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Das “Hawelka” und ich

8. Januar 2012 · Keine Kommentare

Das „Hawelka“ und ich
Als ich zum ersten Mal das Café Hawelka betrat, ahnte ich nicht, in was für eine neue Welt ich kommen sollte. Ich war 20 Jahre alt und noch nicht einmal einen Monat in Wien. Ich war aus Deutschland hierhergekommen, weil ich auf keinen Fall zur Bundeswehr einrücken wollte – so etwas wie einen Ersatzdienst gab es damals noch nicht. Entkommen aus einem Eltern-Reihenhaus, einem humanistischen Gymnasium, einer norddeutschen Halb-Großstadt.
Wien kannte ich schon von einigen Ferientagen, kannte das Schloss Schönbrunn, die Wohnung meiner Verwandten in der Reisnerstraße im vierten Wiener Gemeindebezirk; ich kannte den Westbahnhof, an dem man von Deutschland aus ankam, praktisch seit seiner Erbauung, und ich kannte den Nordwestbahnhof, von dem aus man in meinen Geburtsort Hollabrunn fuhr, noch als Ruinenlandschaft. Was ich nicht kannte, war die Wiener Kaffeehauslandschaft, schon gar nicht das Hawelka.
„Das musst du kennen, wenn du in Wien bist,“ war die nachdrückliche Aufforderung, ausgesprochen in einem verrauchten Studentenlokal namens „Atrium“ in der Nähe des Schwarzenbergplatzes. Dorthin gingen damals praktisch alle Studenten irgendwann einmal, denn es gab kein anderes. Man erhoffte sich dort erste Kontakte in der neuen Heimat, vor allem Kontakte zu Angehörigen des weiblichen Geschlechts. Angeblich kamen ins „Atrium“ hübsche Mädchen auf der Suche nach schlauen Studenten. Mich suchte und fand dort eine hübsche junge Mutter namens Nicki mit vierjährigem Sohn und einem Ehemann, der viel unterwegs war. Doch das ist eine andere Geschichte.
So ging es aus dem „Atrium“ ins Hawelka. Für ein paar Jahre sollte es zu meinem Wohnzimmer werden, zu meiner kleinen Kreditanstalt, zu meinem Schnellimbiss. Die drei Ober, die damals durch das Kaffeehaus kreisten, Josef, Theo und Heinz, wurden meine Kreditgeber – wieso sie einem deutschen Studenten wie mir vertrauten, weiß ich nicht. Es waren wohl einfach andere Zeiten damals. Wenn mein Monatswechsel aufgebraucht war und die letzte Dose Thunfisch gegessen, dann gab es immer noch den Weg ins Hawelka. Gegen das feste Versprechen, die Schulden gleich am nächsten Ersten zurückzuzahlen, gab es für den hungrigen Studenten ein Paar Debrecziner und eine Flasche Bier als Notverpflegung am Abend, und zum Frühstück (und Mittagessen) Ham and Eggs oder eine Eierspeis von zwei Eiern.
Der erste Eindruck, den ich vom Café Hawelka bekam, war für den noch nicht Volljährigen aus Norddeutschland etwas befremdlich. So etwas hatte ich in Bremen noch nicht gesehen. Es war früher Abend, in der Dorotheergasse vor der Tür des Hawelka lagen schmutzigen Schneereste, den die vielen Füße in das Lokal hineintrugen. Auch mein Schuhwerk, das dem Wiener Wetter nicht genügte, war von dem Schneematsch vollgesogen, die angejahrten Sohlen leisteten kaum Widerstand. Nasse Socken waren an der Tagesordnung, an das Frösteln von unten her hatte ich mich schon gewöhnt.
So trat ich durch den schweren Vorhang aus dickem Loden, der das Café von der Nässe und Kälte draußen vor der Tür abschirmen sollte, die schwallartig mit jedem Gast dann doch ins Lokal drängte. Den Neuankömmling, der erst einmal orientierungslos um sich schaute, rempelte ein kleiner korpulenter Kellner – es war, wie ich schnell erfuhr, der Herr Josef – zur Seite, der mit mehreren kleinen Blechtabletts voller Kaffeetassen, Bierflaschen und Wassergläsern eine scharfe Kurve direkt an der Eingangstür nahm.
Ich muss wohl ziemlich versteinert da gestanden haben, denn mit einem Mal ergriff eine ältere Frau mit einer aufgelösten Dauerwelle als Frisur mit hartem Griff meinen Oberarm und säuselte mit schriller Stimme in mein Ohr: „Wollen Sie einen Platz?“ Doch im selben Augenblick ließ sie mich wieder los und verschwand hinter einer Tür schräg hinter mir, direkt neben dem Eingang. Von dort erklang ein schrilles Klingeln und kurz darauf die schrille Stimme meiner neuen Bekannten, die laut in die Rauchschwaden des Lokals hinaus rief: „Herr Neusser? Herr Neusser – Telefon!“
Die dick gepolsterte Tür dichtete die Telefonzelle gegen den ständigen Geröuschpegel des Cafés ab, drinnen konnte man nicht nur telefonieren und in außergewöhnlich dicken Telefonbüchern die nötigen Nummer nachschlagen, sondern man konnte auch angerufen werden! Eine Besonderheit, die ich bisher nur aus amerikanischen Filmen kannte, die aber für mich bald eine große Bedeutung gewinnen sollte. In den sechziger Jahren, von denen wir hier sprechen, hatte niemand ein Handy, und nur die wenigsten Studenten hatten eine Unterkunft, in der es ein Telefon gab. So gab ich schon bald als meine Telefonnummer die des Hawelka an.
Da ich das nicht alleine tat, klingelte das Telefon hier praktisch ununterbrochen, wenn nicht der eine oder andere Gast aus Geschäfte oder Liebesgeschäfte abwickelte und die Telefonkabine geraume Zeit besetzt war. Der Kaffeehausgast, der auf einen wichtigen Anruf wartete wie auf einem Bissen Brot, saß wie auf Kohlen. Legte der Telefonierer endlich auf und trat gemessenen Schrittes heraus, sprangen sofort drei Gäste gleichzeitig auf, um zum Telefon zu sprinten. Den Sieg errang der Nächstsitzende, und es gab Kaffeehausbesucher, die nach mehreren vergeblichen Versuchen die Hoffnung fahren ließen und lieber draußen im Regen nach einer freien Zelle suchen gingen. Andere stellten sich in der Nähe des Telefons auf, um eine günstige Pole Position zu gewinnen, wurden aber schnell vom grantelnden Ober Josef wieder auf ihren Platz gewiesen. „Das geht doch nicht! Das sehen Sie doch! Da kommt man ja nicht vorbei!“
An dieser Engstelle des Lokals stand ich also in diesem Jahre 1963, Menschen drängten an mir vorbei hinaus und hinein, der Ober umkurvte den Zeitungstisch, und die Chefin – das war die Dame mit der ramponierten grauen Dauerwelle – hatte den Herrn Neusser in die Telefonzelle befördert und wandte sich wieder mir zu, um mir einen Platz zuzuweisen. Freie Platzwahl gab es – wie so häufig – an diesem Tag nicht. Dem Auge des ungeübten Besuchers erschien das Café voll besetzt, doch Frau Hawelka gelang es immer, noch einen Gast auf eine der roten Plüschbänke zu klemmen. Ich landete auf dem äußersten Ende einer solchen Bank ganz in der Nähe des Eingangs und wartete auf den Ober.
Der Tisch mit den Zeitungen direkt an der Eingangstür erregte meine Aufmerksamkeit – so etwas hatte ich auch noch nie gesehen. In meinem bisherigen Leben gab es eine Tageszeitung, die mein Vater im Abonnement bezog, seit ich denken konnte: den „Weser-Kurier“. Sonst kannte ich vom Kiosk in der Nähe des Alten Gymnasiums noch die BILD-Zeitung und die „Hamburger Morgenpost“, die ich mir hin und wieder leistete, wegen der dort abgedruckten Comicstreifen mit den Peanuts und Willi Wacker (Popeye).
Hier im Hawelka hingegen gab es einen Berg von Tageszeitungen – von denen es damals noch deutlich mehr gab als heute – österreichischer wie deutscher, Provenienz (selbst die Neue Zürcher Zeitung war vorrätig), daneben Wochenblätter, Nachrichtenmagazine, Kulturzeitschriften – einfach alles, was ein Kaffeehausbesucher in stundenlangen Sitzungen studieren konnte. Die Zeitungen waren in hölzerne Zeitungshalter geklemmt, mit denen man sich ohne weiteres duellieren konnte, wenn zwei Gäste an einem kleinen Tisch großformatige Blätter zum Kaffee konsumieren wollten.
Hatten sich im Laufe des Tages zu viele Zeitungen an den Tischen und auf den Polsterbänken versteckt, drehte einer der Ober eine Runde durch das Lokal, sammelte das verloren gegangene Lesegut ein und türmte es wieder auf die wenigen verbliebenen Blätter auf dem Zeitungstisch. Wenn man Pech hatte, landete die Zeitung, die man suchte, ganz unten in dem Riesenkonvolut, und es konnte leicht vorkommen, dass beim Graben nach dem wertvollen Stück der ganze Berg ins Wanken geriet und vom Tisch kippte. Kopfschüttelnd und mit strengem Gesicht begleitete der Herr Josef dann die Bemühungen des Gastes, das Unglück wieder zu bereinigen.
Lag die gesuchte Zeitung jedoch günstiger weiter oben im Stapel, ergriff sie vielleicht trotzdem ein anderer Leser, knapp bevor man selbst zugreifen konnte, und behielt sie dann für eine gute Stunde bei sich. Und natürlich war es eine der Zeitungen, von denen es nur ein einziges Exemplar im Kaffeehaus gab. Eine traurige Angelegenheit!
Direkt hinter dem Tisch mit den Zeitungen, an der ersten Säule des Cafés stand der „runde Tisch“, um den bis zu zehn Stühle passten, wenn man eng zusammenrückte. Wenn, ja wenn man überhaupt zu diesem Tisch zugelassen wurde …! In der Hierarchie des Hawelka in dieser Zeit rangierte dieser Tisch sehr weit oben.
Die ganz große Hawelka-Zeit lag damals – wie eigentlich immer – ein paar Jahre zurück. Stets bekam (und bekommt vermutlich auch heute noch) der Erstbesucher zu hören: „Damals – vor zehn (acht – fünf) Jahren hättest du herkommen sollen – da saß hier noch der (ad lib) Doderer, Qualtinger, Oskar Werner (ad infinitum). So ging es uns in den frühen Sechzigern auch schon: die großen Zeiten waren vorbei – daran gab es nichts zu rütteln.
Der erste, der runde Tisch am Eingang hatte seine ganz eigene Prominenz – es waren keine berühmten Künstler, die dort saßen, es waren Angehörige der „besseren Kreise“, wohl auch manchmal von Adel (den es ja offiziell in Österreich gar nicht mehr gab), oft sehr reifen Alters und mit (natürlich echtem) Schmuck behangen. Gräfinnen und andere ältere Damen hielten dort Hof. Als frischer Gast ohne jeden noblen Hintergrund wurde man vom Ober sofort vertrieben, wenn man es wagte, sich an diesem Tisch niederzulassen. Es dauerte Monate, wenn nicht Jahre, bis man die nötigen Kontakte hatte, um an den Rand dieses Tisches rücken zu dürfen. Wenn man dann zuhörte, was gesprochen wurde, wunderte man sich innerlich, wozu man das eigentlich so lange sehnsüchtig erstrebt hatte.

