Voiles auch noch schön sein!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Die „Salome“ der Uraufführung erfüllte von all diesen Voraussetzungen nur eine: Sie war Sopranistin. Richard Strauss hatte schon bei Probenbeginn kritisch vermerkt: „Die Wittich ist steif und matronenhaft, und sie hat sich einen tüchtigen Bauch hergemästet. Die Stimme ist eins A, alles andere ist Bauch.“ </span></p>
<p style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">Frau Wittich registrierte schließlich selbst, dass ihr Schleiertanz eher unfreiwillig komisch als erotisch wirken könnte, und erklärte eines Tages, was sie da tun und zeigen sollte, sei ihr zu unzüchtig, und fügte mit einem unfreiwilligen Lehar-Zitat hinzu, sie sei schließlich eine anständige Frau. </span></p>
<p style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">Dirigent Ernst von Schuch und Komponist Richard Strauss gaben ihr<span> </span>erleichtert sofort Recht und beschlossen spontan, den Tanz der sieben Schleier von einer Ballerina tanzen zu lassen. Die muss deutlich fescher gewesen sein, denn die „Salome“-Uraufführung am 9. Dezember 1905 in Dresden wurde aber nicht zum Reinfall, sondern zur begeistert akklamierten Sensation.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; color: black;">Und zwei Tage später? </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; color: black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; color: black;">Am 11. Dezember 1905 erklärt der sächsische König <a title="Friedrich August III." href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_III."><span style="color: black;">Friedrich August III.</span></a> <strong>„<a title="Radeberger Exportbierbrauerei" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Radeberger_Exportbierbrauerei"><span style="color: black;">Radeberger“ Pilsener</span></a></strong> per <a title="Dekret" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dekret"><span style="color: black;">Dekret</span></a> zum Tafelgetränk seiner</span><span style="font-size: 10pt;"> Majestät.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Na, denn Prost, königliche Hoheit!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="text-decoration: underline;">Wir gratulieren zum Geburtstag:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">* 21.1. Christian Dior (Modeschöpfer)</span></p>
<p class="MsoHeader" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">* 5.3. Günther Lüders (Schauspieler)</span></p>
<p class="MsoHeader" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">* 15.5. Joseph Cotten (Schauspieler)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">* 16.5. Henry Fonda (Schauspieler)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;" lang="IT">* 18.9. Greta Garbo (Schauspielerin) (?)</span></p>
<p class="MsoFootnoteText" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-family: Verdana;">* 15.11. Mantovani (Musiker)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;" lang="IT"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="text-decoration: underline;">In der Leichenhalle begrüßen wir:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">+ 24.3. Jules Verne (Schriftsteller)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="text-decoration: underline;">Als Hits des Jahres erklingen:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">„Bis früh um fünfe“</span></p>
<p class="MsoHeader" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">„Mit dem Hute in der Hand“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">„Goethe &amp; das Kino“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">Der „Ballsirenen Walzer“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">„Heimlich, still und leise kommt die Liebe“ (Paul Lincke) aus „Im Reiche des Indra“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">„Da geh ich ins Maxim“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">„Ich bin eine anständ&#8217;ge Frau“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">„Ja, das Studium der Weiber ist schwer“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">„Lippen schweigen“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt; color: black;">Das „Vilja Lied“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;">(alle aus der „Lustigen Witwe“)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="text-decoration: underline;"><span style="font-size: 10pt;"><span style="text-decoration: none;"> </span></span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 14pt;">Was die Helden taten</span></p>
<p style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">In Dresden war damals wirklich was los! Im Jahr 1905 gelingt dem Dresdner Verleger Adolf Eichner der große Wurf - er kaufte nicht nur die Rechte der amerikanischen Serie <strong>Buffalo Bill</strong>, sondern kurz darauf auch die an <strong>Nick Carter</strong>, der zu einem der erfolgreichsten Serienhelden überhaupt werden sollte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><em>(„Es ist uns gelungen, unter schweren Opfern als einzig Berechtigter die Erlaubnis zur Übersetzung und Verbreitung der BUFFALO-BILL-Erzählungen in Deutschland und Österreich zu erwerben.“)</em></p>
<p style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><em><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;"><img src="file:///Users/uwenielsen/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image004.gif" border="0" alt="" width="268" height="366" /></span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Damit beginnt das Zeitalter der Heftromane mit <a>gleich bleibendem Serienhelden</a><span class="MsoCommentReference"><span><a id="_anchor_1" class="msocomanchor" name="_msoanchor_1" href="#_msocom_1">[UN1]</a><span style="display: none;"><span> </span></span></span></span>. <strong><span style="text-decoration: underline;">„Buffalo Bill - der Held des Wilden Westens“</span></strong> (1905 - 1914 425 Hefte in D)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoBodyText" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">William Cody alias BUFFALO BILL selbst hatte zwischen 1895 und 1905 während seiner Europatourneen dreimal Deutschland besucht. Ein wahres Buffalo-Bill-Fieber war ausgebrochen. 1899 erschien „Buffalo Bills Wilder Westen – Sitten und Gebräuche der Indianer und amerikanischer Hinterwäldler mit Anschluss an Buffalo Bill’s Vorführungen in Europa“ – ein Programmheft für die Show. </span></p>
<p class="MsoBodyText" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Und – last not least – trug <strong>Billy Wilder </strong>seinen modischen Vornamen davon, weil seine Mutter begeisterter Buffalo-Bill-Fan war!</span></p>
<p class="gen-cont" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">Die Sehnsucht des Arbeiters nach Reichtum, des Bürgerkindes nach Allmacht, der Dienstmagd nach &#8220;wahrer Liebe&#8221;, wurden in der Identifikation mit den Romanfiguren erfüllt. Auch die latenten subversiven Tendenzen, die unterdrückten aber doch populären Bedürfnisse aus der reglementierten Welt der „guten alten Zeit“ auszubrechen, alles kurz und klein zu schlagen, es ihnen allen zu zeigen, mögen eine Rolle gespielt haben. Wenn Nick Carter sich seinen Weg der Gerechtigkeit durch die Menge schoss und prügelte, bedeutete das für die Millionen, die bewusst oder unbewusst phantasierten, dasselbe ihren Vorgesetzten, Herrschaften oder Lehrern anzutun, eine tiefe Befriedigung, die das Leben ihnen versagte. </span></p>
<p class="gen-cont" style="margin-right: 1.15pt;"><em><span style="font-size: 10pt; font-family: Verdana;">(Wer hier Parallelen zum „Unterschichtsfernsehen“ unserer Tage zu entdecken glaubt, liegt wohl nicht ganz falsch. Wieder sind es geschickte Kaufleute, die diktieren, was das „Volk“ zu seinem Glück braucht – früher in Form von bunten Heftchen, heute vor der „Glotze“. Nicht zufällig hat der frühere BAVARIA-Chef Thilo Kleine seinen Producern Stapel von Schundheften zur Lektüre überreicht, um ihre Kreativität in Sachen Serien-Produktion zu stärken.)</span></em></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Bertolt Brecht hat auf ähnliche Wirkungen des Kriminalromans hingewiesen:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">&#8220;Es bereitet schon Genuss, Menschen handelnd zu sehen, Handlungen mit faktischen, ohne weiteres feststellbaren Folgen mitzuerleben. Die Menschen des Kriminalromans hinterlassen nicht nur Spuren in den Seelen ihrer Mitmenschen, sondern auch in ihren Körpern und auch in der Gartenerde vor dem Bibliothekszimmer. Der Mensch im wirklichen Leben findet selten, dass er Spuren hinterlässt. [...] Das Leben der atomisierten Masse und des kollektivisierten Individuums unserer Zeit verläuft spurenlos. Hier bietet der Kriminalroman gewisse Surrogate.&#8221;</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;"><img src="file:///Users/uwenielsen/Library/Caches/TemporaryItems/msoclip/0/clip_image006.gif" border="0" alt="LEAD Technologies Inc. V1.01" width="229" height="318" /></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt; text-align: center;" align="center"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Im Weltraum ist nach wie vor allerhand los: irgendwie landen <strong>&#8220;Die ersten Menschen im Mond</strong>&#8221; (laut H.G.Wells) bzw. auf dem Mars: <strong>„Lieut. Gulliver Jones: His Vacation“.</strong> (<em>zu Deutsch: Leutnant Gulliver Jones macht Ferien auf dem Mars von Edwin Lester Arnold (1857 – 1935) – diese Geschichte verschwand schnell wieder aus den Annalen des Jahrhunderts und wurde erst 1963 neu entdeckt und als „Gulliver of Mars“ bei ACE Books veröffentlicht. Eine COMIC-Version erschien bei MARVEL</em></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><strong><span style="text-decoration: underline;"><span style="font-size: 10pt;">„Little Nemo in Slumberland“</span></span></strong><span style="text-decoration: underline;"><span style="font-size: 10pt;"> (Winsor McKay 1905 – 1911)</span></span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">(erschien ab 15.10.1905)</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Die Tochter Morpheus‘, des Königs von Slumberland, möchte sich mit dem kleinen Nemo verloben. Morpheus sendet jede Nacht einen Boten an Nemos Bett, aber es dauert allein 20 Wochen, bis Nemo überhaupt ins Reich Morpheus‘ gelangt – immer fällt er vorher aus dem Bett!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">In diesem selben Jahr 1905 erschien im Eigenverlag in London der Kriminalroman eines gewissen <strong>Edgar Wallace </strong>unter dem Titel „<span style="color: black;">The Four Just Men“</span> (Die vier Gerechten). Das Buch hatte einen großen Publikumserfolg, für den Autor wurde es jedoch ein finanzielles Desaster.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><span style="font-size: 10pt;">Er hatte nämlich jedem, der die Lösung des Buches erraten würde, einen Preis in Höhe von 500 Pfund versprochen, für damalige Zeiten eine ungeheure Summe. Zu viele seiner Leser errieten das Ende des Romans, und Wallace war damit selbst finanziell am Ende. Immer wieder sollte dem Erfolgsautor seine Spiel- und Wettleidenschaft Unsummen entreißen, die er mit seinen Kriminalromanen verdient hatte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 1.15pt;"><strong><span style="font-size: 14pt;"> </span></strong></p>
<p class="MsoNormal">
<div>
<hr size="1" />
<div id="ftn1">
<p class="MsoFootnoteText"><a name="_ftn1" href="#_ftnref1"><span class="MsoFootnoteReference"><span><span class="MsoFootnoteReference"><span style="font-size: 10pt; font-family: Arial;">[1]</span></span></span></span></a> Sergei Eisensteins Film „Panzerkreuzer Potemkin“ stellt 1925 diese Ereignisse nach</p>
<p class="MsoFootnoteText">(Uwe Nielsen’s FILM-ARCHIV: HD-Stummfilme)</p>
</div>
</div>
<div>
<hr class="msocomoff" size="1" />
<div>
<div id="_com_1" class="msocomtxt"><span><a name="_msocom_1"></a></span></p>
<p class="MsoCommentText"><span class="MsoCommentReference"><span style="font-size: 8pt;"><span> <a class="msocomoff" href="#_msoanchor_1">[UN1]</a></span></span></span><span style="font-size: 11pt;">Die neue Form der Serien mit durchgängigen Titelhelden, die Folge für Folge ein abgeschlossenes Abenteuer vollbrachten, setzte sich durch. Die Bindung des Lesers an die Serie, vorher eines der Hauptprobleme der Heftserien gegenüber dem Kolportageroman, wurde so erleichtert, die Identifikation mit dem Helden erhöht, die Motivation zum Kauf des nächsten Heftes verstärkt. Und die Helden sprossen nur so aus dem Boden wilhelminischer Wunschträume und Machtphantasien. Es gab einen wahren Boom an &#8220;Meisterdetectivs&#8221; (der englische Plural wurde übernommen); neben dem schieß- und prügelwütigen Nick Carter tummelte sich Sherlock Holmes in verschiedenen Variationen, der edelmütige Sportsmann Lord Lister und <em>Nat Pinkerton, König der Detectivs</em>, sogar &#8220;weibliche Detectivs&#8221; wie Ethel King und Wanda von Brannburg. Sprache, Stil und Inhalt hatten sich ansonsten kaum geändert. Immer noch ging es darum, möglichst einfach, möglichst nervenkitzelnd und möglichst sensationell zu sein</span></p>
</div>
</div>
</div>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Einmal Transsylvanien und zurück - Fortsetzung: &#8220;Die Mumie&#8221;</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 11:40:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[7. Kapitel: Kharis Ma – der Fluch der Mumie
 
Wenn man später Jonathan Harker nach seinen Erlebnissen in Transsylvanien befragte, erschien es ihm selbst kaum noch glaubhaft, wie viele verschiedene unheimliche Wesen er in dieser kurzen Zeit getroffen hatte, die allesamt nichts anderes im Schilde führten als seine Braut Bianca Torturata zu entführen. 
Ihm selbst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">7. Kapitel: <strong><span style="text-decoration: underline;">Kharis Ma – der Fluch der Mumie</span></strong></span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><strong><span style="text-decoration: underline;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"><span style="text-decoration: none;"> </span></span></span></strong></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Wenn man später Jonathan Harker nach seinen Erlebnissen in Transsylvanien befragte, erschien es ihm selbst kaum noch glaubhaft, wie viele verschiedene unheimliche Wesen er in dieser kurzen Zeit getroffen hatte, die allesamt nichts anderes im Schilde führten als seine Braut Bianca Torturata zu entführen. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ihm selbst war im Einzelnen keineswegs klar, welche Faszination es war, die Bianca gerade auf Monster ausübte. Zwar waren ihre äußeren Vorzüge für jeden überaus deutlich zu erkennen: ihr dunkles wallendes Haar, ihre strahlenden lockenden Augen, ihr kirschförmiger feuchter Mund, ihr vorbildlich gebogener Nacken und ihre hohe prallen Brüste mussten jeden normalen Mann – und gewiss auch so manche Lesbierin – nicht ungerührt lassen, von den Linien ihrer Hüften ganz zu schweigen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Jonathan konnte nicht sagen, welches Monster ihm selbst als das schrecklichste erschienen war – den übelsten Geruch verbreitete jedenfalls die uralte Mumie, die aus dem Sarkophag im Keller der Friedhofsgruft von Zborsk geklettert war, nachdem der treue Iwan die Plage der Zombies mit seinen Salzstangerln beseitigt hatte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Schon wieder so ein Ungeheuer!“ stöhnte der junge Harker, als die verwickelte Gestalt den mumifizierten Kopf drehte, und ihre tief in den Höhlen liegenden brennenden Augen Bianca Torturata fixierten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ananka – meine Geliebte!“ dröhnte die Stimme der Mumie durch den unterirdischen Raum, so laut, dass sogar Iwan seine tote Geliebte Daliah aus den Armen sinken ließ.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das aber kein Zombie!“ bemerkte er und griff gar nicht erst nach dem Salzgebäck, das er zur Bekämpfung der Zombies benutzt hatte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nein, Iwan!“ bestätigte der neben ihm stehende Professor van Helsing. „Das ist mit ziemlicher Sicherheit eine Mumie!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ananka!“ wankte die vermummte Gestalt auf Bianca zu, die sich suchend umschaute.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Meint er etwa mich?“ fragte sie voll Entsetzen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„So erfüllt sich nach Jahrtauensenden unsere Liebe – Ananka – kumm’, kumm’ mit mir &#8230;.!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schon streckte er seine bandagierten Arme nach der schönen Braut Jonathans aus, da warf sich der betroffene Bräutigam ihm entgegen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das kommt gar nicht in Frage! Ich werde - !“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Doch die Mumie unterbrach ihn mit einem furchtbaren Schlag, der Harker gegen die Wand der Gruft taumeln ließ.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Du wirst schweigen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Das waren die letzten Worte, die Jonathan vernahm, bevor eine schwarze Ohnmacht ihn umfing.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Als er wieder zu sich kam, lag er auf dem Boden des unterirdischen Grabes, und Van Helsing und Iwan knieten neben ihm.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wo bin ich? – Und – wo ist Bianca?“ stammelte Jonathan und versuchte sich aufzurichten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Fort – leider!“ antwortete der Professor mit einem knappen bedauernden Schulterzucken.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sogar Iwan war machtlos gegen Mumie, junger Herr! Sehen selbst!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der treue Russe zeigte auf eine gewaltige Beule an der Seite seines Kopfes, die schon eine blaurote Färbung angenommen hatte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Iwan hat sich die Blessur zugezogen, als er versuchte, den alten Ägypter aufzuhalten!“ bestätigte Van Helsing.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und Bianca?“ fragte Jonathan aufgeregt. „Was ist mit ihr?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mumie sie hat gepackt wie kleines Pinkel auf die Schulter und – dawai!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Stöhnend sank der niedergeschlagene Jüngling zurück auf den Boden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Meine arme Bianca!“ seufzte er und schloss seine Augen. Dann riss er sie wieder auf. „Wie hat dieses Monster sie genannt?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ananka!“ ließ sich Professor van Helsing vernehmen. „Sagt Ihnen dieser Name etwas, Jonathan?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der junge Mann schüttelte den schmerzenden Kopf.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ich habe ihn noch nie gehört!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wie genau kennen Sie eigentlich die Vergangenheit Ihrer Braut?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Wütend aufbrausend sprang der junge Harker auf seine Füße, die im selben Augenblick wieder unter ihm nachzugeben drohten. Wenn der starke Iwan ihn nicht unter den Achseln gestützt hätte, wäre er wieder auf den feuchten Boden der Gruft gestürzt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Was wollen Sie damit andeuten, Professor van Helsing?!“ herrschte er sein alten Freund und Mentor an.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nicht aufregen, Her Jonathan! Bitte nicht aufregen!“ versuchte Iwan ihn zu beruhigen. „Alles schon schlimm genug!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit einem Mal schoss es dem jungen Harker durch den Kopf, dass Iwans Geliebte hier unten zu Tode gekommen war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und Daliah?“ fragte er mit trockener Kehle.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wir haben sie beigesetzt – in dem Sarkophag der Mumie hat sie ihre ewige Ruhe gefunden!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Jonathan hatte sich wieder ein wenig beruhigt und schaute zu dem altägyptisch bemalten Gegenstand hinüber, der nun die Leiche der schönen Daliah barg.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mein lieber Jonathan,“ versuchte es van Helsing noch einmal, „Sie haben mich, glaube ich, falsch verstanden. Ich meinte nur, ob es eventuell irgendeine Ihnen bekannte Verbindung Biancas nach Ägypten gibt.“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Jonathan dachte nach.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Jetzt wo Sie es sagen &#8230; Ich glaube mich zu erinnern, dass Bianca einmal von einem Onkel gesprochen hat &#8230; Onkel Tonio. Er war früher einmal in Ägypten – vor einigen Jahrzehnten!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Gespannt hörte van Helsing seinem jungen Gefährten zu.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wenn ich mich recht entsinne, gehörte er zu einer Expedition, die damals die Grabkammer der Pharaos Im-Po-Thep entdeckte &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Aufgeregt sog der Professor an seiner Pfeife und stieß gewaltige Qualmwolken aus.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sehr interessant! Das könnte natürlich einiges erklären!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Bevor er zu einer seiner üblichen wortgewaltigen Erklärungen ansetzen konnte, drang eine unheimliche Stimme durch das unterirdische Gewölbe, von der keiner der Drei auf Anhieb sagen konnte, woher sie kam.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Rache des Pharao wird schrecklich sein und fürchterlich, wenn sich das Schicksal derer erfüllt, die seine ewige Ruhe gestört haben, und die Ruhe seiner Getreuen, die mit ihm ruhten über die Jahrhunderte und Jahrtausende &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Die Rauchwolken aus der Pfeife van Helsings versiegten, während die Stimme weiter sprach.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und ich warne auch Euch! Denn die Rache des Pharao wird Euch erreichen bis ins dritte und vierte Glied!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Aus dem Schatten in einer Ecke der Gruft löste sich eine unheimliche Gestalt und schritt mit ausgebreiteten Armen auf die Drei zu. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Unter der Kapuze dieses Wesens glühten in einem dunklen Gesicht ein Paar feurige Augen, während sein ganzer Körper mit Teppichen behangen erschien.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Denn die Wege des Pharao und seiner Getreuen sind wundersam!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing hatte sich wieder gefasst.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Soso – und diese Wege haben Sie hierher geführt, was? Na, los, erzählen Sie!“ setzte er hinzu, als die Gestalt nicht weiter sprach.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mein Mund soll versiegelt sein für die Ungläubigen!“ ließ sich der Neuankömmling vernehmen und schwieg dann wieder. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Doch damit war Iwan nicht einverstanden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Los, red, du Kameltreiber! Wie kommst du in Gruft?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit diesen Worten griff er nach dem Teppichverhangenen und schüttelte ihn kräftig, so dass es staubte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Hee, vorsichtig! Nicht so rau! Mehmet ist nur ganz gewöhnlicher Teppichhändler!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Misstrauisch musterte Van Helsing diesen Mehmet, um den der Staub aus seinen Teppichen langsam zu Boden rieselte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und was macht ein ganz gewöhnlicher Teppichhändler morgens um halb sechs in diesen Katakomben unter dem Friedhof von Zborsk?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der staubige Mehmet zuckte mit den Schultern. Es staubte noch ein bisschen mehr.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Na – ich weiß eigentlich auch nicht &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Hier findet er keine Kundschaft für Teppiche – soll ich vielleicht machen Zombie-Probe mit ihm?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan zückte eines seiner verbliebenen Salzstangerln, das Mehmet misstrauisch musterte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wissen Sie – es ist so: normalerweise ich schlafe unter der Brücke, aber wenn es kalt wird oder regnet, gehe ich manchmal hierher ins Trockene &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Eine Teppichhändler – schläft unter der Brücke - !“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan gluckste wieder einmal leise vor Lachen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Als wäre es sein Stichwort gewesen, zückte Mehmet einen kleinen Teppich, den er über dem linken Arm getragen hatte. „Sie brauchen vielleicht eine Brücke? Echte Perser-Brücke, sehr günstig – nur 5000 Lewonzen, transsilvanische!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan knurrte drohend und winkte dem Teppichhändler mit seinem dicken Zeigefinder.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Schon gut, schon gut, keine Brücke!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nachdenklich schaute der Professor auf den seltsamen Vorderasiaten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Soso – und von Ihrer Brücke sind Sie hierher gekommen?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mehmet nickte beflissen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Merkwürdig – der Eingang in die Gruft liegt da hinten!“ Van Helsing deutete über seine Schulter. „Sie sind aber von dort gekommen!“ Jetzt wies sein Finger in die entgegensetzte Richtung, in einen finsteren Winkel des Gewölbes, den sie bisher noch nicht betreten hatten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wollen Sie uns weismachen, dass es dort noch einen Ausgang gibt, der direkt zur Zborska führt?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nichts weismachen, Herr! Ist wahr! Soll Mehmet die Herrschaften führen? Kostet nicht viel. Sehr günstig – nur 500 Lewonzen – oder für Sie: 300!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Bevor Mehmet weiter haspeln konnte, hatte ihn Iwan an seinem Kragen gepackt, der aus einem kleinen ziemlich speckigen Tischläufer bestand.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Vorwärts! Dawai! Du führst uns ohne Lewonzen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ohne Lewonzen?“ echote der Teppichhändler.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Da!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Da–da-das hat man nun davon!“ stotterte Mehmet und jammerte weiter: „Was muss ich auch auswandern aus dem schönen warmen Ägypten ins nebelverhangene Transsylvanien?! Keine Pyramiden – keine Kamele – keine Lewonzen – ein Scheissleben!