Mein Hawelka (2)

Wo man im Hawelka Platz nahm, das war nicht immer eine Sache der eigenen Entscheidung – oft wurde man von der Chefin an einen Tisch gewiesen, an dem man niemanden kannte. Da hieß es dann ausharren, bis die anderen Gäste gingen und man eine selbst eine eigenen kleine Gemeinschaft bilden konnte. Wen lernte man im Hawelka kennen? Als Student natürlich erst einmal Mitstudenten, dazu kamen in meinem Fall junge notleidende Schauspieler und deren Begleiterinnen, verkannte Künstler mit zerwühltem Haupthaar, manchmal auch junge Ehefrauen auf der Suche nach einem Seitensprung – aber das waren glanzvolle Ausnahmen.

Das „Hawelka“ wurde mein Zuhause. Ich schrieb meinen Eltern die vertrauenerweckenden Zeilen: „Man setzt sich am Vormittag hinein, bestellt einen kleinen Braunen um 4,- öS, bleibt bis zum Abend dort, geht zwischendurch essen, schreibt und liest dort, man trifft Leute und bekommt, so oft man will, noch ein Glas Wasser. Es ist schon eine herrliche Einrichtung, das Kaffeehaus.“

Wahrscheinlich haben meine Eltern sich das Dasein eines fleißigen Studenten anders vorgestellt, aber für mich war dieses Leben eines jugendlichen Bohemiens einfach „cool“, wie man später dazu gesagt hätte. – Für dieses Leben reichte der Scheck von zu Hause vorne und hinten nicht aus. Gottseidank war das Hawelka damals auch so eine Art Jobbörse für Studenten in Geldnöten. Mein wichtigster „Kontaktmann“ wurde ein Musikstudent namens Elmar Prack – nicht verwandt mit dem berühmten Rudolf gleichen Nachnamens. Neben seinem Studium und der andauernden Jagd nach dem schönen Geschlecht hatte Elmar eine Einnahmequelle gefunden, die auch für mich interessant werden sollte. Er war Komparse am Wiener Volkstheater – und das galt im Hawelka schon etwas!

Eines Tages kam er mit der Nachricht ins Café gestürmt, dass „die Amerikaner“ in Wien waren. Tatsächlich drehte im Frühjahr 1963 Otto Preminger hier einige Szenen für seinen Spielfilm „Der Kardinal“ . Romy Schneider, Peter Weck und Josef Meinrad bestritten wichtige Parts in der Wiener Episode. Und nun hieß es, die Amerikaner suchten auch jede Menge Komparsen. Angeblich sollte auch gut gezahlt werden – mehr als sonst in Wien üblich. Die Rede war von Koparsengagen zwischen 300 und 500 Schillingen – wenn man von Zuhause 2.000 Schilling bekam, war das ein ordentliches Zubrot.

Das Hawelka brodelte im Gerüchtefieber: junge Soldaten würden gesucht, SS-Männer – für einen, der gerade vor der Bundeswehr geflohen war, nicht die erstrebenswertesten Rollen. Aber dann kam die nächste brandheiße Information: es sollte ein Ball gedreht werden, und dafür benötigten die Amis einen ganzen Saal voll walzertanzender Jugend. Außerdem sollte es für die Tänzer sogar noch eine Zulage geben – noch mehr leicht verdientes Geld wie es schien. Walzer – nun, das war in der Tanzschule in Bremen nicht gerade mein Lieblingstanz gewesen, doch in langen Diskussionen im verrauchten Hawelka waren wir uns bald einig, dass das schon klappen würde mit dem Tanzen. Zur Not konnte man ja auch noch eine Partnerin finden, die einem vor dem Dreh Nachhilfe gab.

Es kam der Tag des „Castings“ – das damals noch nicht so hieß. Mehr als 300 junge Menschen beiderlei Geschlechts hatten sich gemeldet. In einem Studio am Rosenhügel  wurden die Kandidaten für den Balltanz an die Wand gestellt (im wahrsten Sinne des Wortes), und so kam ich mir auch vor.

Es war kalt in Wien, aber hier drinnen stand mir der Schweiß auf der Stirn. Die Partnerin, die mir – nach der Größe, nicht nach Sympathie - zugeteilt worden war, verfügte leider über keinerlei didaktisches Talent, sondern wollte nur selbst brillieren. Gnadenlos ließ sie mich an meinem eigenen langen Arm verhungern. Selbst der Einsatz des renommierten Ballettmeisters Frenzel von der Wiener Staatsoper nützte nichts. Zwar hörte ich seine Anweisungen, allein mir fehlten die notwendigen Tanzschritte.

Bei der Auswahl durch die Filmleute ein paar Tage später ging es mir keineswegs besser. Hilflos stolperte ich über das Parkett und wurde nach kürzester Zeit des Saales verwiesen. An der sich schließenden Hohen Tür versicherte mir der Komparsenführer, den ich entfernt kannte, dass sicher noch etwas für mich den Uniformierten drin wäre. Doch davon hörte ich nie wieder etwas. Einige Freunde, die man in Nazi-Uniformen gesteckt hatte, berichteten von den Dreharbeiten: sie „fuhren mit uralten Autos durch die Gegend, während Peter Weck gerade aus dem Fenster stürzt,“ notierte ich damals. Den Film „Der Kardinal“ habe ich mir aus Rache niemals angesehen. Und im „Hawelka“ war der Dreh sowieso in kürzester Zeit wieder Schnee von gestern.

Denn nun kamen die guten Beziehungen meines neuen Freundes Elmar zum Volkstheater zum Zuge: in dem Stücke „Eiche und Angora“ fehlte ein hochgewachsener junger Mann, der während der Nazizeit an die im Titel erwähnte gefesselt werden und – allerdings hinter der Bühne – dann auch umgebracht werden sollte. Ich glaube, ich hatte sogar einen Satz zu sagen. Elmar selbst hatte nicht die nötige romantische Erscheinung und stand außerdem in der „Mutter Courage“ auf der Bühne, so kam ich zum Zuge.

Doch im „Hawelka“ passierten weitere einschneidende Dinge. Ich lernte einen Studenten von der Filmakademie namens Gabor kennen, der angeblich im Jahr zuvor das beste Drehbuch der Akademie geschrieben. Als angehender Jungdichter hatte ich natürlich immer ein paar eigene Texte zur Hand, die ich besagtem Gabor zeigen durfte. Er gab mir den Rat, doch einmal ein Drehbuch zu schreiben – damit kannte er sich aus und versprach mir, es durchzuschauen und mir zu sagen, was noch nicht in Ordnung sei. Ich weiß nicht mehr, ob es je dazu kam, aber vermutlich wäre es Gabor leichter gefallen, mir die Stellen im Drehbuch zu zeigen, die „in Ordnung“ waren.

Meinen Eltern schrieb ich damals voll Begeisterung über das „Hawelka“ und die Prominenz, die ich selbst jedoch nie zu Gesicht bekam: „Es ist eine Art Künstlerklause, wo auch ab und zu bekannte Leute hinkommen wie der Hans Weigel, Heimito von Doderer, Fritz Hochwälder. Und Schauspieler wie der Oskar Werner.“

Für mich war das „Hawelka“ das Wohn- und Arbeitszimmer, wenn ich nicht in einer Vorlesung saß. „Denn in meinem Zimmer halte ich es nie lange aus!“ Das Gefühl teilte ich mit vielen der Kaffeehausbesuchern, die ich kannte. Man lebte damals in möblierten Zimmern bei missmutigen Vermieterinnen, für die Heizung musste man selbst sorgen – da gab es einen gusseisernen Ofen, der zwar Briketts fraß, aber keine Wärme daraus ableitete. Da war ein gut geheiztes Kaffeehaus in jedem Fall die angenehmere Bleibe. Nach einem Monat musste ich dieses Quartier gleich wieder aufgeben, weil die Vermieterin wegen „einer Herzgeschichte ins Spital“ musste, und ihr Sohn ebenso „wegen eines Ekzems an den Händen“.  Der Versuch, mit Elmar und dem Schauspieler Klaus Münster eine möblierte Dreizimmerwohnung im 9. Bezirk zu ergattern, scheiterte – woran, weiß ich nicht mehr.

Jedenfalls zog ich nicht zu den beiden Mimen, sondern zu dem Salzburger Werber Walter Lürzer, der damals auch „Hawelka“-Stammgast war und später zu einem der bekanntesten deutschen Werbegurus werden sollte. Er bewohnte eine Wohnung weit draußen an der Reichsbrücke, wo er selbst jedoch selten war. So konnte ich dort eine Zeitlang bleiben – ungünstig war nur der weite Weg ins „Hawelka“. Pläne wurden dort aber weiter geschmiedet: Walter ;Lürzer hatte den Plan, eine Zeitschrift für Mädchen zwischen 16 und 25 herauszubringen, die „Boutique“ heißen sollte, und schon war ich dabei. Im „Hawelka“ ging einfach alles  - bzw. nichts, denn aus diesem Plan wurde natürlich auch nichts.

Natürlich saß man auch manchmal im Hawelka, mit sich und der Welt völlig im Unreinen. Weltschmerz und eigenes Leid hingen schwarz über dem Kaffeehausbesucher an seinem Tisch, und er versenkte sich lange Stunden in bitteren Kaffee und noch bitterere Gedanken.

Wenn man Anfang Zwanzig ist, kommen dabei häufig Gedichte zu Papier, über die man in reiferem Alter bestenfalls noch den Kopf schütteln kann. Oder? Ist vielleicht doch manch Wahres an dem, was man damals schrieb?

Im Café

Wir sitzen

Im Café Egal

Und schauen

Uns an

Und sehen

Uns nicht

Und trinken

Unser Blut

Mit Milch

Und viel Zucker.

Rauchen

Unseren

Letzten Atem

Und lesen

In der Zeitung

Unsre

Todesanzeigen.