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Von Iwan getrieben bewegte sich der betrübte Mehmet da hin, woher er gekommen war, und tatsächlich fand sich in der hintersten und finstersten Ecke der Gruft eine schmale Tür aus uralten Bohlen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Sie stand halb offen, und vorsichtig stiegen die Verbündeten über eine hohe Schwelle hinaus in einen gemauerten Gang, der sich in einem weiten Bogen in die Dunkelheit zog.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing schüttelte den Kopf und murmelte: „Immer wieder diese feuchten unterirdischen Gänge! Meinem Rheuma tut das überhaupt nicht gut!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Trotzdem und ohne zu zögern übernahm der Professor die Führung des kleinen Trupps, der sich langsam durch den Tunnel voran bewegte. Manchmal hatten sie den Eindruck, als stiege der Boden unter ihren Füssen an, ein andermal schien es, als senke er sich wieder.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wenn du gelogen hast, du Hund &#8230;!“ knurrte Iwan drohend, doch Mehmet beeilte sich zu versichern, dass dies genau der Gang sei, durch den er gekommen war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nach einer guten halben Stunde wurde es vor ihnen heller, und der Teppichhändler drängte sich an Van Helsing vorbei.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sehen Sie – da vorne: Sonnenlicht! Wie Mehmet gesagt hat!“ Durch eine Gittertür, die sich mit einem schrillen Quietschen öffnete, traten sie hinaus ins Licht einer eben aufgehenden Sonne. Unter ihnen glitzerte die Zborska im frischen Morgenlicht, und direkt neben dem Ausgang erhob sich der gewaltige Bogen einer Brücke.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ist Brücke von Mehmet!“ wies der Teppichhändler, der sie geführt hatte hinauf. „Das macht, bitteschön - !“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Macht gar nix!“ bellte Iwan. „Macht überhaupt nix!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Aber – die Führung - ?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nix! War keine Führung! Wir wollten sowieso hierher!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit einem dröhnenden Lachen hieb der Russe auf Mehmets Schulter, so dass dieser in einer Staubwolke zu Boden ging.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Was ist? Machst du Morgengebet?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing war unterdessen hinunter ans Ufer der Zborska getreten und blickte hinaus auf den Strom, der ziemlich viel Wasser führte. Die ersten Schiffe hatten bereits losgemacht und suchten ihren Weg in der Fahrrinne des Flusses: hauptsächlich Schuten und Lastkähne, die mit allen möglichen Gütern beladen der Donau und ihren Handelsplätzen zustrebten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ein reger Schiffsverkehr – zu dieser frühen Stunde, was?“ wandte sich der Professor an Jonathan, der mit geröteten Backen zu ihm gekommen war und mit der Hand die Augen gegen die noch sehr tief stehende Sonne beschattete.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Plötzlich zuckte er zusammen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sehen Sie doch nur, Professor! Dort auf dem Kahn!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ein merkwürdig aussehendes Schiff, das ungewöhnlich tief im Wasser lag, steuerte eben quer zum Strom an ihnen vorbei. Auf dem Deck, das von einem Sonnendach beschattet war, lag eine weibliche Gestalt auf einem Art Lotterbett hingestreckt. Neben ihr ragte eine hohe Gestalt auf, die ihr anscheinend mit einem langen Palmwedel Kühlung zufächerte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nur wenn man ganz genau hinsah, konnte man erkennen, dass die Frau sich nicht etwa freiwillig dort an Bord räkelte, sondern gefesselt war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Und eben vernahmen die Männer am Ufer ihre Stimme.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Jonathan!“ rief sie. „Rette mich!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Es war wirklich die schöne Bianca Torturata, die dort abtransportiert wurde, und die hohe Gestalt neben ihr war niemand anders als die Mumie Kharis Ma.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;" lang="IT">„Bianca!“ schrie Jonathan. </span><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">“Warte! Ich komme!”</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit diesen Worte stürzte sich Biancas Bräutigam, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, in die bräunlichen Fluten der Zborska, nur um augenblicklich unterzugehen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent2" style="margin-left: 0cm;">(Aus dem Tagebuch der Bianca Torturata)</p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Wenn der Volksmund sagt, dass jemand aus dem Regen in die Traufe kommt, so kann ich von mir behaupten, dass ich diesmal aus der Traufe in einen leichten Sommerregen gekommen bin. Wirklich, im Vergleich zu den übelriechenden Zombies ist dieser Kharis Ma beinahe ein Lord! Wie er das macht unter den Mullbinden, in die er von Kopf bis Fuß gewickelt ist, weiß ich nicht, aber er müffelt kein bisschen! Das hätte ich bestimmt gerochen, denn er hat mich lange genug durch die Gegend geschleppt!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Dabei hat mir immer wieder versichert, wie sehr er mich seit Tausenden von Jahren liebt! Ich kann ihm einfach nicht beibringen, dass ich überhaupt noch nicht so alt bin. Er rollt dann nur mit seinen dunklen Augen, die aus den Schlitzen seiner Bandagen glühen, und ich weiß gar nicht, was das bedeuten soll.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Aus diesem unterirdischen Friedhofsgewölbe waren wir jedenfalls ganz schnell heraus – er kannte da irgendeinen Geheimgang, der fast genau so alt war wie die Mumie!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Dieser Gang endete in einem ganz gemütlichen Bootshaus direkt am Fluss, in das er mich einsperrte und verschwand. Es war viel hübscher als in dieser Friedhofsgruft. Draußen schien die Sonne, und ein paar Strahlen fielen durch die Ritzen sogar zu mir herein, als ich mich auf die Bretter legte und ziemlich schnell einschlief.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ich wachte wieder auf, als von draußen eigenartige Geräusche zu mir herein drangen. Ich presste mein Auge gegen eine der Ritzen und sah, wie Kharis Ma – jetzt in eine Art Militärmantel gehüllt, der ihm gar nicht schlecht stand – dabei war, ein Segelschiff an dem Steg neben dem Bootshaus zu vertäuen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Kurz darauf kam er zu mir herein. Und er hatte nicht nur an einen Mantel für sich selbst gedacht, sondern auch an frische Garderobe für mich. Ich musste ihn allerdings nachdrücklich auffordern hinaus zu gehen, damit ich mich umziehen konnte. Und ich glaube, ich habe dann doch eines seiner schwarzen Augen durch eine der Ritzen glühen sehen!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Aber sonst ist Kharis Ma ein echter Sir – wie er mich dann auf das Schiff geleitete! </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Trotzdem will ich nicht mit dieser Mumie irgendwohin segeln! Ich weiß ich auch nicht, wie ich das Schiff verlassen kann, aber vielleicht kann ich ja jemanden am Ufer auf mich aufmerksam machen!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: center; line-height: 150%;" align="center"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">- - -</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing schüttelte den Kopf.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Aber Jonathan! Was soll denn das?“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der junge Harker hatte sich bei seinem Absprung mit dem Fuß in einem herumliegenden Tauende verfangen und sein Kopf war dabei gegen einen Brückenpfeiler geprallt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Der Junge geht ja unter!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Und so lag es wieder einmal an dem treuen Iwan, als Retter in der Not aufzutreten. Mit einem gewandten Kopfsprung setzte der Russe seinem jungen Gefährten nach.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Na, hoffentlich kann der jetzt schwimmen!“ unkte der Teppichhändler, doch van Helsing konnte ihn beruhigen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Keine Sorge – er kann! – Und du könntest mir – während Iwan unseren junge Kameraden rettet – vielleicht sagen, wohin dieses Schiff da draußen unterwegs ist, wenn es denn nicht auf dem Grunde der Zborska landet!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mehmet zuckte die Achseln.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Keine Ahnung!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit drohender Stimme bemerkte der Professor: „Denk daran, Mehmet: Iwan ist gleich wieder da!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Tatsächlich hatte der treue Adlatus Van Helsings den Jüngling, der ziemlich bleich aussah, ans Ufer gezogen, während sich das Schiff mit Bianca an Bord immer weiter entfernte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ihre Hilfeschreie verhallten in der Ferne.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mehmet erinnerte sich nun doch, dass die Route des Schiffes es ziemlich zwangsläufig in die transsylvanische Hauptstadt führen musste: „Nach Kronstadt, wann ich mir das recht überleg’, muss es fahren, das Schiff! Ja – nach Kronstadt!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Jonathan hatte im Näherkommen die Worte Mehmets gehört, und trotz seines angeschlagenen Zustands und den gut drei Litern Zborskawasser in seinem Magen, stieß er entschlossen hervor: „Nach Kronstadt &#8230; wir müssen nach Kronstadt!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schon wollte er den Fluss entlang durch die Auenlandschaft nach Süden stapfen, doch van Helsing hielt den Jüngling zurück.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Gewiss, Jonathan – nach Kronstadt soll es gehen – aber wir nehmen den Dampfer!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan stieß den Teppichhändler in die Seite.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Außer vielleicht Mehmet hier hat fliegenden Teppich für uns?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">In Iwans dröhnendes Lachen hinein sagte der Teppichhändler: „Aber natürlich ich habe &#8230;! Wenn Sie möchten einen Augenblick warten &#8230;Ich bin gleich zurück!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit diesen Worten verschwand Mehmet unter dem Bogen der Zborska-Brücke, während Professor van Helsing seine beiden Gefährten zur Eile antrieb.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Und so hörten und sahen sie nicht, wie Mehmet unter dem Brückenbogen seine sehnige Hand zu einer Kralle bog und mit böse blitzenden Augen dem Trio nachknurrte: „Ihr nur lachen! Ihr schon sehen &#8230;! Ihr schon sehen!!!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Kommt – es ist eine halbe Stunde bis zum Schiffsanleger! Wenn wir das Linienschiff nach Kronstadt noch erreichen wollen, müssen wir uns sputen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Tatsächlich waren die Drei die Letzten, die eben noch über die Gangway an Bord rannten, bevor sie von zwei Gestalten, die eher Piraten als Matrosen glichen, eingezogen wurde.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Auf dem Oberdeck des Dampfers hatte sich ein bunter Querschnitt der transsylvanischen Bevölkerung versammelt: Viehhändler, die trotz der zu erwartenden Hitze des Tages in dicken Fellmänteln zwischen ihren Ziegen lagerten, schwarz gekleidete Popen mit fettigen Haaren, die mit leisem Klicken ihre Rosenkränze durch die Finger gleiten ließen, glutäugige Zigeuner, die dicke, schwarze und stinkende Zigarren rauchten, während ihre Töchter in weiten bunten Röcken zum Klange von Tamburinen und Kastagnetten in einem Kreise begeistert klatschender Balkanesen die Tarantella tanzten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">In einer Ecke hatte sich eine ungarische Großfamilie mitsamt einer mittleren Gänseherde niedergelassen, ihnen gegenüber breiteten zwei gläubige Muselmanen eben ihre Gebetsteppiche aus.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Seufzend beobachtete Jonathan Harker das bunte Geschehen – er konnte keine Freude daran finden, dachte er doch an nichts anderes als an seine Bianca Torturata.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Kommen Sie mit, junger Herr!“ schob Iwan ihn wenig später in Richtung auf einen Niedergang, der ins Innere des Schiffes führte. „Habe ich Kabine requiriert!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Wie es dem treuen Russen gelungen war, den Kapitän des Dampfers aus seiner Kajüte zu vertreiben, erfuhren van Helsing und sein junger Freund nie, doch das verbissene Gesicht und die wütenden Blicke des Schnurrbärtigen ließen nichts Gutes vermuten!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: center; line-height: 150%;" align="center"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">- - -</span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent2" style="margin-left: 0cm;">(Aus dem Tagebuch der Bianca Torturata)</p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Eine Schiffsfahrt ist eigentlich etwas Schönes. Ich habe bisher noch nicht oft Gelegenheit dazu gehabt, und diese Fahrt von Zborsk nach Kronstadt war ein wenig getrübt durch die Anwesenheit meines glutäugigen Reisebegleiters. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Kharis Ma, die Mumie in ihren weißen Bandagen, war nicht unhöflich zu mir, versuchte auch nicht, sich mir unsittlich zu nähern – das wäre auch schon wegen seines eingewickelten Körpers schwierig gewesen – er saß vielmehr ziemlich unbeweglich am Steuerruder des Segelschiffs, auf dem wir die Zborska hinab fuhren, und starrte mich unverwandt an.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Beim Einschlafen sah ich seine glühenden Augen, und beim Aufwachen war er immer noch da und beobachtete mich. Als ich ihn fragte, warum er mich denn immer so anstarre, antwortete er mit seiner hohlen Stimme: „Weil ich dich nie mehr verlieren will, Ananka! In tausend Jahren nicht mehr!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Das war schon ein bisschen gruselig, denn wer kann sich schon vorstellen, tausend Jahre alt zu werden. Wahrscheinlich müsste ich dann genau so eingewickelt herumlaufen wie Kharis Ma!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Trotzdem nahm unsere Reise irgendwann ein Ende. Am Horizont tauchten die Türme einer Stadt auf, und Kharis Ma wurde unruhig. Wir näherten uns Kronstadt, wie er mir mit dramatischem Timbre in der Stimme mitteilte. Ich wusste nicht, was das jetzt zu bedeuten hatte. Eigentlich stammte die Mumie doch aus Ägypten!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Vorsichtig fragte ich, was wir denn in Kronstadt wollten. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Dort befindet sich das Pergament, das auch Dir ewiges Leben schenken wird – an meiner Seite!“ verkündete er mit einem merkwürdigen Pathos, so merkwürdig, dass es mir ein wenig kalt den Rücken herunter lief – obwohl an diesem Nachmittag die Sonne noch hoch am Himmel stand.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: center; line-height: 150%;" align="center"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">- - -</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent2" style="margin-left: 0cm;">(Aus dem Tagebuch Jonathan Harkers)</p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Kronstadt! Kronstadt! Alles aussteigen! Der Dampfer endet hier!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Lautes Pochen erschütterte die Kabinentür, ich schoss aus tiefem Schlaf auf und schlug sich meinen Kopf an dem Etagenbett heftig an. Als ich wieder sehen konnte, baumelten vor meinen Augen die dünnen, behaarten Beine Professor Van Helsings, der in dem Bett über mir geschlafen hatte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan riss die Tür auf und streckte den Steward, der geklopft hatte, mit einer Faustwatsche zu Boden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„So laut, diese Transsylvanier!“ knurrte er, während er sich unser Gepäck auf seine breiten, kräftigen Schultern lud.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Das Deck hatte sich schon fast völlig geleert, als wir nach oben kamen. Nur die ungarische Familie jagten noch zwei Gänse, die ihnen entkommen waren.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Dampfer hatte am Kai von Kronstadt festgemacht, einer mächtigen Anlage, die jetzt eher verwaist da lag. Einige halb verfallenen Schuppen grüßten zu uns herüber, und auch die Fischhalle hatte wohl schon bessere Zeiten gesehen. An die Mole grenzte direkt ein rechteckiger Platz, der landeinwärts von einer Stadtmauer begrenzt wurde, hinter der man einige Kirchtürme und das Minarett einer Moschee entdecken konnte. Alle anderen Häuser waren anscheinend so niedrig, dass sie die Mauer nicht überragten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Auf dem Platz selbst fand wohl normalerweise der Markt statt, denn einige Bauern hatten windschiefe Buden und Stände aufgebaut, um ihre landwirtschaftlichen Güter feilzubieten: Knoblauch und Zwiebeln, Kartoffeln und Hirse, ein paar magere Hühner und dunkel geräucherte Speckseiten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Als wir den Markt überquerten, merkte ich, dass ich seit geraumer Zeit nichts mehr gegessen hatte. Die Marktfrauen drehten sich nach mir um – so laut knurrte mein Magen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das ist also Kronstadt!“ sagte laut zu Van Helsing, um die Geräusche aus meinem Abdomen zu übertönen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Hauptstadt von Transsylvanien, ja!“ stimmt Professor van Helsing zu, der im Vorübergehen interessiert die Folklore der Metropole aufnahm.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und wie wollen wir vorgehen?“ fragte ich höflich, ohne meinen Hunger zu erwähnen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nun, wir gehen erst einmal vor – über diesen Platz dort hinüber – und dann in die erste Gasse links!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und was ist da?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Dort ist – die SPHINX!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Verdutzt blieb ich stehen – direkt neben einem Markstand, an dem rote und grüne Pfefferoni in einer bunten Kette dekoriert waren. Auf einer flach gelegten alten Tür standen ein paar Krüge mit sauren Gurken, und daneben lagen fette Würste, die ich normalerweise nicht gegessen hätte. Jetzt erschienen sie mir überaus appetitlich.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan ließ sein gutturales Lachen hören.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Erste Straße links – da ist die Sphinx – das ist gut! Das ist gut!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Anscheinend plagte auch ihn der Hunger, denn er griff sich eine der Würste und begann sie zu kauen. Das magere Marktweib protestierte lautstark und rief uns unverständliche Schimpfworte nach</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Sphinx – hier in Kronstadt?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ich war sicher, dass diese Figur im fernen Ägypten zu finden war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ja,“ lachte van Helsing. „Die SPHINX – die einzige esoterische Buchhandlung von Kronstadt! Sie gehört einem alten Freund von mir: Mohammed Daraschekoh!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Duft der Knoblauchwurst, an der Iwan kaute, zog eindringlich in meine Nase, während wir hinter dem Professor her trotteten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Buchhändler, ein ewig langer und dünner Jude in einem schwarzen etwas abgetragenen, ehemals eleganten Kaftan, wirkte erstaunt, als er von einer Ausgabe der „Kabbala“ aufschaute und seinen ersten Kunden an diesem Morgen sah.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Bitteschön, wenn Sie möchten näher treten – aber, wie ist es möglich?! Das ist doch – van Helsing ? Sie hier?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ich bin es, Mohammed!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Die beiden älteren Herren umarmten sich und bestätigten sich immer wieder, dass es doch kaum möglich sei, dass sie einander ausgerechnet hier und heute wiedersähen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wie lang haben wir uns nicht gesehen – zehn Jahre? Und wer sind die Herren in Deiner Begleitung?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing stellte Iwan als seinen treuen Diener vor („Wie ist es möglich? Du bist im DINER Club?“) und mich als jungen „Freund“ („Harker? Den Namen hab’ ich schon gehört! Kann sein von einem guten Kunden, einem gewissen Grafen Drakula!“). Dazu sagte ich nichts.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Dann führte Mohammed Daraschekoh uns in das kleine Hinterzimmer hinter seinem Laden, wo eine nicht minder kleine Kaffeemaschine schon vor sich hin blubberte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Kaffee mögt’s ihr doch bestimmt?! Und vielleicht einen kleinen Schnaps?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wir haben noch nichts gegessen,“ warf ich ein, denn mein Magen meldete sich schon wieder recht geräuschvoll.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„No, hab’ ich noch ein paar Pofesen da, von gestern!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schnell breitete der Buchhändler das Gebäck auf einem antiken Tellerchen aus, wo es aber nur wenige Sekunden liegen blieb, dann hatte ich es mir einverleibt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das ist sehr nett von dir, Mohammed, aber eigentlich habe ich vor allem eine Frage: was sagt dir der Name Ananka?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Na, was soll er mir sagen?! Hab’ ich doch gerade gelesen eine altägyptische Legende - !“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Was für eine Legende?“ fragte ich aufgeregt mit vollem Mund.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Eine altägyptische, wie ich schon sagte, junger Freund! Aus dem altägyptischen Totenbuch! Da gibt es nämlich eine Geschichte von der schönen altägyptischen Prinzessin Ananka und einem Hohepriester, einem gewissen Kharis Ma! Spielt alles am Hofe des Pharao Im-Po-Thep – du kennst ihn wahrscheinlich?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Erzähl, Mohammed,“ drängte Van Helsing, ohne auf die Frage des Buchhändlers einzugehen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ja, also – was soll ich sagen: er hat sie geliebt, der Kharis Ma – jene schöne Ananka, aber: er hat sie nicht lieben dürfen! Wie es halt so war damals – bei den Hohenpriestern!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Moment,“ unterbrach ich die Erzählung Mohammeds, „der Pharao Im-Po-Thep, der hat doch vor über 4000 Jahren gelebt!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Na, warum soll das nicht möglich gewesen sein, dass er sie geliebt hat vor 4000 Jahren, der Hohepriester Kharis Ma die Prinzessin Ananka?! Obwohl der Pharao es hatte verboten, und als sie ihm drauf gekommen sind, die anderen Ägypter dem Kharis Ma, was glaubt ihr, was sie mit ihm gemacht haben?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Gespannt lauschten wir der Erzählung des Buchhändlers, während Iwan heimlich die letzten Pofesen-Krümel vom Teller klaubte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sie haben ihn lebendig begraben – in einem Sarkophag!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die lebende Mumie!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Professor konnte sich diesen Ausruf nicht verkneifen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sie könnte man’s nennen! Er war jedenfalls noch lebendig, als sie ihn einbalsamiert haben! Und es heißt: im Sarkophag soll ein Stückel Papyrus liegen, ein ägyptischer Papyrus, und da drauf soll stehen eine gewisse geheime Formel – eine Formel &#8230;“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mit der man den Kharis Ma dereinst wieder zum Leben erwecken kann!“ platze Van Helsing mit der Pointe der Geschichte heraus. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mohammed Daraschekoh sah ihn verblüfft an.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Du kennst die Geschichte?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nein,“ schüttelte der Professor den Kopf, „aber ich glaube, wir kennen Kharis Ma – die lebende Mumie!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Als wäre es ein Stichwort gewesen, klirrte und krachte im selben Augenblick die Verbindungstür zu dem esoterischen Buchladen Mohammed Daraschekohs, und im Rahmen stand eine unheimliche, in Bandagen gewickelte Gestalt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ich bin die alte Mumie, Mohammed Daraschekoh, und dich zu töten, kumm’ i eh!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der jüdische Freund Alexander van Helsings blieb wie erstarrt stehen, während die altägyptische Gruselgestalt mit staksenden Schritten auf uns zu torkelte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nur ein gewürgtes „Das ist doch nicht – möglich!“ entrang sich den Lippen des Buchhändlers, dann schlossen sich die klauenartigen uralten Hände um seinen Hals.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Oh doch!“ hallte die hohle Stimme durch den Raum. „Und du wirst nun nie mehr altägyptische Legenden erzählen, Mohammed Daraschekoh!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit einem letzten Röcheln brach Daraschekoh nieder, ohne dass einer von uns ihm hätte zu Hilfe kommen können.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mein Gott!“ konnte ich nur stammeln. „Die Mumie – sie hat ihn ermordet!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit eisiger Ruhe drehte sich die Gestalt zu mir um.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„So ist es – und so wird es jedem ergehen &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Endlich hatte sich Van Helsing gefasst und riss einen schweren Revolver aus der Tasche seines Havelocks.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Verfluchte Mumie!“ knurrte der Professor und gab drei Schüsse auf das unheimlich Wesen ab.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Doch die Kugeln zeigten keine Wirkung, im Gegenteil: ein höhnisches Gelächter erklang aus dem zahnlosen Mund der bandagierten Gestalt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Hahaha – ich bin die alte Mumie &#8230; und gegen Kugeln bin immun i eh!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit zwei schweren Schritten erreichte die Gestalt das Fenster, das in den Hinterhof hinausführte, und ohne anzuhalten, bretterte er mit voller Wucht durch Glasscheibe und Fensterkreuz. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Sekunden später war das uralte Wesen aus dem Nilland verschwunden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Weg ist Mumie!“ bemerkte Iwan vollkommen zurecht fügte hinzu: „Kugeln von Professor haben nichts genutzt!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nachdenklich betrachtete Van Helsing die Waffe in seiner Hand.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Es sieht ganz so aus! Mit unseren neuzeitlichen Waffen ist dieses Wesen wohl nicht zu besiegen. Wie sagt doch die Legende? Wenn wir die Mumie unschädlich machen wollen, müssen wir den Papyrus vernichten, der sie – oder vielmehr ihn – ins Leben zurück geholt hat!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan kratzte sich am Kopf.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Müssen nach Ägypten?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wohl kaum!“ verneinte der Professor. „Wir müssen den Papyrus finden, aber ich vermute, dass der sich hier in Kronstadt befindet! Warum wäre die Mumie sonst auf seinem Schiff hierher gekommen – zusammen mit Ihrer Braut Bianca, Jonathan!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Alexander van Helsing schob uns aus der esoterischen Buchhandlung hinaus, deren Besitzer jetzt tot im Hinterzimmer lag. Er hätte uns jetzt vielleicht Auskunft über ein Leben nach dem Tode geben können.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoBodyTextIndent2" style="margin-left: 0cm;">(Aus dem Tagebuch der Bianca Torturata)</p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Es gibt Dinge, über die habe ich noch nie nachgedacht – dazu gehört die Frage der Wiedergeburt. Kann es sein, dass wir – unsere Seele – nach dem Tode in einem anderen Körper wieder geboren wird?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Kharis Ma z.B, ist fest davon überzeugt. Nicht nur dass er davon überzeugt, dass er selbst 4000 Jahre alt ist, nein, er glaubt auch noch dass ich seine wiedergeborene Geliebte Ananka von damals bin! Immer wieder erzählt er mir von damals, als er mit ihr – mit mir – am Nil entlang schlenderte. Und davon, dass er damals schon beschlossen hatte, sich mit mir zusammen in einer von diesen Pyramiden einmauern zu lassen! So sollte unsere Liebe ewig dauern.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Eigentlich klingt das alles sehr romantisch, wenn ich ihm zuhöre – aber wenn ich dann wieder in sein Mullbinden-Gesicht schaue, vergeht mir die ganze Romantik wieder.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Aber wenn ich zwischendurch einschlafe – so spannend sind seine Geschichten nun auch wieder nicht – dann träume ich<span> </span>von Ägypten! Wirklich, mir kommt dann vor, als wandle ich unter den Palmen, von denen er mir erzählt. Merkwürdig – vielleicht ist ja doch etwas dran an seinen Geschichten von der Wiedergeburt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Er hat jedenfalls beschlossen, mir das „ewige Leben“ zu schenken – damit wir dann immer beisammen sein können! Dafür braucht er bloß noch irgendein Papyrus mit einer geheimen Formel – und das soll es ausgerechnet hier in Kronstadt geben! Na, ich weiß nicht! Jedenfalls schleppt er mich von einem Versteck zum andern – bloß den Papyrus haben wir noch nicht gefunden! Bloß Staub und Spinnweben! Nicht für eine junge Frau in ihren besten Jahren – oder Jahrtausenden!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="text-align: center; line-height: 150%;" align="center"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">- - -</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Aber müssen wir nicht die Polizei verständigen?!“ zögerte der junge Harker, als sie aus der esoterischen Buchhandlung traten, und schaute sich auf der Straße nach einem Ordnungshüter um. Ein Polizist war nirgends zu sehne, aber Jonathan entdeckte in einem Torbogen auf der anderen Straßenseite eine bekannte Gestalt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Da drüben - das ist doch Mehmet!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der windige Teppichhändler verschwand schnell in einer dunklen Seitengasse, doch auch Van Helsing hatte ihn gesehen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Tatsächlich – Mehmet, der Teppichhändler, den wir in Zborsk zurückgelassen haben! Das ist aber ein eigenartiger Zufall – kommt, wir heften uns an seine Fersen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schnell eilten die Drei über die wenig befahrene Straße und sahen gerade noch, wie Mehmet weiter hinter in der Seitengasse durch einen schmalen Durchgang schlüpfte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Doch so leicht war es nicht, dem erfahrenen Vampirjäger Van Helsing zu entkommen, wenn er einmal Witterung aufgenommen hatte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Zweimal meinte Jonathan schon, sie hätten die Spur Mehmets verloren, doch mit traumwandlerischer Sicherheit fand der Professor die Spur des Teppichhändlers jedes Mal wieder – bis sie die Verfolger zu einem Schuppen in einem düsteren Hinterhof führte, in dem Mehmet verschwand und nicht wieder zum Vorschein kam.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Eine gute Viertelstunde beobachteten die Drei das Gebäude, das beinahe schon baufällig wirkte. Nichts rührte sich. Niemand kam, niemand ging.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Plötzlich erklang ein entsetzlicher Schrei durch den Hof – er war aus dem Schuppen gekommen!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Schnell! Kommt!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing hatte wieder seinen Revolver gezückt und eilte über den Hof auf die Schuppentür zu. Dann winkte er den treuen Iwan, der sich mit seinen mächtigen Schultern gegen das Tor warf. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Splitternd flogen die Türflügel zur Seite.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Vorsichtig traten die Gefährten ein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mit scheint: ist nur Mehmets Teppichlager!“ flüsterte Iwan, und van Helsing gab ihm Recht.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Es sieht ganz so aus!<span> </span>Von Mehmet selbst ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. Seltsam &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Links und rechts lagen in hohen Stapeln orientalische Teppiche, leicht angestaubt, aber mit durchaus edlen Mustern.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Anerkennend betrachtete Iwan die Auslegeware.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sind schöne Teppiche, Professor! Ich kennen ganz gut – hier: echte Afghanen &#8230; und da Perser &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Hinter den Stapeln standen auch einige Teppiche zusammengerollt an die Wand des Schuppens gelehnt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Interessiert untersuchte Iwan die Rollen, als diese mit einem Mal zu wanken begannen. Wie in einem Dominospiel fielen sie langsam – eine nach der anderen - um.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Vorsicht, Iwan!“ warnte Van Helsing und zog seinen treuen Diener zur Seite, dem eine der Teppichrollen fast auf die Füße gefallen wäre.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">In diesem Fall rollte sie ein Stück weit auf und gab den Blick auf einen unerwarteten Inhalt frei.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das ist doch – Mehmet!“ rief Jonathan. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing nickte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Rache des Pharao hat auch ihn erreicht!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Teppichhändler offensichtlich tot – erwürgt von den uralten Krallen der Mumie Kharis Ma!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sie meinen: die Mumie hat auch Mehmet auf dem Gewissen?“ erkundigte sich der junge Harker, und wieder nickte der Professor.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ja. Ich glaube: er wusste zu viel – aber er wusste nicht alles!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Der Papyrus!?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„So ist es! Kharis Ma ist wie wild dahinter her! Wir müssen ihn unbedingt vor ihm finden. Aber hier werden wir wohl vergeblich suchen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing schaute sich um, doch er entdeckte nirgends einen Sarkophag zwischen den Bodenbelägen, die<span> </span>stapelweise herumlagen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nachdenklich ging der Professor zwischen den Teppichen umher, dann blieb er mit einem Mal vor einem kleinen aufgerollten Läufer stehen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das ist ja sehr interessant,“ murmelte er. Jonathan war nicht klar, was van Helsings Aufmerksamkeit erregt hatte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Schauen Sie nur, diesen Anhänger! Der Teppich soll geliefert werden an die „Ägyptische Sammlung“ des Museums von Kronstadt, zu Händen Doktor Lorin!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ägyptische Sammlung? Ach, und Sie glauben, dass wir dort den Sarkophag und den Papyrus finden, den Kharis Ma sucht?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing zuckte die Achseln.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wir werden sehen. Auf jeden Fall übernehmen wir diese Teppichlieferung! Auf zu Herrn Doktor Lorin!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Name Alexander van Helsing öffnete ihnen die Türen des Museums. Eine bildhübsche, rassige Sekretärin mit gelackten schwarzen Haaren führte sie durch die Gänge, und Jonathans Erinnerungen an Bianca wurden vom Wippen ihre Hinterteils in einem überaus engen und kurzen Rock kurzfristig überlagert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Doktor Lorin lässt bitten, mein Herren!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Sie hatte eine hohe Flügeltür aufgestoßen, hinter der sich ein großes im Makart-Stil eingerichtetes Büro befand: schwere Portieren hingen überall, dazwischen gewaltige Ölschinken mit mythologischen Szenen – die vorzugsweise den „Raub der Sabinerinnen“ wiedergaben. Anscheinend ein Thema, das dem Hausherrn sehr am Herzen lag.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">An einem mehrere Quadratmeter messenden Schreibtisch saß dieser, ein kleiner älterer Herr mit dünnen Haupthaar und weit hervorquellenden Froschaugen, und sprang sofort auf, als er van Helsing erblickte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Meine Herren, ich muss mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie so freundlich waren!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan ließ den Teppich, den er bisher geschultert hatte, auf den Boden plumpsen, der bereits mit einer zwei- bis dreifachen Schicht von Orientteppichen belegt war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Der gute Mehmet konnte selbst nicht kommen, sagte mir meine Mitarbeiterin?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Diese war noch in der Tür stehen geblieben und schloss sie nun auf einen Wink Dr. Lorins vornehm und leise von außen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Er ist – äh – verhindert, ja!“ bestätigte Professor van Helsing und fügte hinzu: „Sagen Sie, Doktor Lorin – da wir nun einmal hier sind, dürften wir uns wohl Ihre Sammlung ansehen?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan und Jonathan standen versunken in den Anblick der überaus saftigen Schinken, und auch der Besitzer der prallen Gemälde ließ seinen Blick wohlwollend auf seiner Sammlung ruhen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sie meinen - ?“ fragte er, doch der Vampirjäger unterbrach ihn: „Ihrer ägyptologischen Sammlung, Doktor Lorin!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ach so, ja – selbstverständlich, mein lieber Kollege, selbstverständlich! Es ist mir eine Freude und Ehre, wenn ein so berühmter Mann wie Sie – wenn ich einen so berühmten Mann wie Sie selbst führen darf!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Viel lieber hätte van Helsing die Sammlung Doktor Lorins ohne dessen Begleitung besucht, doch daran war nun nicht mehr zu denken, denn schon rief der Ägyptologe seiner Sekretärin über die Sprechverbindung ins Vorzimmer zu:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Erszebeth! Ich gehe mit den Herren nach unten! In die Sammlung!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ihre samtene Stimme antwortete sogleich: „Ja, Herr Doktor, ich weiß Bescheid!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Lorin hatte unterdessen einige der drapierten Samtvorhänge zur Seite geschoben. Dahinter zeigte sich eine weitere hohe Doppeltür.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Darf ich Sie hier entlang bitten, meine Herren! – Mein privater Zugang zu der Sammlung!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Museumsdirektor öffnete die Tür und entzündete die Gasbeleuchtung dahinter, die eine breite nach unten führende Marmortreppe in warmes gelbes Licht tauchte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Hier haben wir noch kein elektrisches Licht, Herr Professor! Aber es sind nur einige wenige Stufen nach unten, in den alten Trakt der Universität. Das „Alte Reich“ befindet sich im alten Trakt – irgendwie passend, finden Sie nicht?