Der Ober Josef nahm es jedenfalls bald recht wohlwollend zur Kenntnis, wenn der junge Literat Kugelschreiber und Papier auf den Tisch breitete. Er stellte die Wassergläser dann höchst vorsichtig daneben, um das Blut des Dichters nicht mit schnödem Leitungswasser zu verwaschen. Die Gedichte bekam er genauso wenig zu lesen wie sonst jemand.

Der Dichter

Die überaus traurige Geschichte vom Untergang einer Familie

Motto: Wer immer strebend sich bemüht, den sehen wir gern dösen.

(„Faust“, unterdrückte Fassung)

Es saß in Wien im Hawelka

Ein Dichter zwanzig Jahre.

Verließen auch die Haare

Den Dichter dort im Hawelka,

er dichtete dort vor sich hin.

Doch dies Familienübel

Befördert‘ in den Kübel

Gevatter und Gevatterin.

Der Vater starb an Diphterie,

die Mutter an der Pest.

Der Bruder starb in Brest

(ein Hamster biss ihn dort ins Knie).

Den zweiten Bruder, Adalbert,

traf des Geschickes Macht

in Stanleyville bei Nacht,

ihn trat ein altes Pferd.

Die blonde Schwester Adelheid

Ging sorglos auf den Strich,

woselbst sie schnell verblich;

(sie war ja nie besonders g’scheit!).

Auch Großpapa und seine Frau –

Die beiden waren achtzig –

Sie haben unbedacht sich

Gestürzt in einen Topf Kakao.

Der Onkel Theo, ohne Scham,

versank mit fünfzehn  Kindern,

um seinen Schmerz zu lindern,

im Rhein, was man ihm übelnahm.

Die Tante Elli aus Hernals –

Sie war schon immer schüchtern,

drum starb sie auch nicht nüchtern –

fand man mit einem Strick am Hals.

Jedoch es saß im Hawelka

Der Dichter noch zehn Jahre,

bis dass auch ihn die Bahre

heraustrug aus dem Hawelka.

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“Star Wutz” und “Frittenstein”

7. September 2011 · 4 Kommentare

Immer wieder schlagen sich Fans dieser Hörfunk-Parodien auf “Star Wars” und “Frankenstein” zu mir durch. Ich hoffe, daß diese Mitteilung es für alle leichter macht, die mich und meine Werke im Internet suchen. Die Sendungen liefen damals (80er Jahre) im WDR und wurden von einigen ARD-Anstalten übernommen. Ich habe sie (wie das Meiste aus meinem Schaffen) digital archiviert und stehe Anfragen grundsätzlich positiv gegenüber!

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Dallas - Nix Dolles!

7. September 2011 · Keine Kommentare

Nun kommt also “Dallas” wieder - das erinnert mich an meine Hörfunk-Parodie zu dieser TV-Serie in den 80er Jahren: “Nix Dolles” mit meinem unvergessenen Freund Diether Krebs in der Rolle des “Dschä-arr”. Die Serie spielt in Ostfriesland (Wo sonst?) - wer sich dafür interessiert, bitte melden!

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Wahnsinn zwischen Norwegen und USA

26. Juli 2011 · Keine Kommentare

Man kann es gar nicht fassen: da marschiert ein Killer in Norwegen los, um die Welt von seinen bekloppten Ideen zu überzeugen und bringt dabei hundert junge Menschen um. Und in den USA sträuben sich die bekloppten Republikaner gegen Schulden, die ihr George W. Bush mit seinem idiotischen Krieg gegen den Irak selbst verursacht hat. Dreht die Welt jetzt komplett ab oder was?

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Es geht weiter!

14. Juni 2011 · Keine Kommentare

Aus meinen gesammelten Werken habe ich wieder ein paar Kapitel “Einmal Transsylvanien und zurück” hochgeladen. Viel Vergnügen!

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2. Kapitel: Willi, der Werwolf

14. Juni 2011 · Keine Kommentare

2. Kapitel: Willi, der Werwolf

Wie erstarrt hatte Jonathan der Entführung Biancas zugesehen, ohne auch nur den sprichwörtlichen kleinen Finger zu rühren. Jetzt aber zuckte es in eben diesem Glied des beraubten Bräutigams, wenig später in der ganzen Hand, und schließlich riß Jonathan den Arm hoch und deutete hinüber zu dem finsteren Wald, in dem das schreckliche behaarte Wesen eben mit seiner Braut verschwunden war. Am liebsten wäre er aus der Kutsche und dem Entführer nach gesprungen!

„Professor van Helsing! So tun Sie doch etwas! Dieses – dieses Untier - es hat meine Braut!“

Die Antwort des Vampirjägers wirkte gleichmütig – viel zu gleichmütig, als er mit einem Kopfnicken sagte: „Ja, es ist so, meine lieber Jonathan: aber was soll ich machen! Gegen einen Werwolf kann man kaum etwas tun, wenn man keine geweihte Silberkugel hat!“

Aus der Ferne erklang das schauerliche Geheul des anscheinend unüberwindbaren Ungeheuers. Und Jonathan meinte auch die zarte Stimme seiner Verlobten zu hören, die ihn höchster Not „Jonathan!“ schrie.

Der junge Mann stützte seinen Kopf hilflos in die Hände, und zwei blanke Tränen liefen seine roten Backen herab.

„Mein Gott! Gerade hatten wir Bianca gerettet – und nun das!“

Der Professor nickte.

„Sie sagen es! Aber so kann es der verfolgten Unschuld nur zu leicht ergehen! Gottseidank hat Ihre Bianca Torturata treue Freunde, mein lieber Jonathan! Freunde, auf die sie sich verlassen kann! – Nicht wahr, Iwan?“

Der treue Diener war vom Kutschbock herabgestiegen, stand neben der Kutsche und spähte zu dem Wald hinüber.

Am liebsten hätte er sich augenblicklich ins Gebüsch gestürzt, um die Verfolgung der verfolgten Unschuld aufzunehmen. Durch seine langjährige Tätigkeit für Professor van Helsing hatte sich Iwan einen beträchtlichen Wissensschatz in Fragen der Bekämpfung sinistrer Unwesen angeeignet .

„Iwan wird sofort gießen Silberkugeln, junger Herr, wann wir wieder sind in Dorf! Sie werden bringen Werwolf den sicheren Tod!“

Der Gehilfe des Vampirjägers war zu dem jungen Mann getreten und legte ihm jetzt schützend den Arm um die Schulter.

„Junger Herr, Iwan hat einmal gekannt einen Werwolf, der war im bürgerlichen Leben kaufmännischer Angestellter, mit Namen Kratochwil, Boleslaw, und wenn er gelöst hat gewisse verzauberte Schnalle an seinem Gürtel, nahm er an Gestalt von Wolf. Hat er gefressen Schafe und junge Pferde, und einmal hat er solchen Hunger gehabt, daß er sogar verspeist hat einen Menschen!“

Jonathan sah entsetzt auf.

„Ja, aber um Gotteswillen!“

Mit vor Schreck geweiteten Augen drehte sich Jonathan zu Alexander van Helsing um. „Meinen Sie, er wird Bianca – auffressen?!“

Bevor der Monsterjäger antworten konnte, besänftigte sein russischer Gehilfe den aufgeregten Jüngling.

„Aber nein, junger Herr muss keine Angst haben! So schönes Mädel, wie Fräulein Bianca ist, Werwolf schleppt in seine Höhle! So Werwolf ist auch nur Mensch – gewissermaßen, weil irgendwie mal gewesen – und hat er auch Herz! Iwan hat gehört, dass in den Karpaten soll einmal Werwolf gegeben haben, der sich verliebt in eine Schäferhündin. Hieß Rexona, glaub‘ ich - !“

„Schluß jetzt mit deinen Räuberpistolen!“ fiel dem dahinschwätzenden Russen sein Dienstgeber ins Wort.

„Wir müssen überlegen, was wir tun können, um der armen Bianca Torturata zu helfen!“

Geflissentlich half Iwan dem Professor und Jonathan wieder in die Kutsche.

„Mein Reden, Herr Professor! Iwan wird erst einmal Silberkugeln gießen!“

Er schwang sich auf den Kutschbock.

„Dawai, Herr Professor!“

Der schwere Kutschwagen war kaum eine Viertelstunde durch den Wald gerüttelt, als Iwan seine Pferde mit einem gewaltigen „Brrrr!“ zum Stehen brachte.

„Was ist denn nun schon wieder?“ fragte der Professor ärgerlich.

„Da drüben, Herr! Der Wegweiser!“

Jonathan und Van Helsing entdeckten einen windschiefen Pfosten an der Weggabelung, an dem ein Schild müde herab hing.

„Was ist damit?“ fragte Jonathan.

Der junge Mann war des Transsylvanischen in Wort und Schrift noch längst nicht ausreichend mächtig, um die Aufschrift zu entziffern.

Ganz anders der Professor.

„Sehr gut, Iwan! Immer wieder verblüffend, deine Sehstärke!“

„Was steht denn nun dort auf der Tafel, Professor ?“ fragte Jonathan drängend.

„Iwan – sag du es dem jungen Mann!“

„Steht drauf: zur Wolfsschlucht – drei Meilen!“

„Also vorwärts!“ rief van Helsing zum Kutschbock hinauf, und schon hieb Iwan mit seiner schweren Peitsche auf die Rücken der Pferde ein, die den Wagen vor Schreck mit einem heftigen Ruck vorwärts rissen. Jonathan und Van Helsing plumpsten in die Kissen zurück, und die Kutsche rüttelte über den noch schmaleren und holprigeren Weg in die Wolfsschlucht hinein.

Dieses enge Tal ähnelte in gewisser Weise der Durchfahrt zum Schlosse Drakulas, die sie gerade hinter sich gelassen hatten, war jedoch bei weitem nicht so ekelerregend wie die Umgebung der Vampirbehausung. Wären sie nicht als Verfolger eines Werwolfs unterwegs gewesen, hätte es Jonathan in diesem grünen Urwald sogar gefallen können, der einer typisch englischen Parklandschaft nicht unähnlich war. Gewaltige Laubbäume wechselten mit dichtem Tannengehölz, und hin und wieder öffnete sich der schattige Wald zu einer besonnten Lichtung.

Sie mochten vielleicht zweieinhalb Meilen zurückgelegt haben, als vor ihnen eine herrische Stimme erklang.

„Halt! Stehenbleiben! Im Namen des Fürsten Ottokar gebiete ich Euch: Halt!“

Der treue Iwan war ungehalten.

„Geh schön zur Seite, du Trottel von einem Forstgehilfen, und laß uns durch -!“

Der Kutsche war ein grün gewandeter junger Mann in den Weg getreten, der nicht nur einen schicken Försterhut auf dem Kopf, sondern auch eine augenscheinlich geladene, doppelläufige Büchse im Arm trug. Sein blonder Schnurrbart war frisch gezwirbelt, und die Enden kitzelten die langen Ohrläppchen des Waidmanns.