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Vorsichtig stiegen die drei Besucher hinter ihrem Gastgeber hinab und gelangten in einen Kreuzgang, in dem an Stelle gotischer Heiligenfiguren ägyptische und babylonische Statuen aufgereiht waren, die von oben mit blicklosen Augen auf die Besucher herab schauten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit einem gewaltigen Redestrom ließ sich Doktor Lorin über seine antiken Kunstschätze aus, und Jonathan schwirrte in kürzester Zeit der Kopf von den exotischen Namen und Zeitaltern. Iwan gab sich auch den Anschein als höre er zu, während er sich in Wahrheit darauf konzentrierte, in seiner Erinnerung zu kramen, wo man hier in Kronstadt ein ordentliches Nachtmahl zu sich nehmen könnte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Und wenn Sie mir jetzt hier hinüber folgen würden, meine Herren,“ dirigierte Doktor Lorin seine Besucher in einen weiteren Seitenflügel seiner Sammlung. „Hier habe ich einige wunderbare Horus-Statuen, die Sie unbedingt noch sehen müssen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Jonathan schob Iwan hinter dem Archäologen her und hielt van Helsing am Ärmel fest.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Haben Sie gemerkt, Professor? Er führt uns stets im Kreise um diesen Sarkophag da vorne!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Tatsächlich stand in einer Ecke des Kreuzgangs ein gewaltiges ägyptisches Grabmal, das Doktor Lorin bisher mit keinem Wort erwähnt hatte. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sicher, Jonathan, ich habe es natürlich auch bemerkt!“ gab van Helsing zurück. „Aber wir können nichts tun, ohne seinen Verdacht zu erregen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schon kam der kleine glubschäugige Ägyptologe auf sie zugeschossen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ich habe den Eindruck, dass ich Sie vielleicht langweile, Professor van Helsing ?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der wehrte sofort mit großer Geste ab.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Keineswegs, Doktor Lorin! Überhaupt nicht, wir sind nur – äh!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Eine genauere Antwort blieb dem Vampirjäger erspart, denn in diesem Augenblick klapperten die Absätze von Fräulein Erszebeth über die Steinplatten des Kreuzgangs heran.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Herr Doktor – bitte zum Telefon! Es ist - die Polizei!!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schien es nur so – oder zuckte Doktor Lorin bei diesem Wort zusammen?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Polizei?“ echote er. „Aber wie ist das möglich?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wer weiß das schon, lieber Kollege?! Die Staatsmacht und ihre Einfälle werden uns wohl immer wieder vor neue Rätsel stellen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Museumsdirektor wirkte unschlüssig, ob er sich von seinen Besuchern trennen sollte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Aber gehen Sie nur, Doktor Lorin! Wir werden hier unten auf Sie warten!“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"><span> </span>„Aber – ich – äh !“ stotterte Lorin.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Seine Sekretärin klapperte höchst aufgeregt mit ihren langen Wimpern.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Es ist dringend, Herr Doktor! Es geht um Mehmet!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Das gab den Ausschlag. Kaum hatte Erszebeth den Namen genannt, stürmte Lorin davon, verharrte noch einmal im Laufe seiner kurzen Beine und rief: „Ich bin sofort wieder bei Ihnen! Es ist sicher ein Missverständnis!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Wieder rannte er drei Schritte und<span> </span>blieb noch einmal stehen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Bitte nichts berühren, meine Herren! Sie wissen ja, ich – äh – bis gleich!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Damit entschwand er die Treppe hinauf in Richtung auf sein Büro.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Erszebeth war stehen geblieben und hatte anscheinend den Auftrag, die Besucher im Auge zu behalten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ein gezieltes Augenzwinkern des Professors nahm Iwan sofort auf. Schon stand er neben der rassigen Schönheit und beugte sich über ihre wogende Oberweite.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nichts berühren, hat er gesagt, der Herr Doktor ?!“ raunte er Erszebeth in die schönen kleinen Ohren. „Gilt das für alles hier?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Doktor Lorins Sekretärin war natürlich<span> </span>– wie die meisten Frauen – dem gutmütigen Charme und der überaus kräftigen Figur des Russen verfallen und ließ ein tiefes Gurren wie das einer brünstigen Turteltaube hören.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Gut macht er das, der Iwan!“ wisperte van Helsing seinen jungen Gefährten zu. „Kommen Sie, Jonathan! Schnell – zu dem Sarkophag!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit leisen Schritten eilten die Beiden den Kreuzgang entlang hinüber zu dem steinernen Monument. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Sehen Sie nur hier, Jonathan: Schleifspuren! Diese Platte ist vor nicht allzu langer Zeit bewegt worden!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Schon lehnte sich van Helsing mit der Schulter gegen die Abdeckplatte. Doch sie bewegte sich keinen Millimeter.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Erst als auch Jonathan Harker mit seiner jugendlichen Kraft zupackte, gelang es ihnen den Deckel um einen Viertelmeter zu verschieben.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing schaute hinein.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ist die Mumie drin?“ fragte sein junger Gehilfe aufgeregt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Mumie nicht!“ verneinte der Professor. „Aber das hier!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Triumphierend zog van Helsing die Hand wieder aus dem Sarkophag und zeigte seinen Fund, ein Stück von einem<span> </span>augenscheinlich uralten Papyrus!</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Jonathan starrte auf den fetzen Pergament – sollte er ihm den Weg zu seiner angebeteten Bianca weisen?</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Können Sie den Papyrus entziffern?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsings Augen flogen über das uralte Pergament.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das ist nicht ganz einfach, Jonathan! Hm &#8230; hier steht Kharis Ma &#8230; hier: Im-Po-Thep, der Pharao &#8230; Kharis Ma grüßt die Nachgeborenen - !“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Nur um sie zu vernichten!“ dröhnte in diesem Augenblick eine tiefe Stimme durch den Raum, die ihnen nur zu bekannt war – es war:</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Die Mumie!“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan hob seinen Kopf aus dem Dekolleté der drallen Erszebeth.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Verflucht – woher kommt Monster jetzt ?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Aus der Tiefe der Zeit komme ich,“ verkündete die Stimme der Mumie, „und mit mir kommt der Tod - für Euch!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Die unheimliche Gestalt fixierte als erstes den jungen Harker, und schneller als irgend jemand gedacht hatte, war die Mumie bei ihm und packte ihn mit eisernem Griff an der Gurgel.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Natürlich wollte Iwan ihm sofort zu Hilfe kommen, doch seine neue Bekannte klammerte sich mit solcher Inbrunst an ihn, dass er sich nicht bewegen konnte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">So schrie er nur: „Professor! Ihr Revolver! Schießen Sie! Feuer!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Aber, Iwan! Wir wissen doch, dass Kugeln nichts nützen! Doch halt!“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing hielt inne. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Was sagst du da eben, Iwan? Feuer? Ja, Feuer!! Das wäre eine Möglichkeit &#8230;!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Professor,“ gurgelte Jonathan mit letzter Kraft nach Atem ringend, „tun Sie was! Irgendwas!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Das Ungeheuer hob den Jüngling am Hals empor wie eine Gans, die zu schlachten und zu füllen war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Du, Jüngling, sollst der erste sein, der eingeht in das Totenreich!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Dem in der Luft Gebeutelten wurde schwarz vor Augen. Er würgte noch hervor: „Bi – an – an - ca &#8230; wo bist du? Wo &#8230;?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Ein seltsames Leuchten ging über das durch die Jahrtausende verrunzelte Gesicht der Mumie.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„An-an-ka &#8230; meine Geliebte! Sie ist in Sicherheit - sie wartet auf Kharis Ma – in alle Ewigkeit!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Iwan!“ rief Van Helsing zu seinem treuen Diener hinüber. </span><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;" lang="FR">„Hast du Feuer?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Russe, an dessen breite Brust sich noch immer die üppige Erszebeths presste, war irritiert.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Da! Aber, Professor! Warum jetzt rauchen?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Es gelang ihm tatsächlich, sich so weit aus Erszenebeths Armen zu lösen, dass er ein Streichholz entzünden konnte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ich will doch nicht rauchen!“ erklärte Van Helsing, der sich an der Mumie vorüber zu seinem Diener schlängelte. „Ich will diesen verfluchten Papyrus verbrennen!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit diesen Worten hielt er das uralte Dokument in die Zündholzflamme.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ha! Nein! Das darf nicht sein!“ schrie Kharis Ma – doch vergebens, denn das staubtrockene Papyrus fing sofort Feuer.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Luft!“ gurgelte Jonathan, den die Mumie fahren gelassen hatte, um auf Van Helsing zu zu stapfen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">In diesem Augenblick trippelte der froschäugige Dr. Lorin die Treppe in seine unterirdische Schatzkammer wieder herunter.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Was ist denn hier los?“ </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit einer strengen Handbewegung schickte der Museumsdirektor seine Sekretärin nach oben zurück. Erszebeth löste sich mit sichtlichem Bedauern von dem starken Iwan und lief die Treppe hinauf.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Erst jetzt entdeckte Lorin die hohe Gestalt der Mumie, die bisher hinter den drei Abenteurern verborgen gewesen war.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Kharis Ma?“ hauchte er.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Der Uraltägypter schien sich vor Schmerzen zu winden.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Du – das ist dein Werk!“ versuchte er auf den kleinwüchsigen Lorin zuzuwanken, der erschreckt aufkreischte: „Kharis Ma &#8230; nein! Nicht!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing kniff die Augen zusammen. Ihm war klar geworden, was hier vorgegangen war. Der Papyrus in seiner Hand war bis auf ein kleines Fetzchen verbrannt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Doktor Lorin! Sie haben die Mumie zum Leben erweckt?!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Das unheimliche Wesen stimmt murmelnd zu: „Er war es, der mir das Leben zurück gab – aber was bedeutet es mir – ohne<span> </span>Ananka &#8230; Ananka, wo bist du?“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Wild ruderten seine Arme durch die Luft, immer langsamer und mühevoller wurden seine Bewegungen. In einem letzten Aufbäumen wankte die Mumie zu Doktor Lorin hinüber.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Ich sterbe – endlich! Aber ich gehe nicht allein!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Nur mit Mühe konnte Kharis Ma seine Arme heben. Er versuchte, seine krallenartigen Hände um den Hals des Museumsdirektors zu legen. Doch seine Bewegungen wurden immer fahriger und unkontrollierter.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Von dem Papyrus in van Helsings Hand war nur jetzt nur noch ein winziger Rest übrig, an dem die Flamme leckte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Wo hast du Ananka? - Sie &#8230; gehört &#8230; doch &#8230; mir!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Kharis Ma griff mit einer<span> </span>unkontrollierten Handbewegung nach dem Gesicht Doktor Lorins. </span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Dabei geschah etwas Seltsames, Unheimliches, Grausiges - das Gesicht des Operndirektors schien zur Seite zu rutschen.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Hee, halt – meine Maske!“ kreischte der merkwürdige kleingewachsene Mann.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Voll Entsetzen beobachtete Jonathan, wie hinter dem vorgeblichen Gesicht des Doktors, das in Wirklichkeit eine sorgfältig gearbeitete lebensechte Maske war, ein schrecklich verzerrtes und verunstaltetes Antlitz zum Vorschein kam.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Mein Gott, was ist das?`“ stöhnte der junge Mann.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit der ersterbenden Flamme verlosch in diesem Augenblick das künstliche Leben der Mumie.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Iwan knurrte: „Mumie ist – !“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Tot – anch – amun – aah!“ verröchelte das uralte Wesen aus Ägypten.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Entsetzt beobachteten Van Helsing und seine Freunde, wie Kharis Ma in atemberaubender Geschwindigkeit immer mehr einschrumpfte, vertrocknete und schließlich zu Staub zerfiel.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Doch mindestens den gleichen Schrecken verbreitete in diesem Augenblick das wahre Gesicht Doktor Lorins, das ihnen nun entgegen starrte.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Was ist – mit seinem Gesicht?“ stammelte Jonathan Harker.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Van Helsing wollte etwas sagen, doch die nun eiskalt und schneidend klingende Stimme Lorins kam ihm zuvor.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Das Gesicht, meine Herren? Das, was Sie für mein Gesicht hielten, ist nichts anderes als eine Maske!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">Mit einem schnellen Schritt stand Lorin an einer Wandverkleidung, die im selben Augenblick zur Seite glitt.</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;">„Jawohl, eine Maske! Und bevor ich mich von Ihnen verabschiede, um zu der lieblichen Bianca zu eilen, sollen Sie noch wissen, mit wem Sie es zu tun hatten: mit mir, Lorin, dem Phantom der Oper!“</span></p>
<p class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"><span style="font-size: 9pt; line-height: 150%;"> </span></p>
<p><span style="font-size: 9pt; font-family: Verdana;"><br style="page-break-before: always;" /> </span></p>
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		<title>Das &#8220;Hawelka&#8221; und ich</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 16:03:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Das „Hawelka“ und ich
Als ich zum ersten Mal das Café Hawelka betrat, ahnte ich nicht, in was für eine neue Welt ich kommen sollte. Ich war 20 Jahre alt und noch nicht einmal einen Monat in Wien. Ich war aus Deutschland hierhergekommen, weil ich auf keinen Fall zur Bundeswehr einrücken wollte – so etwas wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das „Hawelka“ und ich<br />
Als ich zum ersten Mal das Café Hawelka betrat, ahnte ich nicht, in was für eine neue Welt ich kommen sollte. Ich war 20 Jahre alt und noch nicht einmal einen Monat in Wien. Ich war aus Deutschland hierhergekommen, weil ich auf keinen Fall zur Bundeswehr einrücken wollte – so etwas wie einen Ersatzdienst gab es damals noch nicht. Entkommen aus einem Eltern-Reihenhaus, einem humanistischen Gymnasium, einer norddeutschen Halb-Großstadt.<br />
Wien kannte ich schon von einigen Ferientagen, kannte das Schloss Schönbrunn, die Wohnung meiner Verwandten in der Reisnerstraße im vierten Wiener Gemeindebezirk; ich kannte den Westbahnhof, an dem man von Deutschland aus ankam, praktisch seit seiner Erbauung, und ich kannte den Nordwestbahnhof, von dem aus man in meinen Geburtsort Hollabrunn fuhr, noch als Ruinenlandschaft. Was ich nicht kannte, war die Wiener Kaffeehauslandschaft, schon gar nicht das Hawelka.<br />
„Das musst du kennen, wenn du in Wien bist,“ war die nachdrückliche Aufforderung, ausgesprochen in einem verrauchten Studentenlokal namens „Atrium“ in der Nähe des Schwarzenbergplatzes. Dorthin gingen damals praktisch alle Studenten irgendwann einmal, denn es gab kein anderes. Man erhoffte sich dort erste Kontakte in der neuen Heimat, vor allem Kontakte zu Angehörigen des weiblichen Geschlechts. Angeblich kamen ins „Atrium“ hübsche Mädchen auf der Suche nach schlauen Studenten. Mich suchte und fand dort eine hübsche junge Mutter namens Nicki mit vierjährigem Sohn und einem Ehemann, der viel unterwegs war. Doch das ist eine andere Geschichte.<br />
So ging es aus dem „Atrium“ ins Hawelka. Für ein paar Jahre sollte es zu meinem Wohnzimmer werden, zu meiner kleinen Kreditanstalt, zu meinem Schnellimbiss. Die drei Ober, die damals durch das Kaffeehaus kreisten, Josef, Theo und Heinz, wurden meine Kreditgeber – wieso sie einem deutschen Studenten wie mir vertrauten, weiß ich nicht. Es waren wohl einfach andere Zeiten damals. Wenn mein Monatswechsel aufgebraucht war und die letzte Dose Thunfisch gegessen, dann gab es immer noch den Weg ins Hawelka. Gegen das feste Versprechen, die Schulden gleich am nächsten Ersten zurückzuzahlen, gab es für den hungrigen Studenten ein Paar Debrecziner und eine Flasche Bier als Notverpflegung am Abend, und zum Frühstück (und Mittagessen) Ham and Eggs oder eine Eierspeis von zwei Eiern.<br />
Der erste Eindruck, den ich vom Café Hawelka bekam, war für den noch nicht Volljährigen aus Norddeutschland etwas befremdlich. So etwas hatte ich in Bremen noch nicht gesehen. Es war früher Abend, in der Dorotheergasse vor der Tür des Hawelka lagen schmutzigen Schneereste, den die vielen Füße in das Lokal hineintrugen. Auch mein Schuhwerk, das dem Wiener Wetter nicht genügte, war von dem Schneematsch vollgesogen, die angejahrten Sohlen leisteten kaum Widerstand. Nasse Socken waren an der Tagesordnung, an das Frösteln von unten her hatte ich mich schon gewöhnt.<br />
So trat ich durch den schweren Vorhang aus dickem Loden, der das Café von der Nässe und Kälte draußen vor der Tür abschirmen sollte, die schwallartig mit jedem Gast dann doch ins Lokal drängte. Den Neuankömmling, der erst einmal orientierungslos um sich schaute, rempelte ein kleiner korpulenter Kellner – es war, wie ich schnell erfuhr, der Herr Josef – zur Seite, der mit mehreren kleinen Blechtabletts voller Kaffeetassen, Bierflaschen und Wassergläsern eine scharfe Kurve direkt an der Eingangstür nahm.<br />
Ich muss wohl ziemlich versteinert da gestanden haben, denn mit einem Mal ergriff eine ältere Frau mit einer aufgelösten Dauerwelle als Frisur mit hartem Griff meinen Oberarm und säuselte mit schriller Stimme in mein Ohr: „Wollen Sie einen  Platz?“ Doch im selben Augenblick ließ sie mich wieder los und verschwand hinter einer Tür schräg hinter mir, direkt neben dem Eingang. Von dort erklang ein schrilles Klingeln und kurz darauf die schrille Stimme meiner neuen Bekannten, die laut in die Rauchschwaden des Lokals hinaus rief: „Herr Neusser? Herr Neusser – Telefon!“<br />
Die dick gepolsterte Tür dichtete die Telefonzelle gegen den ständigen Geröuschpegel des Cafés ab, drinnen konnte man nicht nur telefonieren und in außergewöhnlich dicken Telefonbüchern die nötigen Nummer nachschlagen, sondern man konnte auch angerufen werden! Eine Besonderheit, die ich bisher nur aus amerikanischen Filmen kannte, die aber für mich bald eine große Bedeutung gewinnen sollte. In den sechziger Jahren, von denen wir hier sprechen, hatte niemand ein Handy, und nur die wenigsten Studenten hatten eine Unterkunft, in der es ein Telefon gab. So gab ich schon bald als meine Telefonnummer die des Hawelka an.<br />
Da ich das nicht alleine tat, klingelte das Telefon hier praktisch ununterbrochen, wenn nicht der eine oder andere Gast aus Geschäfte oder Liebesgeschäfte abwickelte und die Telefonkabine geraume Zeit besetzt war. Der Kaffeehausgast, der auf einen wichtigen Anruf wartete wie auf einem Bissen Brot, saß wie auf Kohlen. Legte der Telefonierer endlich auf und trat gemessenen Schrittes heraus, sprangen sofort drei Gäste gleichzeitig auf, um zum Telefon zu sprinten. Den Sieg errang der Nächstsitzende, und es gab Kaffeehausbesucher, die nach mehreren vergeblichen Versuchen die Hoffnung fahren ließen und lieber draußen im Regen nach einer freien Zelle suchen gingen. Andere stellten sich in der Nähe des Telefons auf, um eine günstige Pole Position zu gewinnen, wurden aber schnell vom grantelnden Ober Josef wieder auf ihren Platz gewiesen. „Das geht doch nicht! Das sehen Sie doch! Da kommt man ja nicht vorbei!“<br />
An dieser Engstelle des Lokals stand ich also in diesem Jahre 1963, Menschen drängten an mir vorbei hinaus und hinein, der Ober umkurvte den Zeitungstisch, und die Chefin – das war die Dame mit der ramponierten grauen Dauerwelle – hatte den Herrn Neusser in die Telefonzelle befördert und wandte sich wieder mir zu, um mir einen Platz zuzuweisen. Freie Platzwahl gab es – wie so häufig – an diesem Tag nicht. Dem Auge des ungeübten Besuchers erschien das Café voll besetzt, doch Frau Hawelka gelang es immer, noch einen Gast auf eine der roten Plüschbänke zu klemmen. Ich landete auf dem äußersten Ende einer solchen Bank ganz in der Nähe des Eingangs und wartete auf den Ober.<br />
Der Tisch mit den Zeitungen direkt an der Eingangstür erregte meine Aufmerksamkeit – so etwas hatte ich auch noch nie gesehen. In meinem bisherigen Leben gab es eine Tageszeitung, die mein Vater im Abonnement bezog, seit ich denken konnte: den „Weser-Kurier“. Sonst kannte ich vom Kiosk in der Nähe des Alten Gymnasiums noch die BILD-Zeitung und die „Hamburger Morgenpost“, die ich mir hin und wieder leistete, wegen der dort abgedruckten Comicstreifen mit den Peanuts und Willi Wacker (Popeye).<br />
Hier im Hawelka hingegen gab es einen Berg von Tageszeitungen – von denen es damals noch deutlich mehr gab als heute – österreichischer wie deutscher,  Provenienz (selbst die Neue Zürcher Zeitung war vorrätig), daneben Wochenblätter,  Nachrichtenmagazine, Kulturzeitschriften – einfach alles, was ein Kaffeehausbesucher in stundenlangen Sitzungen studieren konnte. Die Zeitungen waren in hölzerne Zeitungshalter geklemmt, mit denen man sich ohne weiteres duellieren konnte, wenn zwei Gäste an einem kleinen Tisch großformatige Blätter zum Kaffee konsumieren wollten.<br />
Hatten sich im Laufe des Tages zu viele Zeitungen an den Tischen und auf den Polsterbänken versteckt, drehte einer der Ober eine Runde durch das Lokal, sammelte das verloren gegangene Lesegut ein und türmte es wieder auf die wenigen verbliebenen Blätter auf dem Zeitungstisch. Wenn man Pech hatte, landete die Zeitung, die man suchte, ganz unten in dem Riesenkonvolut, und es konnte leicht vorkommen, dass beim Graben nach dem wertvollen Stück der ganze Berg ins Wanken geriet und vom Tisch kippte. Kopfschüttelnd und mit strengem Gesicht begleitete der Herr Josef dann die Bemühungen des Gastes, das Unglück wieder zu bereinigen.<br />
Lag die gesuchte Zeitung jedoch günstiger weiter oben im Stapel, ergriff sie vielleicht trotzdem ein anderer Leser, knapp bevor man selbst zugreifen konnte, und behielt sie dann für eine gute Stunde bei sich. Und natürlich war es eine der Zeitungen, von denen es nur ein einziges Exemplar im Kaffeehaus gab. Eine traurige Angelegenheit!<br />
Direkt hinter dem Tisch mit den Zeitungen, an der ersten Säule des Cafés stand der „runde Tisch“, um den bis zu zehn Stühle passten, wenn man eng zusammenrückte. Wenn, ja wenn man überhaupt zu diesem Tisch zugelassen wurde …! In der Hierarchie des Hawelka in dieser Zeit rangierte dieser Tisch sehr weit oben.<br />
Die ganz große Hawelka-Zeit lag damals – wie eigentlich immer – ein paar Jahre zurück. Stets bekam (und bekommt vermutlich auch heute noch)  der Erstbesucher zu hören: „Damals – vor zehn (acht – fünf) Jahren hättest du herkommen sollen – da saß hier noch der (ad lib) Doderer, Qualtinger, Oskar Werner (ad infinitum). So ging es uns in den frühen Sechzigern auch schon: die großen Zeiten waren vorbei – daran gab es nichts zu rütteln.<br />
Der erste, der runde Tisch am Eingang hatte seine ganz eigene Prominenz – es waren keine berühmten Künstler, die dort saßen, es waren Angehörige der „besseren Kreise“, wohl auch manchmal von Adel (den es ja offiziell in Österreich gar nicht mehr gab), oft sehr reifen Alters und mit (natürlich echtem) Schmuck behangen. Gräfinnen und andere ältere Damen hielten dort Hof. Als frischer Gast ohne jeden noblen Hintergrund wurde man vom Ober sofort vertrieben, wenn man es wagte, sich an diesem Tisch niederzulassen. Es dauerte Monate, wenn nicht Jahre, bis man die nötigen Kontakte hatte, um an den Rand dieses Tisches rücken zu dürfen. Wenn man dann zuhörte, was gesprochen wurde, wunderte man sich innerlich, wozu man das eigentlich so lange sehnsüchtig erstrebt hatte.</p>