„Durch?“ fragte der junge Förster lächelnd. „Und wohin durch?“

Jonathan und der Professor waren aus der Kutsche gestiegen und hatten erleichtert festgestellt, daß ihnen diesmal kein Ungeheuer den Weg versperrte.

„Verzeihen Sie, guter Mann, aber wir müssen unbedingt in die Wolfsschlucht …!“

Der Grüngekleidete zuckte bedauernd die Schultern.

„Das ist zur Zeit leider nicht möglich!“

„Warum nicht?“ knurrte Iwan unwillig vom Bock herunter. „Und wer bist du überhaupt, Grünrock?“

Mit einer um Vergebung bittenden Geste lupfte der Förster seinen Hut.

„Verzeiht, wenn ich mich nicht vorgestellt habe. Mein Name ist Max Knäcker. Ich bin der Erbförster hier in den Wäldern des Fürsten Ottokar, der im Augenblick gerade dem Chor der Forstadjunkten lauscht. Hört Ihr?“

Tatsächlich vernahmen die drei Reisenden nun die Stimmen eines Männerchors, die aus der Tiefe des Waldes zu ihnen herüber klang.

- - -

Doch nicht nur die Männer, die auf der Suche nach der verschwundenen Bianca Torturata waren, hörten den Gesang der Waidmänner, auch sie selbst – und ihr Entführer, der mit einem wütenden Knurren seinen behaarten Kopf mit den spitzen Ohren und eben solchen Zähnen hin und her warf.

„Grrr – nun singen sie wieder – da unten, diese Jägerrrrr ….!“

Das unheimliche Wesen hatte sein Opfer weit hinauf in den Bergwald geschleppt, hatte die dicht stehenden Stämme der Buchen und Tannen hinter sich gelassen . Jetzt machte er mit seinem Opfer Halt auf einer kleinen sonnigen Lichtung zwischen Krüppelkiefern und anderen Latschen.

„Was er nur mit einem Mal hat, der Werwolf?“ fragte sich Bianca, während sie versuchte, ihre Kleidung provisorisch in Ordnung zu bringen.

Als hätte das Ungeheuer ihre Gedanken gelesen, wandte es sich zu dem schönen Mädchen um, das er hierher verschleppt hatte.

„Grrr,“ knurrte er, „nicht einmal hierr kann man in Rrruhe leben – als Wolf unter Wölfen – grrr …!“

Sein Knurren ging in ein tiefes gutturales Gurgeln über, das fast ein bißchen traurig klang und augenblicklich Biancas Herz rührte.

„Ja, hast du denn früher nicht unter Wölfen gelebt, Wolf?“ fragte sie mit leicht bebender Stimme.

Der Werwolf schaute sie aus seinen gelben Schlitzaugen an.

„Wenn du es unbedingt wissen mußt – grrr – nein!“

Nun war das junge Mädchen neugierig geworden.

„Wo kommst du denn her?“

Das behaarte Wesen kam näher, doch Bianca Torturata verspürte mit einem Mal keine Angst mehr, sondern fast so etwas wie Mitleid.

„Lange Jahrrre habe ich im Dschungel der Grrroßstadt gelebt,“ knurrte der Werwolf, „im fernen Francoforte! Da gab es noch ein Nachtleben damals – genau das Rrrichtige für einen Werrrwolf, der nächtens durch die Strrraßen strrreift und tagsüberr im Stadtwald rrruht….! Aber dann wurde die Stadt immer grrrößerr und Wald immer kleinerrr. Der Mond über der Stadt war nurrr noch eine nackte Kugel, und fühlte ich mich nicht mehr wohl! So habe ich mich auf den Weg gemacht, hierher nach Transsylvanien – über Aschaffenburrrg – Würrrzburrrrrg – Nürrrrnberrrrg – Rrrrregensburrrg - !“

„Ja, gut, gut“ unterbrach ihn das junge Mädchen, das noch nie am Fahrplan der europäischen Eisenbahnen interessiert gewesen war.

„Und lebst du denn schon lange hier?“

Der Werwolf hatte sich zu Füßen Biancas niedergelassen, kreuzte seine mächtigen Pfoten und legte den Kopf mit dem reißenden Gebiß darauf. Seine Augen nahmen einen verträumten Glanz an, als er zu ihr aufschaute.

„Oh ja,“ brummte er, „gerrraume Zeit! Und immerrr ganz allein – dorrt oben, in meiner Wolfshöhle – ganz allein! – Mit Wolfsweibchen konnte ich nie etwas anfangen – sie sind so – wie soll ich sagen – tierisch schlicht gestrickt!“

Seine gelben Augen blinkten zu Bianca herüber. „Mit dir allerrrrdings, da ist das etwas ganz anderrres …!“

Das junge Mädchen kicherte verlegen. Noch nie hatte sie solch ein Kompliment von so einem wilden Wesen bekommen.

„Ach, übrigens – wie heißt du eigentlich?“ fragte sie mit einem koketten Augenaufschlag. „Ich heiß Bianca! Bianca Torturata!“

„Ich hieß früher einmal Wilhelm …!

„Willi!“ kicherte Bianca. „Willi, der Werwolf!“

- - -

Es waren rund 25 Förster im grünen Kleide, die auf einer Lichtung weiter unten in der Wolfsschlucht den Fürsten Ottokar umstanden, der in einem schlichten roten Mantel mit Hermelinbesatz ihren Gesangsvortrag entgegen genommen hatte. Fürst Ottokar war nicht mehr der Jüngste, und das Anhören von Jägerchören war eines der wenigen Vergnügen, die ihm noch geblieben waren.

Seine dichten weißen Haare und sein ebenso weißer Backenbart machten dies ebenso deutlich wie sein leicht tatteriger Gang und seine ein wenig senil quäkende Stimme.

„Danke, danke vielmals, Männer – liebe Jägersleut‘ – für diesen erhebenden Kunstgenuß! Ihr habt Eurem Fürsten Ottokar damit wahrhaftig eine große Freude gemacht, und …“

Hier stockte der Fürst, diesmal nicht aus Gründen seiner Altersdemenz, sondern weil er die Neuankömmlinge gesehen hatte, die von seinem Förster Max auf die Lichtung geführt wurden.

„Oh – ich sehe, wir haben Besuch bekommen?!“

Der Professor drängte sich unauffällig nach vorn und richtete das Wort an den Fürsten.

„Ich darf mich vorstellen, Fürst Ottokar: Van Helsing ist mein Name, Professor van Helsing – Sie haben sicher schon von mir gehört - ?!“

Ottokar wackelte mit dem Kopf – oder schüttelte er ihn?

„Leider nein,“ bedauerte der Altadelige, „aber wissen Sie, ich geh‘ ja so selten unter die Leute … seit damals mein Sohn …“ Ein heftiges Schluchzen erstickte die Worte Fürst Ottokars, und er schneuzte sich kräftig in seinen Hermelinmantel.

Jonathan zischte dem neben ihm stehenden Max zu: „Was hat der denn? Was ist mit seinem Sohn geschehen?“

„Der junge Herr Graf ist schon seit Jahren verschollen!“ zischte Max zurück. „Ich weiß es noch wie heute: ich hatte ihm gerade die Pferde gesattelt – da war er weg! Mit einem Mal!“

„Ach?“ sagte Jonathan interessiert.

„Aus dem Schloß des Fürsten verschwunden! – Und seither hat ihm niemand mehr gesehen!“

„Ach?“ echote Iwan, der zu den beiden getreten war.

„Und hat er denn gar nichts gesagt, bevor er das väterliche Schloß verlassen hat?“ wunderte sich Jonathan. „Etwas, woraus man schließen könnte, warum er fort ist und wohin er sich gewandt hat!“

Max zögerte einen Moment.

„Wißt Ihr, der junge Herr Graf – nun, er trank gerne einmal ein Glas mehr als ihm eigentlich gut tat. So war es auch am Abend, bevor er verschwand. Als ich ihm eine frische Flasche Rotspon brachte, und er schon ziemlich illuminiert war, da hat er etwas gesagt …!“

„Ach ja?“ erklang es zweistimmig von Jonathan und Iwan.

„Mein Alter – sagte er, und damit meinte er seine Hoheit, den Fürsten Ottokar – mein Alter, der kann mir mal im Mondschein begegnen!“

Die beiden Zuhörer schüttelte den Kopf über so viel Unbotmäßigkeit aufrührerischer Jugend.

„Ja, und am nächsten Morgen war er verschwunden!“ nickte Max, „Seither findet unser Fürst bei Vollmond keinen Schlaf mehr!“

Ottokar, der bisher still zugehört hatte, warf sich bei diesen Worten an die Schulter Professor van Helsings und schluchzte haltlos: „Mein Sohn! Wo mag er nur sein? Wird er mir heut‘ vielleicht begegnen – im Mondschein?“

„Es könnt tatsächlich sein,“ knurrte Iwan nachdenklich, „heute ist wirklich Vollmond!“

Jonathan hatte sich neben van Helsing geschoben, der den weinenden Fürsten vorsichtig an die Schulter eines der herumstehenden Förster lehnte.

„Eine eigenartige Geschichte, Professor van Helsing, finden Sie nicht?“

Der Vampirexperte nahm den Jüngling beim Arm und zog ihn aus dem Kreis der Grünröcke heraus.

„Und ob, mein lieber Jonathan,“ murmelte er leise, „ Sie wissen gar nicht, wie eigenartig - besonders dann, wenn man – wie ich – einiges weiß über die Lykanthropen!“

„Über wen?“ fragte der junge Harker verdutzt.

„Über die Werwölfe!“

War es ein Zufall, daß in eben diesem Augenblick wieder ein ziemlich schauriges Geheul durch den Bergwald klang, das auch die ältesten Förster zusammenzucken ließ. Sogar der gewiß schon teilweise taube Fürst Ottokar merkte auf.

„Habt Ihr’s gehört, meine treuen Gefolgsleute? Die Wölfe heben an zu heulen! So wird denn auch bald der Mond aufgehen – und Ihr alle, Ihr haltet die Augen offen, und achtet darauf, ob mein lieber Sohn nicht einem von Euch in dieser Nacht … im Mondschein begegnen wird!“

Die Sonne war untergegangen, und Jonathan fröstelte – vor allem beim Gedanken an seine Braut, die irgendwo da draußen war – ohne warme Kleidung und in den Klauen eines grausamen Wolfsmenschen.

Mit einem zustimmenden Gemurmel begannen sich die Begleiter des Fürsten paarweise in den Wald zu zerstreuen. Van Helsing trat noch einmal zu Ottokar, der allein schluchzend und irgendwie unschlüssig in der Mitte der Lichtung stehen geblieben war.

„Fürst - ?!“

Der schneuzte sich ein weiteres Mal in seinen Hermelinmantel.

„Verzeiht mir meinen Gefühlsausbruch! Kann ich Euch irgendwie helfen? Was ist es denn, das Ihr sucht – hier in der Wolfsschlucht – Professor – äh – wie war noch Ihr Name?“

„Van Helsing, Exzellenz! Professor van Helsing! Wir suchen hier – in der Wolfsschlucht – einen Wolf – einen ganz speziellen Wolf …!“

„Ach, wissen Sie, lieber Freund – hier bei uns gibt es so viele Wölfe – da wird Ihr spezieller gewiss auch darunter sein! Mein lieber Max ist übrigens auf diese Tiere geradezu spezialisiert!“

Der junge Förster schlug die Hacken zusammen und salutierte leicht. Seine Schnurrbartspitzen zitterten.

„Ah ja – sehr schön, junger Mann! Mein Name ist Van Helsing! Professor van Helsing – Sie haben sicher schon von mir gehört - ?!“

Bedauernd schüttelte der Förster den Kopf. „Leider nein, Herr Professor! Wissen Sie, bei uns daheim, auf der Rax - !“

„Na gut,“ fiel ihm der Professor ins Wort, „Sie sind also Spezialist für die Wolfsjagd hier?“

Wieder salutierte Max. „Jawohl, Herr Professor!“

Iwan nickte zustimmend. „Spezialisten – immer gut!“

Van Helsing legte seine Arme um Max und Jonathan und begann auf die beiden jungen Männer einzureden. Iwan, der sah, daß der senile Fürst unschlüssig auf der Lichtung stehen geblieben war, geleitete den alten Herrn mit fürsorglichem Arm hinter den Dreien her.

Van Helsing schaute sich immer wieder unruhig um, als befürchte er, dass der gesuchte Werwolf jeden Augenblick aus dem Unterholz brechen könnte. Auf seine Frage nach einem geeigneten Besprechungsort schlug Max spontan sein eigenes kleines Forsthaus vor, das ganz in der Nähe lag.

Nur wenig später, in der beginnenden Abenddämmerung, langte die Gruppe vor dem verschnitzten Holzhaus mit den vielen kleinen Verzierungen und verschnörkelte Balkonen an, das Jonathan entfernt an eine Kuckucksuhr erinnerte, die eine entfernte Tante von einem Kuraufenthalt im Schwarzwald mitgebracht hatte.

Tatsächlich hatte der transsylvanische Zimmermann, der das Haus vor Jahren gebaut hatte, einen Teil seiner Wanderjahre genau dort im deutschen Südwesten verbracht.

Als die Gruppe sich dem Hause näherte, sahen sie in der Abenddämmerung auf einem der Balkone eine junge Frau stehen, die ihnen mit einer lieblich lispelnden Stimme „Kuckuck“ zurief.

Als die Männer zögerten, erklärte Max stolz: „Meine Frau Agathe!“

Die Förstergattin servierte wenig später in einem prächtig dekolletierten Dirndlkleid den Kaffee, während Professor van Helsing den jungen Förster fragte: „Sie kennen noch die traditionelle transsylvanische Wolfsjagd, Herr Max?“

„Zu Befehl, Herr Professor, ja!“ antwortete dieser entschlossen und schüttete eine kräftige Portion Slibowitz in die Kaffeetassen.

Neugierig fragte Jonathan Harker: „Die traditionelle transsylvanische Wolfsjagd? Ja – wie geht denn die?“

Van Helsing nickte dem Förster aufmunternd zu.

„Wir nehmen einen Lockvogel, mein Herr! Ein Rotkäppchen!“

„Ein – Rotkäppchen?“

„Zu Befehl, ja! Im Allgemeinen nehmen wir dazu meine Frau Agathe!“

Die junge Frau errötete ein wenig und mit ihrem herzförmigen Mündchen lispelte: sie „Wie du meinst, mein Max!“

„Aber – wenn ich fragen darf: wieso Rotkäppchen?“ erkundigte sich der immer wissensdurstige Jonathan.

Agathe war in das Haus verschwunden und einen Augenblick später wieder heraus getreten. Jetzt trug sie einen breitkrempigen Hut, der mit drei großen roten Bollen verziert war.

Verschämt wandte sie sich an die Besucher: „Ich weiß gar nicht, ob diese Kopfbekleidung mir wirklich steht! Was finden Sie, meine Herren?“

„Ja, also – ganz wunderbar, finde ich - !“ stotterte Jonathan, „Was meinen Sie denn, Professor?“

Bevor der gute van Helsing antworten konnte, ließ sich Max in einem deutlich entschlosseneren Ton vernehmen: „Genug mit diesen Faxen, Agathe! Der Hut steht dir prima! Ab damit in die Wolfsschlucht! – es ist doch selbstverständlich, dass wir diesen fremden Herrschaften bei der Wolfsjagd behilflich sind, wenn unser Herr, der Fürst Ottokar, das so wünscht!“

Der hatte die ganze Zeit über anscheinend teilnahmslos in seiner Kaffeetasse gerührt, richtete sich jetzt aber abrupt auf und schüttete sich mit einer hastigen Bewegung das heiße Getränk über die traditionelle Robe.

„Und ob ich’s wünsch! Die fremden Herren sollen sehen, daß wir hier in Transsylvanien keineswegs hinterm Mond leben - !“

In diesem Augenblick warf dieser seine ersten bleichen Strahlen durch das kleine Fenster des Försterhauses. Den Fürsten kamen beinahe augenblicklich wieder die Tränen.

„Die Nacht bricht ein – mein Sohn, wirst du mir heut begegnen?!“

Sehnsüchtig äugte der Alte durch das Fenster hinaus in den Wald.

„Agathe – vorwärts, schleich dich hinauf in die Wolfsschlucht! – Wir, meine Herren, werden in gehörigem Abstand hinterher schleichen! - Zuvor haben wir aber just noch Zeit für einen kräftigen Schluck Schlehengeist! Prost, meine Herren, und dann – wenn sie mir bitte nachschleichen wollen …?!“

- - -

Der bleiche Mond schien durch die kargen Äste der Krüppelkiefern auf einen dunkelgrauen Fellhaufen – oder nein: eben bewegte sich das Gewölle: es war niemand anderer als der Werwolf, der sich da auf dem Waldboden räkelte. Neben ihm lag die junge Schönheit, die sich Bianca Torturata nannte. Sie hatte sich in den letzten Stunden an ihren buschigen Gefährten gewöhnt und kraulte ihm das dichte Fell zwischen den Ohren, an der behaarten breiten Brust, und langsam glitt ihre Hand tiefer und tiefer …

„Grrr …,“ grollte der Wolfsmensch wohlig, „sooo – Bianca heißt du also … grrr !“

„Jaa,“ schnurrte das Mädchen und fügte kichernd hinzu: „Und mit einem Wolf habe ich noch nie etwas gehabt!“

Ein keuchendes Lachen schüttelte den muskulösen Körper des Tiermenschen.

„Ich werrd es dir genau errklären …!“

Der Werwolf richtete sich auf allen Vieren auf, hob seinen Kopf und schnupperte mit zuckenden Lefzen die kühle Nachtluft ein. Dann stutzte er.

„Was – wie rrrriecht denn das? Grrr – da ist doch noch ein Mädel in derrrr Nähe … grrrr?!“

Tatsächlich knackte es im Gebüsch, und entfernt ließ sich eine zarte Frauenstimme hören.

„Wir winden dir den Jungfernkranz,“ ertönte es, und dabei kam die Stimme immer näher.

Der Wolfsmensch wandte den Kopf hin und her zwischen den beiden weiblichen Wesen.

„So lange warrr ich einsam – und nun sind es gleich zwei! Grrrr! Und was sehen meine rrrotgerränderten Wolfsaugen da in mondhellerrrr Nacht? Die andere ist ein Rrrrrrotkäppchen! Dem rroten Käppchen kann kein echterrr Wolf widerrrstehen – grrrr!“

Agathe war im hellen Mondlicht auf die Lichtung getreten. Schon setzte der grimmige Tiermensch zum Sprung auf die neu angekommene Frauensperson an. Doch dann ließ ihn die fremdartige Form des Schwarzwaldhutes auf ihrem Kopf zurückschrecken.

„Grr – Rrrotkäppchen – bist du’s wirrrrklich?“

Agathe, die Förstergattin, verharrte ihm Schritt, als der Wolf so unverhofft vor ihr auftauchte. Furchtlos, wie ihr Mann es ihr an stillen Winterabenden beigebracht hatte, musterte sie den behaarten Gesellen.

„Wer, Wolf? Ich?“

Der Tiermensch fletschte die Zähne.

„Ja – du ! Und rrrede schnell, bevor ich dirrrr ….!“

„Ich sag’s ja schon, Herr Wolf,“ beeilte sich Agathe, um den Werwolf nicht unnötig wütend zu machen, und nannte ihren Namen.

„Soso, Agathe,“ knurrte das gierige Untier, „und weißt du auch, was der Volksmund hier im Walde sprrricht: wer Agathe sagt, derrr muß auch „begatte“ sagen!“

Etwas, das wie ein ziemlich heiseres Lachen klang, erschütterte den schweren behaarten Leib des Untiers.

„Oh, Sie sind ja ein Wolf, Sie,“ zwitscherte das Förstermädel kokett, ergriff ihren Hut und warf ihn hoch in die Luft.

Das war das verabredete Zeichen, und mit seiner Büchse im Anschlag trat ihr försterliche Gatte Max aus dem Unterholz und gebot: „Halt, Ungeheuer! Schnauze weg von meiner Frau, sonst knallt’s!“

Erleichtert seufzte seine Gattin: „Sehr schön, daß du diesmal so schnell kommst!“

„Geh aus dem Weg, Agathe, und gib mir das Schußfeld frei!“

Die Förstersfrau tat wie ihr geheißen.

Der Werwolf grollte und grimmte.

Max spannte den Hahn an seinem Gewehr – da endlich schnaufte Professor van Helsing, der nicht ganz so gut zu Fuß war wie der durchtrainierte Jägersmann, aus dem Gehölz.

„Moment mal, Max – habt Ihr denn auch eine geweihte Silberkugel in Eurer Büchse?“

Der Forstmann verharrte verblüfft.

„Eine was?“

Ohne das Untier aus den Augen zu lassen, setzte Alexander van Helsing seine Belehrung fort: „Ihr habt hier keinen normalen Wolf vor Euch, Max! Dies hier ist vielmehr ein Werwolf, und einen solchen kann man nur mit geweihten Silberkugeln erlegen!“

Max setzte sein Gewehr ab.

„Tatsächlich? Und woher wißt Ihr das?

Damit hatte er einem nicht zu bändigenden Redefluß des Professors alle Schleusen geöffnet.