<p class="MsoNormal"><span>Mein Hawelka (2)</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wo man im Hawelka Platz nahm, das war nicht immer eine Sache der eigenen Entscheidung – oft wurde man von der Chefin an einen Tisch gewiesen, an dem man niemanden kannte. Da hieß es dann ausharren, bis die anderen Gäste gingen und man eine selbst eine eigenen kleine Gemeinschaft bilden konnte. Wen lernte man im Hawelka kennen? Als Student natürlich erst einmal Mitstudenten, dazu kamen in meinem Fall junge notleidende Schauspieler und deren Begleiterinnen, verkannte Künstler mit zerwühltem Haupthaar, manchmal auch junge Ehefrauen auf der Suche nach einem Seitensprung – aber das waren glanzvolle Ausnahmen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Das „Hawelka“ wurde mein Zuhause. Ich schrieb meinen Eltern die vertrauenerweckenden Zeilen: „Man setzt sich am Vormittag hinein, bestellt einen kleinen Braunen um 4,- öS, bleibt bis zum Abend dort, geht zwischendurch essen, schreibt und liest dort, man trifft Leute und bekommt, so oft man will, noch ein Glas Wasser. Es ist schon eine herrliche Einrichtung, das Kaffeehaus.“ </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Wahrscheinlich haben meine Eltern sich das Dasein eines fleißigen Studenten anders vorgestellt, aber für mich war dieses Leben eines jugendlichen Bohemiens einfach „cool“, wie man später dazu gesagt hätte. – Für dieses Leben reichte der Scheck von zu Hause vorne und hinten nicht aus. Gottseidank war das Hawelka damals auch so eine Art Jobbörse für Studenten in Geldnöten. Mein wichtigster „Kontaktmann“ wurde ein Musikstudent namens Elmar Prack – nicht verwandt mit dem berühmten Rudolf gleichen Nachnamens. Neben seinem Studium und der andauernden Jagd nach dem schönen Geschlecht hatte Elmar eine Einnahmequelle gefunden, die auch für mich interessant werden sollte. Er war Komparse am Wiener Volkstheater – und das galt im Hawelka schon etwas!</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Eines Tages kam er mit der Nachricht ins Café gestürmt, dass „die Amerikaner“ in Wien waren. Tatsächlich drehte im Frühjahr 1963 Otto Preminger hier einige Szenen für seinen Spielfilm „Der Kardinal“ . Romy Schneider, Peter Weck und Josef Meinrad bestritten wichtige Parts in der Wiener Episode. Und nun hieß es, die Amerikaner suchten auch jede Menge Komparsen. Angeblich sollte auch gut gezahlt werden – mehr als sonst in Wien üblich. Die Rede war von Koparsengagen zwischen 300 und 500 Schillingen – wenn man von Zuhause 2.000 Schilling bekam, war das ein ordentliches Zubrot.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Das Hawelka brodelte im Gerüchtefieber: junge Soldaten würden gesucht, SS-Männer – für einen, der gerade vor der Bundeswehr geflohen war, nicht die erstrebenswertesten Rollen. Aber dann kam die nächste brandheiße Information: es sollte ein Ball gedreht werden, und dafür benötigten die Amis einen ganzen Saal voll walzertanzender Jugend. Außerdem sollte es für die Tänzer sogar noch eine Zulage geben – noch mehr leicht verdientes Geld wie es schien. Walzer – nun, das war in der Tanzschule in Bremen nicht gerade mein Lieblingstanz gewesen, doch in langen Diskussionen im verrauchten Hawelka waren wir uns bald einig, dass das schon klappen würde mit dem Tanzen. Zur Not konnte man ja auch noch eine Partnerin finden, die einem vor dem Dreh Nachhilfe gab.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Es kam der Tag des „Castings“ – das damals noch nicht so hieß. Mehr als 300 junge Menschen beiderlei Geschlechts hatten sich gemeldet. In einem Studio am Rosenhügel  wurden die Kandidaten für den Balltanz an die Wand gestellt (im wahrsten Sinne des Wortes), und so kam ich mir auch vor. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Es war kalt in Wien, aber hier drinnen stand mir der Schweiß auf der Stirn. Die Partnerin, die mir – nach der Größe, nicht nach Sympathie - zugeteilt worden war, verfügte leider über keinerlei didaktisches Talent, sondern wollte nur selbst brillieren. Gnadenlos ließ sie mich an meinem eigenen langen Arm verhungern. Selbst der Einsatz des renommierten Ballettmeisters Frenzel von der Wiener Staatsoper nützte nichts. Zwar hörte ich seine Anweisungen, allein mir fehlten die notwendigen Tanzschritte. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Bei der Auswahl durch die Filmleute ein paar Tage später ging es mir keineswegs besser. Hilflos stolperte ich über das Parkett und wurde nach kürzester Zeit des Saales verwiesen. An der sich schließenden Hohen Tür versicherte mir der Komparsenführer, den ich entfernt kannte, dass sicher noch etwas für mich den Uniformierten drin wäre. Doch davon hörte ich nie wieder etwas. Einige Freunde, die man in Nazi-Uniformen gesteckt hatte, berichteten von den Dreharbeiten: sie „fuhren mit uralten Autos durch die Gegend, während Peter Weck gerade aus dem Fenster stürzt,“ notierte ich damals. Den Film „Der Kardinal“ habe ich mir aus Rache niemals angesehen. Und im „Hawelka“ war der Dreh sowieso in kürzester Zeit wieder Schnee von gestern.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Denn nun kamen die guten Beziehungen meines neuen Freundes Elmar zum Volkstheater zum Zuge: in dem Stücke „Eiche und Angora“ fehlte ein hochgewachsener junger Mann, der während der Nazizeit an die im Titel erwähnte gefesselt werden und – allerdings hinter der Bühne – dann auch umgebracht werden sollte. Ich glaube, ich hatte sogar einen Satz zu sagen. Elmar selbst hatte nicht die nötige romantische Erscheinung und stand außerdem in der „Mutter Courage“ auf der Bühne, so kam ich zum Zuge. </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Doch im „Hawelka“ passierten weitere einschneidende Dinge. Ich lernte einen Studenten von der Filmakademie namens Gabor kennen, der angeblich im Jahr zuvor das beste Drehbuch der Akademie geschrieben. Als angehender Jungdichter hatte ich natürlich immer ein paar eigene Texte zur Hand, die ich besagtem Gabor zeigen durfte. Er gab mir den Rat, doch einmal ein Drehbuch zu schreiben – damit kannte er sich aus und versprach mir, es durchzuschauen und mir zu sagen, was noch nicht in Ordnung sei. Ich weiß nicht mehr, ob es je dazu kam, aber vermutlich wäre es Gabor leichter gefallen, mir die Stellen im Drehbuch zu zeigen, die „in Ordnung“ waren.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Meinen Eltern schrieb ich damals voll Begeisterung über das „Hawelka“ und die Prominenz, die ich selbst jedoch nie zu Gesicht bekam: „Es ist eine Art Künstlerklause, wo auch ab und zu bekannte Leute hinkommen wie der Hans Weigel, Heimito von Doderer, Fritz Hochwälder. Und Schauspieler wie der Oskar Werner.“ </span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Für mich war das „Hawelka“ das Wohn- und Arbeitszimmer, wenn ich nicht in einer Vorlesung saß. „Denn in meinem Zimmer halte ich es nie lange aus!“ Das Gefühl teilte ich mit vielen der Kaffeehausbesuchern, die ich kannte. Man lebte damals in möblierten Zimmern bei missmutigen Vermieterinnen, für die Heizung musste man selbst sorgen – da gab es einen gusseisernen Ofen, der zwar Briketts fraß, aber keine Wärme daraus ableitete. Da war ein gut geheiztes Kaffeehaus in jedem Fall die angenehmere Bleibe. Nach einem Monat musste ich dieses Quartier gleich wieder aufgeben, weil die Vermieterin wegen „einer Herzgeschichte ins Spital“ musste, und ihr Sohn ebenso „wegen eines Ekzems an den Händen“.  Der Versuch, mit Elmar und dem Schauspieler Klaus Münster eine möblierte Dreizimmerwohnung im 9. Bezirk zu ergattern, scheiterte – woran, weiß ich nicht mehr.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span>Jedenfalls zog ich nicht zu den beiden Mimen, sondern zu dem Salzburger Werber Walter Lürzer, der damals auch „Hawelka“-Stammgast war und später zu einem der bekanntesten deutschen Werbegurus werden sollte. Er bewohnte eine Wohnung weit draußen an der Reichsbrücke, wo er selbst jedoch selten war. So konnte ich dort eine Zeitlang bleiben – ungünstig war nur der weite Weg ins „Hawelka“. Pläne wurden dort aber weiter geschmiedet: Walter ;Lürzer hatte den Plan, eine Zeitschrift für Mädchen zwischen 16 und 25 herauszubringen, die „Boutique“ heißen sollte, und schon war ich dabei. Im „Hawelka“ ging einfach alles  - bzw. nichts, denn aus diesem Plan wurde natürlich auch nichts.</span></p>
<p class="MsoNormal">Natürlich saß man auch manchmal im Hawelka, mit sich und der Welt völlig im Unreinen. Weltschmerz und eigenes Leid hingen schwarz über dem Kaffeehausbesucher an seinem Tisch, und er versenkte sich lange Stunden in bitteren Kaffee und noch bitterere Gedanken.</p>
<p class="MsoNormal">Wenn man Anfang Zwanzig ist, kommen dabei häufig Gedichte zu Papier, über die man in reiferem Alter bestenfalls noch den Kopf schütteln kann. Oder? Ist vielleicht doch manch Wahres an dem, was man damals schrieb?<strong></strong></p>
<p class="MsoNormal"><strong>Im Café</strong></p>
<p class="MsoNormal">Wir sitzen</p>
<p class="MsoNormal">Im Café Egal</p>
<p class="MsoNormal">Und schauen</p>
<p class="MsoNormal">Uns an</p>
<p class="MsoNormal">Und sehen</p>
<p class="MsoNormal">Uns nicht</p>
<p class="MsoNormal">Und trinken</p>
<p class="MsoNormal">Unser Blut</p>
<p class="MsoNormal">Mit Milch</p>
<p class="MsoNormal">Und viel Zucker.</p>
<p class="MsoNormal">Rauchen</p>
<p class="MsoNormal">Unseren</p>
<p class="MsoNormal">Letzten Atem</p>
<p class="MsoNormal">Und lesen</p>
<p class="MsoNormal">In der Zeitung</p>
<p class="MsoNormal">Unsre</p>
<p class="MsoNormal">Todesanzeigen.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Ober Josef nahm es jedenfalls bald recht wohlwollend zur Kenntnis, wenn der junge Literat Kugelschreiber und Papier auf den Tisch breitete. Er stellte die Wassergläser dann höchst vorsichtig daneben, um das Blut des Dichters nicht mit schnödem Leitungswasser zu verwaschen. Die Gedichte bekam er genauso wenig zu lesen wie sonst jemand.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal"><strong>Der Dichter</strong></p>
<p class="MsoNormal">Die überaus traurige Geschichte vom Untergang einer Familie</p>
<p class="MsoNormal">Motto: Wer immer strebend sich bemüht, den sehen wir gern dösen.</p>
<p class="MsoNormal">(„Faust“, unterdrückte Fassung)</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Es saß in Wien im Hawelka</p>
<p class="MsoNormal">Ein Dichter zwanzig Jahre.</p>
<p class="MsoNormal">Verließen auch die Haare</p>
<p class="MsoNormal">Den Dichter dort im Hawelka,</p>
<p class="MsoNormal">er dichtete dort vor sich hin.</p>
<p class="MsoNormal">Doch dies Familienübel</p>
<p class="MsoNormal">Befördert‘ in den Kübel</p>
<p class="MsoNormal">Gevatter und Gevatterin.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Vater starb an Diphterie,</p>
<p class="MsoNormal">die Mutter an der Pest.</p>
<p class="MsoNormal">Der Bruder starb in Brest</p>
<p class="MsoNormal">(ein Hamster biss ihn dort ins Knie).</p>
<p class="MsoNormal">Den zweiten Bruder, Adalbert,</p>
<p class="MsoNormal">traf des Geschickes Macht</p>
<p class="MsoNormal">in Stanleyville bei Nacht,</p>
<p class="MsoNormal">ihn trat ein altes Pferd.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Die blonde Schwester Adelheid</p>
<p class="MsoNormal">Ging sorglos auf den Strich,</p>
<p class="MsoNormal">woselbst sie schnell verblich;</p>
<p class="MsoNormal">(sie war ja nie besonders g’scheit!).</p>
<p class="MsoNormal">Auch Großpapa und seine Frau –</p>
<p class="MsoNormal">Die beiden waren achtzig –</p>
<p class="MsoNormal">Sie haben unbedacht sich</p>
<p class="MsoNormal">Gestürzt in einen Topf Kakao.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Der Onkel Theo, ohne Scham,</p>
<p class="MsoNormal">versank mit fünfzehn  Kindern,</p>
<p class="MsoNormal">um seinen Schmerz zu lindern,</p>
<p class="MsoNormal">im Rhein, was man ihm übelnahm.</p>
<p class="MsoNormal">Die Tante Elli aus Hernals –</p>
<p class="MsoNormal">Sie war schon immer schüchtern,</p>
<p class="MsoNormal">drum starb sie auch nicht nüchtern –</p>
<p class="MsoNormal">fand man mit einem Strick am Hals.</p>
<p class="MsoNormal">
<p class="MsoNormal">Jedoch es saß im Hawelka</p>
<p class="MsoNormal">Der Dichter noch zehn Jahre,</p>
<p class="MsoNormal">bis dass auch ihn die Bahre</p>
<p class="MsoNormal">heraustrug aus dem Hawelka.</p>
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		<title>&#8220;Star Wutz&#8221; und &#8220;Frittenstein&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 08:38:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer wieder schlagen sich Fans dieser Hörfunk-Parodien auf &#8220;Star Wars&#8221; und &#8220;Frankenstein&#8221; zu mir durch. Ich hoffe, daß diese Mitteilung es für alle leichter macht, die mich und meine Werke im Internet suchen. Die Sendungen liefen damals (80er Jahre) im WDR und wurden von einigen ARD-Anstalten übernommen. Ich habe sie (wie das Meiste aus meinem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wieder schlagen sich Fans dieser Hörfunk-Parodien auf &#8220;Star Wars&#8221; und &#8220;Frankenstein&#8221; zu mir durch. Ich hoffe, daß diese Mitteilung es für alle leichter macht, die mich und meine Werke im Internet suchen. Die Sendungen liefen damals (80er Jahre) im WDR und wurden von einigen ARD-Anstalten übernommen. Ich habe sie (wie das Meiste aus meinem Schaffen) digital archiviert und stehe Anfragen grundsätzlich positiv gegenüber!</p>
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		<title>Dallas - Nix Dolles!</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 08:35:39 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Aus meinem Schaffen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nun kommt also &#8220;Dallas&#8221; wieder - das erinnert mich an meine Hörfunk-Parodie zu dieser TV-Serie in den 80er Jahren: &#8220;Nix Dolles&#8221; mit meinem unvergessenen Freund Diether Krebs in der Rolle des &#8220;Dschä-arr&#8221;. Die Serie spielt in Ostfriesland (Wo sonst?) - wer sich dafür interessiert, bitte melden!
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Nun kommt also &#8220;Dallas&#8221; wieder - das erinnert mich an meine Hörfunk-Parodie zu dieser TV-Serie in den 80er Jahren: &#8220;Nix Dolles&#8221; mit meinem unvergessenen Freund Diether Krebs in der Rolle des &#8220;Dschä-arr&#8221;. Die Serie spielt in Ostfriesland (Wo sonst?) - wer sich dafür interessiert, bitte melden!</p>
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