„Oh, junger Freund,“ begann der Experte für alles Monströse, „das habe ich in allen erdenklichen wissenschaftlichen Materialien über Jahrzehnte hin studiert! Da wäre in erster Linie einmal zu nennen das grundlegende und wirklich unerschöpfliche Nachschlagewerk von Professor Hödlmoser von der Universität Leoben …!“

Während sich van Helsing in den Details seiner speziellen Studien verlor, erkannte der Werwolf seine Chance.

„Derrweil derr Alte da einen vom Wolf errrzählt, schnappe ich mirrrr doch lieberrr diese Bianca hierrr und laß das Rrrrotkäppchen sausen! Derrr Spatz in derrr Hand …!“

Ohne mit den Wolfswimpern zu zucken, zerrte das Monster die arme Bianca Torturata mit sich bergan – mochte sie noch so laut ihr „Hilfe! Hilfe“ in die mondhelle Nacht hinaus weinen. Max betrachtete unschlüssig seine Waffe, von der der Professor behauptete, dass sie gegen den Wolf, der sich da entfernte, nutzlos sei.

- - -

Jonathan stand wie versteinert daneben, bevor er ein zaghaftes „Halt aus, Bianca! Ich komme!“ in den Bergwald hinauf rief, der bereits wieder still stand und schweigend – doch weder er noch einer seiner Weggefährten machten sich auf zur Verfolgung des behaarten Ungeheuers. Unschlüssig blieben sie neben dem dozierenden Professor stehen, der seine Vorlesung über Wesen und Unwesen der Werwölfe ungerührt weiter hielt, so vertieft in die Theorie, dass er dem flüchtenden Objekt seiner Analysen keine praktische Beachtung schenkte.

„… wonach eben ganz schlüssig bewiesen ist, dass man zur Bekämpfung der Werwölfe unbedingt auf Kugeln aus reinem Silber angewiesen ist, welche zusätzlich noch geweiht sein müssen, um den Unhold tatsächlich niederzustrecken …“ kam er schließlich zum Ende.

Es hatte geraume Zeit gedauert.

Eben ging die Sonne über dem Bergwald auf.

Unruhig zupfte der junge Jonathan an van Helsings Paletot, und auch Iwan versuchte vergeblich ihn zu unterbrechen.

„Iwan sagt doch schon seit Stunden: wir müssen silberne Kugeln gießen!“

„Hier? In der Wolfsschlucht?“ fragte der junge Förster Max und schaute sich unruhig um, als suche er einen geeigneten Platz zum Kugelgießen.

„Egal wo! Wenn nötig auch hier!“ grunzte Iwan, „Sonst – nutzt alles nix!“

Alexander van Helsing wandte sich seinem treuen Diener zu: „Du sagst es, Iwan! Also: mach ein Feuer, derweil ich diesem jungen Mann hier noch einmal in aller Ruhe erkläre, wie und warum - !“

„Aber, Herr Professor,“ fiel ihm Jonathan Harker ins wissenschaftliche Wort, „wer wird uns hier die Kugeln weihen, die der gute Iwan gießt?“

Er schaute sich in der frischen Morgenluft um.

„Hier findet sich doch weit und breit kein Kirchlein!“

Agathe, die bisher etwas abseits gestanden hatte, nachdem das haarige Wesen sie – zu Gunsten der anderen – wieder hatte fahren lassen, presste aus ihrem immer noch ein wenig bebendem Busen hervor: „Es gibt nicht weit von hier einen frommen Eremiten!“

Ihr Gespons schlug ihr anerkennend auf die Schulter: „Agathe, du hast Recht! Der Eremit!! Wieso bin ich da nicht selbst drauf gekommen?!“

Er wandte sich wieder den anderen zu, die ihn gespannt ansahen.

„Der alte Eremit! Er haust da hinten gleich – in seiner Klause!“

Agathe nickte eilfertig und bestätigte die Worte Maxens.

Zufrieden nickte Van Helsing und gab augenblicklich die nächsten Befehle.

„Sehr gut! So holen Sie den frommen Eremiten herbei, lieber Max, derweil wir hier das Feuer entzünden, um die silbernen Kugeln zu gießen, die den wüsten Werwolf sein Leben kosten sollen!“

Max griff zu Hut und Jagdgewehr.

„Gut! Ich eile!“

Agathe schaute dem Ehegatten unschlüssig nach.

„Und ich?“

„Ihr?“

Van Helsing dachte nur einen Augenblick nach.

„Ihr windet einen Jungfernkranz!“

„Ach,“ seufzte Agathe, „das ist doch schon so lange her …!“

Und sie errötete sanft, so dass ihre Wangen beinahe die Farbe von Jonathans Apfelbäckchen annahmen. Doch darauf achtete keiner, denn alle scharten sich neugierig um den treuen Iwan, der das Feuer schürte, in dem die silbernen Kugeln gegossen werden sollten.

- - -

Die Wolfsschlucht zieht sich – wie so viele Schluchten – tief hinein ins Gebirge, immer höher hinauf, wo sich der Baumbestand immer mehr lichtet, die Felsen immer kahler zum Vorschein kommen, und – je höher ein Wanderer hinan steigt – auch die Luft immer dünner und kälter wird. Der Einschnitt zieht sich sogar bis hinauf an die Schneegrenze, und bis hierher hatte der Wolfsmensch Bianca Torturata geschleppt. Er hielt sie immer noch in seinen starken behaarten Armen – bzw. Vorderbeinen.

Der Ausblick war herrlich von hier oben, ganz besonders kurz nach Sonnenaufgang. Bianca ließ ihren Blick ringsum schweifen.

Den Werwolf hatte keinen Sinn für das Naturschauspiel, ihn störte der erneute Gesang des Jägerchors, der bis hierher herauf klang.

„Grrrrr – jetzt singen sie schon wieder – da drunten im Tale!“ knurrt er ungehalten und ließ er seine Gefangene ziemlich abrupt auf einen Felsklotz plumpsen, so dass sie ziemlich schmerzhaft ihr Steißbein spürte. „Sogar in dieser Wolfsschlucht findet man auch keine Rrrrruhe mehrrrr!“

Bianca zupfte fröstelnd an ihrer knappen Oberbekleidung herum. Neben dem Felsen hatte sie in einen schattseitigen Schneebatzen gegriffen.

„Oh, Wolf, hier oben liegt ja Schnee! Mir ist kalt!“

Nun zeigte sich mit einem Mal, dass im Wolfspelz kein Schaf, sondern ein echter Kavalier der alten Schule steckte.

Mit leuchtend gelben Augen betrachtete das Monster die hübsche junge Frau, doch in diesen Augen glomm nicht niederes Gelüst auf, sondern ehrliches Mitleid und Fürsorge für das hilflose weibliche Wesen.

„Ich sehe es! Dir fehlt ein Fell, mein schönes Kind,“ knurrte er, und es klang beinahe ein wenig nachdenklich, „hmmm – grrrr – warrrte hierrr – ich werrde einmal sehen, was sich tun lässt!“

Mit einem schelmischen Augenaufschlag wandte Bianca ein: „Aber, Wolf – wo willst du denn hier einen Pelz für mich finden?“

Das Lachen des Werwolfs klang wie ein Donnergrollen über die kahlen Berggipfel.

„Ganz einfach! Ich jage einen orrrdinären Wolf und ziehe ihm das Fell über die Ohren – für dich - grrrr!“

Schwanzwedelnd sprang er davon, aber bevor er aus dem Blickfeld Biancas entschwand, drehte er sich noch einmal um: „Du bleibst hier!“

„Gewiß, Wölfchen“ wisperte die Entführte, „und – wenn es geht, nimm einen grauen Wolf! Die Farbe steht mir besser!“

- - -

Während der Werwolf durch die hochalpinen Regionen der Karpathen strich, um ein geeignetes Fell zu finden, während Bianca Torturata, hilflos und fröstelnd, in der Hoffnung auf einen wärmenden Wolf in der Bergsonne verharrte, während Fürst Ottokar mit dem Chor der Jäger eine morgendliche Runde „Jägermeister“ nach der anderen becherte und seine Sorgen mit jedem Schluck des bittersüßen braunen Getränks mehr und mehr vergaß, umstanden die wahren Kämpfer für das Gute und gegen die bösen Wesen Transsylvaniens das Feuer, das Iwan entfacht hatte.

„Wir könnten jetzt beginnen mit dem Silberkugeln gießen, Herr Professor!“

„Sehr gut, Iwan!“

Van Helsing blickte um sich und sah die Augen von Agathe, die immer noch damit beschäftigt war, einen Jungfernkranz zu flechten, auf sich gerichtet.

Er räusperte sich.

„So nehmen wir zuerst einmal das Silber …!“

Iwan nickte und verharrte dann in der Bewegung.

„Welches Silber, bitte?“

Irritiert schaute der Professor seinen Diener an.

„Willst du damit sagen, dass wir kein Silber haben, Iwan?“

„Iwan fällt gerade ein: haben wir alles verbraucht beim letzten Mal, Herr Professor!“

Van Helsing winkte nonchalant ab und zückte sein Portemonnaie aus der Gesäßtasche.

„So greifen wir einfach zu einigen Silbermünzen …!“

Nun sah sich Agathe gezwungen, eine Einwendung zu machen.

„Seit der letzten Abwertung sind die transsylvanischen Lewonzen leider nicht mehr aus Silber!“

Bedauernd zuckte sie mit den liebreizenden Schultern, obwohl sie selbst sicher keine Schuld traf an dieser Verschlechterung der einheimischen Währung.

„Verflucht!“ platzte van Helsing endlich der professorale Kragen. „Wir werden doch irgendetwas aus Silber finden!“

Alle schauten sich um – doch nirgends im Bergwald der Wolfsschlucht zeigte sich auch nur der kleinste Gegenstand aus diesem Edelmetall.

Plötzlich piepste Agathe wieder: „Der Eremit!“

- - -

Wild entschlossen war Max durch den nächtlichen Wald geeilt, immer tiefer und tiefer durch undurchdringliches Unterholz, über unsichere Steige und über kleine, milde dahinplätschernde Bergbächlein.

Es wurde schon hell, als er schließlich auf eine Lichtung kam.

Er traute seinen Augen kaum. Da spielten doch tatsächlich Fuchs und Hase miteinander, der Eichelhäher saß zutraulich neben dem Eichhörnchen, und an einer frischen Quelle schlängelte sich die Kreuzotter neben dem Ochsenfrosch.

In einem steilen Felsen auf der anderen Seite der Lichtung, gähnte eine Öffnung – und der weißbärtige Mann, der eben aus dieser Öffnung trat, gähnte ebenfalls, streckte und dehnte seine sehnigen braunen Arme.

Hier lag also die Klause des Eremiten, die Max gesucht hatte.

Der weise Mann machte einige Kniebeugen, dass seine Gelenke nur so krachten, dabei rief er den Tieren rundum aufmunternde Worte zu – und entdeckte erst dann den Neuankömmling.

Seit zwanzig Jahren lebte der Eremit Erwin nun schon ganz allein hier im Wald, zurückgezogen von der Welt, in der er einmal daheim gewesen war, in der er eine lange und unbefriedigende Zeit als Dramaturg an verschiedenen kleinen Provinztheatern hinter sich gebracht hatte.

Der ständige Zwist mit Intendanten und Kulturreferenten hatte Erwin mit der Zeit aufgerieben, unglückliche Ehen und eheähnliche Verbindungen hatten ihm Rückenmark und Unterstützungszahlungen entzogen, heute war er blank und abgeklärt wie flüssige Butter.

„Sieh da, Max!“ rief er dem jungen Förster entgegen. „Was führt dich hierher? Hast du etwa auch endlich die Schnauze voll vom Eheleben?“

„Oh, nein – keineswegs, Euer Ehren!“ stammelte der junge Mann, dem die Ehe mit seiner Agathe durchaus schöne Stunden zu schenken vermochte.

„Was ist es dann, das dich hier in den hintersten Bergwald führt?“ fragte der alte Mann und lud den jungen Förster mit einer weit ausholenden Handbewegung ein, auf einem weichen Moospolster Platz zu nehmen.

- - -

Der Rückweg zu seinen Gefährten verzögerte sich für Max nicht unerheblich, da der Eremit ihn unbedingt begleiten wollte, dabei jedoch starrsinnig immer wieder in die falsche Richtung trottete. Immer wieder blieb er unverhofft stehen und lauschte ins Gehölz hinaus, vernahm Nachtigallenstimmen und Ebergrunzen mit gleichem Frohsinn, dann wieder haschte er nach einem vorbei fliegenden Schmetterling und geriet dabei auf Abwege.

Doch irgendwann vernahm Max von weitem eine weibliche Stimme.

„Wir winden dir den Jungfernkranz!“ trällerte sie voll Inbrunst.

„Welch silberhelles Stimmchen hör’ ich da?“ staunte der Eremit, der wieder einmal stehen geblieben war.

Stolz verkündete Max: „Es ist Agathe! Meine Gattin!“

Entschlossen zerrte er den weisen alten Mann jetzt hinter sich her, so dass dieser keine Chance mehr hatte, nach links oder rechts auszubrechen.

Das Feuer, das Iwan entzündet hatte, war mittlerweile schon mehrmals niedergebrannt und wieder angefacht worden.

Die Verbündeten saßen trübsinnig um das flackernde Lagerfeuer, nur Agathe trällerte leise ihre Melodie.

Jetzt sprang sie begeistert auf und ihrem Max um den Hals. Der schüttelte sie ab und schob den Mann in der Kutte in die Mitte der kleinen Versammlung.

„Sie sind sicher der Eremit hier in der Wolfsschlucht!“ begrüßte der Professor den Weißbärtigen. „Van Helsing ist mein Name, Professor van Helsing, aber Sie haben sicher noch nie von mir gehört - ?!“

„Oh doch – natürlich: Van Helsing, der bekannte Vampir- und Werwolfjäger! Herzlich willkommen!“

Der Eremit begrüßte den überraschten Professor mit ausgestreckten Armen.

Max schwenkte einen großen Armleuchter.

„Wir haben das geweihte Silber gleich mitgebracht!“

„Ein Kerzenleuchter, den mir einst Pater Aloysius von den weißen Brüdern von Ganderkese geschenkt hat. Er war es, der mich auf den Weg des Glaubens und der selbst gewählten Einsamkeit - !“

„Her damit!“ unterbrach ihn ungeduldig Iwan und warf das Kirchengerät ins Feuer. „Jetzt werden Silberkugeln gemacht!“

Gedankenverloren schaute Jonathan in die Flammen.

„Hoffentlich ist es nicht zu spät … Bianca!“ seufzte er.

- - -

Bianca hatte ihre Augen geschlossen und war in einen leichten, unruhigen Schlummer gefallen. Ihre Brüste hoben und senkten sich in einem sanften, weichen Rhythmus, und hin und wieder entrang sich ein sehnsüchtiger Seufzer ihrem wogenden Busen, und ihr Becken rotierte in unterbewussten wollüstigen Bewegungen auf und ab.

Ihr gegenüber saß eine behaarte Gestalt und beobachtete sie, während immer häufiger ein gurgelndes Schnaufen aus seinem unmenschlichen Maul kam, von dessen Lefzen kleine Speichelflüsse tropften. Das Wesen wurde zusehends unruhiger und das Gurgeln wurde tiefer und grollender. Bianca schien das gefühlt zu haben, denn sie schlug mit einem Mal die Augen auf.

„Oh, Wolf!“ wisperte sie.

„Grrr,“ knurrte der Werwolf und sank wieder zurück. „Hierrr ist das Fell! Gefällt es dirrr?“

Bianca merkte, wie sehr sie fröstelte, und griff schnell nach der wärmenden Hülle. Mit einem koketten Schwung legte sie sich die stahlgraue Decke um.

„Du musst mir sagen, ob es mir steht, Wölfchen!“

Innen war das Fell wirklich warm und weich, außen hingegen tropfte noch das Blut des erlegten Tieres herab, und auch kleinere Fleischreste klebten noch an dieser Seite der Haut.

Bianca Torturata kuschelte sich trotzdem in ihre neue Pelzhülle, und der Werwolf lobhudelte mit leuchtenden gelben Augen: „Werr so aussieht wie du, derrr kann einfach alles trrragen, Bianca!“

Waren es die Fleischbrocken auf dem Fell oder Biancas Fleisch darunter, das den Wolf zum wilden Tier werden ließ?

„Komm“ knurrte er und setzte zum Sprung an, „komm in meine Höhle, Bianca … grrr!“

„Oh, nein, du Wolf,“ kreischte das schöne Mädchen auf. „Nicht doch! Mein neuer Pelz!“

Doch diese Worte hätten das brünstige Ungeheuer sicher nicht aufgehalten. Wohl aber die stahlharte Stimme, die hinter ihm erklang: „Bleib stehen, du Ungetüm!“

Bianca riss ihre großen runden Augen noch weiter auf.

„Professor van Helsing! Was Sie hier sehen, täuscht - !“

Doch der Vampir- und Werwolfjäger beachtete das Mädchen nicht, sondern hielt seine grauen Augen fest auf den Wertwolf gerichtet – genau so fest wie das doppelläufige Gewehr, das er im Anschlag hielt.

„Steh, Ungeheuer! In dieser Silberbüchse steckt nicht nur eine Silberkugel – es sind vielmehr zwei – geweiht vom Eremiten Erwin!“

Der trat jetzt hinter van Helsing aus dem niederen Gesträuch: „Grüß Gott, mein schönes Kind, - jaja, diese Silberkugeln sind aus meinem Armleuchter gegossen, mein lieber Herr

Wolf …! “

Der stand dem Professor mit seiner Silberbüchse sprungbereit gegenüber.

„Grrr,“ knurrte er, „geht mirr weg mit dem geweihten Zeug! Ich kann es nicht errtrrragen!“

Jonathan war neben van Helsing getreten und schaute voll Abscheu auf das Ungeheuer und den Umhang aus blutigem Fell, in dem sich seine Braut scheu verbarg.

„So schießen Sie doch endlich, Professor! Worauf warten Sie noch?“

„Gottes Segen ist mit Euch!“ echote der Eremit.

Doch van Helsing zögerte weiter und zischte aus dem Mundwinkel: „Ihre Braut, Jonathan! Ich habe sie im Visier!“

Tatsächlich hatte der Werwolf nach einem Moment der Überraschung Bianca an sich gerissen und mit einem gewaltigen Schwung über seine Schulter geworfen.

„Das ist falsch, van Helsing!“ rief Jonathan erregt. „Nicht auf Bianca zielen! Sie sollen doch auf den Werwolf schießen!“

In diesem kurzen Moment der allgemeinen Irritation und Verwirrung hatte das wilde Ungeheuer mit seinem tierischen Instinkt einen Fluchtplan ausgeheckt und blitzschnell in die Tat umgesetzt. Mit einem gewaltigen Satz sprang Willi, der Werwolf, die steile Felswand hinauf, grub seine scharfen Krallen ins Gestein und arbeitete sich wie ein Profi-Kletterer hinauf. Bianca hing kreischend auf seinem behaarten Rücken und krallte sich in das Fell, nur um nicht herunter zu fallen.

Van Helsings Finger ruhte auf dem Abzug, ohne zu zittern, doch der Professor zögerte immer noch abzudrücken.

„Wo will das Biest denn bloß hin?“ fragte Jonathan, der wie gebannt daneben stand und darauf wartete, dass van Helsing endlich abdrückte.

„Da hinauf!“ knurrte dieser, und der Förster Max, der zu ihnen getreten war, fügte die exakte geografische Angabe hinzu: „Hinauf! Auf die Wolfsschanze!“

„So halten Sie ihn doch auf, Professor!“

Jonathan rüttelte Van Helsings Arm, so dass dessen Flinte hin und her wedelte wie das sprichwörtliche Blatt im Wind.

„Sonst entkommt er uns noch ein weiteres Mal – mit Bianca!“

„Ich kann nicht schießen, wenn Sie meinen Arm festhalten, junger Freund!“ rechtfertigte sich der Professor.

Der junge Förster griff nach dem Gewehr.

„Soll ich vielleicht - ?!“

Während die drei Männer so um die Waffe rangelten, war der Werwolf mit seiner lieblichen Last auf einem schmalen Felsgrat oberhalb der Lichtung angekommen, der so genannten Wolfsschanze.

Mit wild rollenden blutunterlaufenen Wolfsaugen blickte sich das unheimliche Wesen nach seinen Verfolgern um, im nächsten Augenblick riss er den Kopf herum zur anderen Seite des Berges. Ein steiler Abhang führte von dem schmalen Grat drüben hinunter in ein saftig grünes Tal.

„Oh, Wolf, was tust du?“ hauchte Bianca, die sich noch immer in seinen Pelz krallte, um den Halt nicht zu verlieren.

„Jetzt sprrringen wirrr da hinunterrr – ins Zilla-Tal!“

Mit vor Schreck geweiteten Augen sah Bianca in das tiefe, tiefe Tal.

„Oh, nein!“ kam es fast tonlos von ihren Lippen.

Da knallte ein Schuss.

Es war Professor van Helsing gelungen, siegreich aus dem Gerangel hervorzugehen und die Silberbüchse erneut auf sein Ziel zu richten.

Der Werwolf zuckte getroffen zusammen.

„Das warr bestimmt dieserr Arrmleuchterr von dem Erremiten – grrr!“

Das Ungeheuer schwankte unsicher auf dem schmalen Felssteg. Bianca Torturata schwankte auf seiner Schulter mit.

Vor Schreck gebannt verkrallte sich Jonathan in die Schulter Professor van Helsings.

„Oh, nein – sie stürzen ab!“

Der Werwolf warf seine Arme in einer Art Todeskrampf hoch. Dabei entglitt ihm seine weibliche Last. Bianca schrie vor Entsetzen auf.

Die Zeit schien für ein paar Sekunden still zu stehen.

Dann stürzten die Beiden zugleich von der Wolfsschanze: der Wolf krachte den Jägern diesseits vor die Füße, Bianca Torturata jedoch verschwand mit einem lang nachhallenden Schrei jenseits der Bergkuppe.

Der Eremit Erwin schlug ein Kreuz, der zu Tode getroffene Werwolf nahm es mit Abscheu zur Kenntnis und knurrte: „Mit mirrr geht es sowieso zu Ende!“

Jonathan jedoch war aus seiner Erstarrung erwacht und begann wie besessen den Abhang hinauf zu krabbeln. Hinter ihm kullerten Erdklumpen und Felsbrocken auf den sterbenden Werwolf.

„Vielleicht hat sie noch einen Ast packen können – ich muss hinauf, muss sie retten …!“

Keuchend kam er höher, näherte sich der Bergkante, krallte seine Finger in den Felsgrat, zog sich mit letzter Kraft hinauf, um hinüber zu schauen.

Unterdessen umstanden seine Kampfgefährten den erlegten Werwolf, der sich mit seinen letzten Atemzügen auf dramatische Weise veränderte. Das Fell an seinem Körper verschwand von Sekunde zu Sekunde, die übermäßigen Krallen bildeten sich zurück, seine prognatische Gesichtsstruktur wurde immer menschlicher.

„Er verwandelt sich!“ staunte der Jäger Max.

„Das tun sie alle,“ dozierte Professor van Helsing, auf die Silberbüchse gelehnt, „Wenn Sie ordnungsgemäß mit einer geweihten Silberkugel erlegt sind, gewinnen sie im Tode ihre ursprüngliche menschliche Gestalt zurück. – Vielleicht erkennen wir ja sogar den Menschen, der unter diesem Fell sein unglückliches Schicksal gefunden hat - !“

„Nein, so was! - Es ist Wilhelm, der Sohn vom Fürsten Ottokar!“

Der Förster Max hatte gespannt die Verwandlung des mysteriösen Wesens verfolgt und beugte sich über den Sterbenden.

„Max,“ stöhnte das unglückliche Wesen, „bitte sag meinem Vater, ich konnte so nicht länger leben … damals … heute … aaah!“

Der Eremit Erwin drückte Willi, dem Ex-Werwolf, die Augen zu und begann ein Gebet zu murmeln.

Jonathan war auf der Wolfsschanze angekommen. Mit einer letzten gewaltigen Anstrengung zog er sich hoch, blickte über die Bergkante hinüber ins Zillatal.

Ein Entsetzensschrei entrang sich seinen keuchenden Lippen.

„Was ist, Jonathan?“ rief der Professor hinauf.

„Da unten!“ rief der Jüngling atemlos und wäre fast von dem Grat gefallen, weil er mit einer Hand auf die andere Seite hinunter zu zeigen versuchte.

„Da ist etwas! Ein – ein Monster!“

Was nur er sah, war eine gewaltige grüne, schuppige Gestalt, die sich den Abhang ins Zilla-Tal hinunter wälzte, in schwankendem aufrechtem Gang auf den gewaltigen Hinterpranken, in den Krallen seiner Vorderfüße die ohnmächtige Bianca Torturata.

„Was – was kann das sein?!“ schrie Jonathan entsetzt.

Der Eremit hielt in seinem Gebetsfluß inne.

„Ein Monster? Dort drüben? Oh, das kann nur Godzilla sein! Das Monster aus dem Zilla-Tal!“

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Gemeinnutz? Nein:Eigennutz!

2. Februar 2011 · Keine Kommentare

Wo auch immer man hinschaut: der Politiker an sich ist heute korrupt bis auf die Knochen. Seien es nordafrikanische Alleinherrscher zwischen Ägypten und Tunesien, französische Ex-Präsidenten oder österreichische Ex-Minister, sie alle hatten und haben nur eines im Sinn: möglichst viel Kohle in die eigenen Taschen zu wirtschaften. Und dieses Trüppchen stellt sicher nur die Spitze des Eisbergs dar - oder glaubt wirklich noch irgendjemand, daß die anderen Charakterlarven, die uns tagtäglich aus der Glotze entgegen grinsen, besser sind? Ihnen ist nur bisher niemand auf der Spur, auf den Fersen - noch wiegen sie sich in Sicherheit, noch glauben sie, daß ihre Konten sicher sind. Tja, wartet nur: das hat Ben Ali auch geglaubt, und nun sperrt ihm der sparsame Schweizer den Geldhahn zu und behält die Fränkli lieber für sich!

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Wer hat Euch eigentlich ins Hirn geschissen …?

16. Januar 2011 · 1 Kommentar

Euch Italienern, die Ihr seit zwölf Jahren oder so einem alternden Kreuzfahrt-Entertainer mit Grinsemaul, angemalter Glatze und höchster krimineller Energie hinterher lauft? Eure gewählten Volks(?)vertreter werden entweder von ihm geschmiert oder für blöd verkauft, Eure jugendlichen Nutten kriechen zu diesem unappetitlichen Altsack ins Bett, und er grinst mit ungebrochener Frech- und Blödheit weiter. Ihr aber bemerkt gar nicht, daß dieser Kaiser ohne Toupet und Kleider so nackt wie ein kleines Würstchen  dastünde, wenn Ihr ihm endlich mal zeigtet, wo der Hammer hängt! Schwachmaten seid Ihr Italiener!

Euch Deutschen Bewußtlebern, die eine gemeingefährliche Schnapsidee nach der anderen auf den freien Markt schmeißt! Als erstes die Prachtvorstellung vom umweltfruendlichen Bio-Sprit (!), bei dessen Herstellung leider etwas hochgiftiges Dioxin anfällt! Macht aber gar nichts,denn das verfüttern wir einfach an unser Massenvieh, vergiften Hühner, Schweine und Menschen zum höheren Lobe des ungehemmten Profits! Hoffentlich verreckt Ihr Profiteure, Ihr Schwarzbrenner und Giftmischer am Dioxin - nein - hoffentlich sitzt Ihr neben Euren Kindern und müßt zuschauen, wie die den vergifteten Löffel abgeben, den ihnen ihre Eltern gereicht haben!

Dir, Verkehrsminister Ramsauer, der Du mitsamt Deinen ebenso oberschlauen Vorgängern im Amte die Bundesbahn so in Grund und Boden ruiniert haast, daß nedlich keine Züge mehr fahren, die Weichen nicht mehr funktionien und die Fahrgäste nur noch frierende Stehgäste auf den Bahnsteigen sind! So profitabel macht man den Betrieb, daß man seinen Kunden empfehlen muß, lieber nicht die Bahn zu benützen, weil man sie gar nicht befördern kann! Um dem abzuhelfen, kommt nur brieslose Bayer dann noch auf die bekloppte Idee, statt der Züge doch lieber Busse auf die ohnehin verstopfte Autobahn zu schicken! Wie blöd muß man eigentlich sein, um in Deutschland Minister zu werden?

Dir, dem nicht minder blöden Bremer Umwelt- und Verkehrssenator Loske, dem es auch im zweiten Winter nicht gelingen wollte, Bremens Straßen zu räumen und zu bestreuen, daß sie etwa verkehrssicher würden! Doch, doch die Hauptstarßen ließen sich gerade noch schaffen, dann mußten die Straßendienste aber schleunigst wieder in ihr warmes Büro zurück zum Skatspielen! Sollen die Bürger, die in den kleineren Straßen wohnen, doch auf die Fresse fliegen und sich die Böden ihrer Autos an den vereisten Buckeln mitten auf der Straße aufreißen! Kann man doch gar nicht räumen! Einen Betriebsausflug in Regionen, wo das Phänomen Schnee häufiger vorkommt, zu veranstalten - das wäre eine Idee, auf die man als bräsiger Bremer Senator natürlich nicht kommt, weil man lieber darüber salbadert, daß man die Hochstraße am Bahnhof gerne wieder abreißen möchte! Herzlichen Glückwunsch!

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Endlich kommen sie auch mal dran

16. Dezember 2010 · Keine Kommentare

Die Griechen, wie gebildete Altsprachler wissen, sind die Urväter Europas. Unsere Kultur, unser Wissen, unsere Dempokratie - alles basiert auf diesen Vorfahren aus dem alten Hellas. Und nun machen sie uns wieder einen vor: sie verprügeln ihre windigen und korrupten Politiker auf offener Straße bis Blut kommt! Bravo!!

Daran können wir uns doch ein Vorbild nehmen: liebe Italiener, haut dem Berlusconi in die Fresse! Liebe Franzosen, tretet dem Zwerg Sarkozy eins in die Eier! Liebe Österreicher, kastriert den Kroaten, den Ihr schon  mal eingelocht habt! Liebe Russen, laßt den Putin die Nagaika kosten!

Ja, und wir Deutsche? Was machen wir? Die Witzfiguren, die unsere Regierung bilden, lassen das Lachen im Hals stecken bleiben. Über Guido und Angela kann man keine Scherze mehr machen - also sperren wir sie zusammen in einen Love-Container - ohne Handys!!

Deutschland sucht den Super-Star, aber findet nicht mal einen halbwegs reellen Politiker, Banker oder Fernsehdirektor! Kein Wunder, wenn unsere Kinder und Kindeskinder sich mit Grausen abwenden von denen, die ihre Zukunbft versauen, um ihr eigenes Schäfchen und das ihrer Klientel ins Trockene zu bringen.

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Fussball-WM: was wir schon immer wußten

18. Juni 2010 · Keine Kommentare

Der Serbe - seit 1914 hat er nicht im Kopf als uns Niederlagen beizubringen! Von ersten Weltkrieg bis zum 0:1 - eine lange Liste von serbischem Unfug!

Und wovor unsere Großeltern uns schon immer warten, das hören wir nun mit eigenen Ohren: Negermusik! Das hält ja kein (deutscher Mensch) aus! So holt die Realität dann die Ethymologie ein - wenn man nur lange genug wartet!

Gut, daß Heidi Kabel das nicht mehr erleben muß! Und wenn jetzt noch die Schweiz die WM gewinnt … nicht auszudenken, was dann passiert! Ich sehe schwarz für den EURO!

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